Als sie das Gebäude verließ, hörte sie hinter sich eine vertraute Stimme.
„Du hast sie also nicht getragen.“
Morgan drehte sich um.
Die ältere Frau aus dem Bus stand wenige Schritte entfernt. Wieder trug sie ihren grauen Trenchcoat und die grüne Baskenmütze.
Morgan ging langsam auf sie zu.
„Wer sind Sie? Und woher wussten Sie von der Halskette?“
Die Frau sah sie lange an.
„Mein Name ist Eleanor. Ich habe früher für eine Firma gearbeitet, die mit deinem Mann und einem seiner Geschäftspartner zu tun hatte.“
Morgan spürte, wie ihr Herz schneller schlug.
„Was hat das alles mit Julian zu tun?“
Eleanor atmete tief durch.
„Ich kann dir noch nicht alles erzählen. Aber ich habe vor einigen Wochen erfahren, dass jemand nach den Unterlagen deiner Großmutter gesucht hat. Jemand wollte unbedingt wissen, ob das Grundstück tatsächlich dir gehört.“
„Wer?“
Die ältere Frau blickte Morgan direkt in die Augen.
„Richard Hale.“
Morgan wurde schwindelig.
„Und Julian?“
Eleanor schwieg einen Moment zu lange.
Dann zog sie ein gefaltetes Blatt aus ihrer Tasche.
Es war eine Kopie eines Geschäftsdokuments. Darauf standen Julians Name, der Name von Richard Hale und die Beschreibung eines Grundstücks in Door County.
Doch das Schlimmste war das Datum.
Das Dokument war drei Monate alt.
Morgan hatte zu diesem Zeitpunkt noch geglaubt, Julian wolle das Ferienhaus lediglich verkaufen, um seine Schulden zu begleichen.
Nun hielt sie einen Beleg in der Hand, der darauf hindeutete, dass er sich schon lange vor dem Geschenk mit jemandem über das Grundstück ausgetauscht hatte.
„Warum helfen Sie mir?“, fragte Morgan.
Eleanor senkte den Blick.
„Weil ich damals geschwiegen habe, als ich hätte sprechen müssen. Und weil ich nicht zulassen will, dass du denselben Fehler machst.“
Morgan faltete das Dokument sorgfältig zusammen.
Sie hatte keine Ahnung, was die Untersuchung der Halskette ergeben würde. Sie wusste nicht, ob Julian ihr bewusst etwas Gefährliches hatte zumuten wollen oder ob die Verfärbung eine harmlose Ursache hatte.
Aber eines wusste sie jetzt sicher:
Jemand interessierte sich für das Ferienhaus ihrer Großmutter weit mehr, als Julian je zugegeben hatte.
Und Morgan würde nicht zulassen, dass jemand sie zu einer Entscheidung drängte, bevor sie die Wahrheit kannte.
Als sie am Abend nach Hause kam, wartete eine weitere Nachricht auf ihrem Telefon.
Diesmal stammte sie von Julian.
**„Wir müssen reden. Es geht um das Haus. Und um das, was deine Großmutter dir nie erzählt hat.“**
Morgan starrte auf den Bildschirm.
Dann blickte sie auf Claras Brief, der neben ihr auf dem Tisch lag.
Sie hatte geglaubt, ihre Großmutter hätte ihr nur ein altes Ferienhaus hinterlassen.
Doch möglicherweise hatte Clara ihr etwas viel Wichtigeres vererbt: eine Wahrheit, die jemand um jeden Preis verborgen halten wollte.
**Und am nächsten Morgen würde Morgan erfahren, warum Julian plötzlich so große Angst davor hatte, dass sie die falschen Fragen stellte.**
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