Doch eines war sicher: Der Hund hatte ihn zu einer Wahrheit geführt, die jahrelang verborgen geblieben war.
***
Zwei Wochen später meldete sich die unabhängige Ermittlungsstelle.
Die Nummer auf dem Zettel gehörte zu einem ehemaligen Archivsystem der Polizei. Bei einer erneuten Prüfung fanden die Ermittler Hinweise darauf, dass ein Teil der ursprünglichen Einsatzdokumentation vor Jahren in einen separaten Bestand übertragen worden war.
Dort lag ein Bericht, der nie in die offizielle Akte aufgenommen worden war.
Er enthielt eine Aussage von Samuel Brooks, in der er erklärte, dass sein Partner vor dem Einsatz vor einem möglichen Informationsleck gewarnt hatte.
Außerdem gab es einen Vermerk über einen nicht identifizierten Besucher, der kurz vor dem Einsatz Zugang zum Dienstzimmer gehabt hatte.
Die Identität dieses Besuchers war im ursprünglichen Bericht geschwärzt worden.
Doch auf einer älteren Kopie war der Name noch lesbar.
Robert Vance.
Die Ermittler konnten daraus noch keine abschließende Schuld ableiten. Sie mussten die Dokumente überprüfen, weitere Zeugen befragen und klären, wer die Unterlagen verändert hatte.
Aber die Spur war endlich da.
Als Daniel die Nachricht erhielt, fuhr er nicht sofort zu Vance. Er hielt sich an die Anweisungen seiner Vorgesetzten und überließ die nächsten Schritte den unabhängigen Ermittlern.
Am Abend ging er mit Rex im Park spazieren.
Die Sonne sank hinter den Bäumen, und zum ersten Mal seit Wochen fühlte Daniel sich nicht mehr von der Vergangenheit verfolgt.
Er wusste, dass die Wahrheit noch nicht vollständig ans Licht gekommen war.
Aber er wusste auch, dass sein Vater nicht vergessen worden war.
Kurz bevor sie nach Hause gingen, klingelte Daniels Telefon.
Es war Captain Mitchell.
„Daniel, wir haben einen weiteren Zeugen gefunden“, sagte sie. „Einen ehemaligen Mitarbeiter, der damals in der Abteilung tätig war.“
Daniel blieb stehen.
„Was weiß er?“
Mitchell schwieg kurz.
„Er behauptet, dass dein Vater in seiner letzten Dienstwoche jemanden schützen wollte. Nicht sich selbst. Nicht seine Karriere.“
Daniel blickte auf Rex.
„Wen wollte er schützen?“
Die Antwort seiner Vorgesetzten ließ ihn sprachlos zurück.
„Dich.“
Daniel hielt das Telefon fester.
Sein Vater hatte offenbar Informationen zurückgehalten, weil sie seinen damals elfjährigen Sohn vor den Folgen einer Untersuchung bewahren sollten. Welche Informationen das genau waren, musste erst noch geklärt werden.
Als Daniel auflegte, kniete er sich neben Rex und legte eine Hand auf seinen Hals.
„Wir finden es heraus, alter Freund“, flüsterte er.
Rex blickte ihn mit seinen ruhigen, wachsamen Augen an.
Daniel hatte geglaubt, die Medaille würde ihm erklären, wie sein Vater gestorben war.
Doch nun führte sie ihn zu einer noch schwierigeren Frage:
**Was hatte sein Vater getan, um seinen Sohn zu schützen – und welches Geheimnis hatte er dafür mit ins Grab genommen?**
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