Elijah bedeutete ihr, sich zu setzen.

Hannah erzählte, dass Gregory in den vergangenen Monaten mehrfach angewiesen worden war, bestimmte Kunden bevorzugt zu behandeln. Andere Kunden wiederum sollten möglichst schnell wieder gehen, wenn sie nicht zu den Erwartungen der Geschäftsleitung passten.

„Er hat gesagt, dass das Autohaus ein bestimmtes Image bewahren müsse“, erklärte sie. „Wer nicht wohlhabend aussah, sollte sich nicht lange im Ausstellungsraum aufhalten.“

„Wer hat ihm diese Anweisungen gegeben?“, fragte Elijah.

„Der regionale Verkaufsdirektor, Mr. Collins.“

Elijah kannte den Namen. Collins beaufsichtigte mehrere Standorte und hatte in der Vergangenheit ausgezeichnete Verkaufszahlen vorgelegt.

„Haben Sie Beweise?“

Hannah öffnete ihre Tasche und zog einen kleinen Ordner heraus.

Darin lagen Kopien interner E-Mails und schriftlicher Anweisungen, die sie im Rahmen ihrer Arbeit rechtmäßig erhalten hatte.

Eine Nachricht erregte Elijahs besondere Aufmerksamkeit.

Darin stand, dass Mitarbeiter Kunden anhand ihres äußeren Erscheinungsbildes einschätzen und bestimmte Besucher ohne ernsthafte Beratung an andere Standorte verweisen sollten.

Eine weitere E-Mail enthielt Hinweise darauf, dass einige Beschwerden von Kunden absichtlich nicht an die Unternehmensleitung weitergeleitet worden waren.

Elijah las die Dokumente aufmerksam.

„Warum haben Sie das nicht früher gemeldet?“

Hannah senkte den Blick.

„Ich hatte Angst, meinen Arbeitsplatz zu verlieren. Meine Mutter ist krank, und ich helfe ihr mit meinem Gehalt. Ich wusste nicht, wem ich vertrauen konnte.“

Elijah legte die Papiere auf den Tisch.

„Sie haben richtig gehandelt, indem Sie die Angelegenheit jetzt melden. Wir werden die Dokumente prüfen lassen. Und niemand darf Sie deshalb benachteiligen.“

Hannah atmete hörbar aus.

Dann zögerte sie.

„Es gibt noch etwas.“

Elijah wartete.

„Am Tag, an dem Sie das Autohaus besucht haben, telefonierte Mr. Collins mit jemandem. Ich hörte nur einen Teil des Gesprächs. Er sagte, dass ein bestimmter Käufer auf keinen Fall die Gelegenheit bekommen dürfe, die Unterlagen zu prüfen.“

Elijahs Blick wurde ernst.

„Wissen Sie, um welche Unterlagen es ging?“

„Nein. Aber als ich später an seinem Büro vorbeiging, hörte ich ihn sagen, dass der Vertrag bald verschwinden müsse.“

Elijah lehnte sich zurück.

Jetzt hatte die Angelegenheit eine neue Dimension angenommen.

Er wusste noch nicht, ob es einen Zusammenhang zwischen den internen Anweisungen, den ungewöhnlichen Zahlungen und dem geplanten Kauf der Firmenflotte gab.

Aber er wusste, dass alle drei Punkte untersucht werden mussten.

—

## Kapitel 5: Die Sitzung, die niemand erwartet hatte

Eine Woche später berief der Eigentümer des Autohauses, ein Geschäftsmann namens Richard Bennett, eine außerordentliche Sitzung ein.

Elijah erhielt eine offizielle Einladung.

Zunächst wollte er ablehnen. Er hatte keinen Grund, sich erneut in die Angelegenheiten eines Unternehmens einzumischen, mit dem er keine geschäftliche Beziehung eingegangen war.

Doch sein Anwalt riet ihm, hinzugehen.

„Wenn die Unterlagen authentisch sind, könnte es sich um mehr als schlechte Kundenbetreuung handeln“, erklärte er. „Wir sollten Richard Bennett die Möglichkeit geben, darauf zu reagieren.“

Am Montagmorgen betrat Elijah den Konferenzraum des Autohauses.

Diesmal trug er einen dunklen Anzug. Doch er hatte bewusst keine teure Uhr angelegt.

Am Tisch saßen Richard Bennett, mehrere Führungskräfte und zwei Anwälte.

Auch Mr. Whitman war anwesend.

Als Gregorys Name fiel, räusperte sich Bennett.

„Wir bedauern den Vorfall mit Mr. Brooks. Gregory Hale wurde entlassen. Wir betrachten die Angelegenheit damit als abgeschlossen.“

Elijah öffnete seine Mappe.

„Ich nicht.“

Bennett runzelte die Stirn.

„Was meinen Sie damit?“

Elijah legte die Kopien der Dokumente auf den Tisch.

„Ich habe Informationen erhalten, die darauf hindeuten, dass bestimmte Geschäftspraktiken in Ihrem Unternehmen überprüft werden müssen. Es geht nicht nur um die Behandlung einzelner Kunden, sondern auch um mögliche Unregelmäßigkeiten bei Verträgen und Zahlungen.“

Die Anwälte begannen sofort, die Dokumente durchzusehen.

Mr. Collins, der regionale Verkaufsdirektor, wurde blass.

„Diese Unterlagen sind aus dem Zusammenhang gerissen“, sagte er hastig.

Elijah sah ihn an.

„Dann erklären Sie bitte den Zusammenhang.“

Collins schwieg.

Bennett wandte sich an seinen Anwalt.

„Sind diese Verträge echt?“

Der Anwalt antwortete vorsichtig.

„Einige Dokumente scheinen authentisch zu sein. Wir müssen jedoch die Herkunft und den vollständigen Inhalt überprüfen.“

Bennett sah zu Collins.

„Warum wurde ich darüber nicht informiert?“

„Weil es keine abgeschlossene Vereinbarung gab“, erwiderte Collins. „Es handelte sich lediglich um vorbereitende Gespräche.“

„Dann sollte es kein Problem sein, sämtliche Unterlagen offenzulegen“, sagte Elijah.

Niemand widersprach.

Noch am selben Tag kündigte Bennett eine unabhängige Prüfung der Geschäftspraktiken an. Die betroffenen Mitarbeiter wurden vorläufig von ihren Aufgaben entbunden, soweit dies für die Untersuchung erforderlich war.

Gregory Hale war nicht zur Sitzung eingeladen worden.

Doch am Abend meldete er sich bei Elijah.

„Mr. Brooks, ich weiß, dass ich Sie schlecht behandelt habe“, sagte er am Telefon. „Ich möchte Ihnen etwas mitteilen, das ich damals nicht zu sagen gewagt habe.“

Elijah blieb ruhig.

„Ich höre.“

Gregory erklärte, dass Collins ihn wiederholt unter Druck gesetzt habe, bestimmte Kunden abzuweisen. Gregory habe sich daran beteiligt, weil er glaubte, dass seine Verkaufszahlen und damit seine Position davon abhingen.

„Das entschuldigt nicht, was ich getan habe“, fügte er hinzu. „Ich hätte mich weigern müssen. Aber ich wollte nicht meinen Job verlieren.“