Leila lächelte höflich.
„Ich versuche lediglich, sicherzustellen, dass niemand etwas anderes versteht, als tatsächlich gemeint ist.“
Ein älterer Investor am anderen Ende des Tisches legte seinen Stift nieder.
„Das ist bemerkenswert. In den vergangenen drei Monaten haben wir mehrere Besprechungen über genau diese Punkte geführt. Heute wurden sie zum ersten Mal so klar zusammengefasst.“
David spürte, wie ihm die Hitze ins Gesicht stieg.
Er erinnerte sich an sein eigenes Gelächter.
An seine Worte über die Pizzalieferung.
Und an die Art, wie er ihr ein Trinkgeld angeboten hatte, nur damit sie den Raum verließ.
Er wollte sich entschuldigen, aber die Verhandlungen waren noch nicht beendet.
Leila hatte die Arbeit vor sich, für die sie gekommen war.
Und sie würde sie zu Ende bringen.
Dann entdeckte Leila einen Fehler, den selbst Davids Experten übersehen hatten
Kurz vor Mittag schob der Unternehmensanwalt einen weiteren Vertragsentwurf über den Tisch.
„Das ist die überarbeitete Fassung“, erklärte er. „Alle besprochenen Änderungen sind eingearbeitet.“
Leila begann, die wichtigsten Abschnitte zu prüfen.
Sie las die englische Fassung, verglich sie mit den ergänzenden Dokumenten und stellte anschließend eine Frage.
„Wer hat die Tabelle mit den geplanten Investitionszahlungen erstellt?“
Der Finanzdirektor hob den Kopf.
„Unser internes Team. Warum?“
„Können Sie mir bitte die ursprüngliche Berechnung zeigen? Nicht nur die Zusammenfassung.“
Der Mann sah David an, bevor er antwortete.
„Natürlich.“
Wenige Minuten später lag die ursprüngliche Tabelle vor Leila.
Sie verglich die Zahlen mit den Zahlungsbedingungen und bemerkte eine Abweichung. In der englischen Zusammenfassung war eine Zahlung einem anderen Quartal zugeordnet worden als in der beigefügten Finanzplanung.
Das allein bewies noch keinen Betrug. Es konnte sich um einen Übertragungsfehler handeln.
Doch die Abweichung war groß genug, dass die Investoren eine falsche Vorstellung davon hätten bekommen können, wann bestimmte Mittel benötigt wurden.
Leila legte beide Dokumente nebeneinander.
„Ich möchte niemandem einen Vorwurf machen“, sagte sie ruhig. „Aber diese Zahlen stimmen nicht überein. Bevor jemand unterschreibt, sollten wir herausfinden, welche Fassung verbindlich ist.“
Der Finanzdirektor wurde blass.
Der Anwalt beugte sich über die Unterlagen.
Einige Minuten lang prüften sie gemeinsam die Zahlen. Schließlich stellte sich heraus, dass bei einer früheren Überarbeitung eine veraltete Tabelle in die englische Zusammenfassung übernommen worden war.
Ein Fehler, der in der Eile übersehen worden war.
Und ein Fehler, der später zu erheblichen Missverständnissen hätte führen können.
David schloss kurz die Augen.
Wenn Leila nicht darauf bestanden hätte, die Unterlagen zu vergleichen, wäre der Vertrag möglicherweise mit widersprüchlichen Zahlen unterzeichnet worden.
Er sah sie an.
„Sie haben uns gerade vor einem gewaltigen Problem bewahrt.“
Leila schüttelte den Kopf.
„Wir haben das Problem gemeinsam gefunden. Dafür sind sorgfältige Prüfung und klare Kommunikation da.“
Dieser Satz blieb David im Gedächtnis.
Sie hätte sich als Heldin feiern lassen können. Stattdessen gab sie dem gesamten Team Anerkennung.
Zum ersten Mal fragte er sich, wie viele Menschen er in seinem Leben unterschätzt hatte, weil er nur ihre Kleidung, ihren Titel oder ihren Kontostand betrachtet hatte.
Der entscheidende Moment kam um 14:17 Uhr
Nach Stunden intensiver Gespräche waren die wichtigsten Bedingungen geklärt.
Die Investoren hatten sich auf einen überarbeiteten Vertragsentwurf geeinigt. Einige Details mussten noch von den Rechtsabteilungen geprüft werden, doch die Stimmung hatte sich grundlegend verändert.
Zhang Wei stand auf und reichte David die Hand.
„Ich bin bereit, den nächsten Schritt zu gehen.“
Omar Al-Fayed nickte zustimmend.
„Wir ebenfalls. Vorausgesetzt, die endgültigen Dokumente entsprechen dem, was wir heute vereinbart haben.“
David erwiderte den Händedruck.
Dann blickte er zu Leila.
„Ohne Ihre Hilfe hätten wir das heute nicht geschafft.“
Leila klappte ihr Notizbuch zu.
„Sie hätten vielleicht eine andere Lösung gefunden. Aber ich freue mich, dass ich helfen konnte.“
David zögerte.
„Ich möchte noch einmal über mein Angebot sprechen. Die Position, von der ich vorhin gesprochen habe, war spontan. Ich möchte Ihnen nicht irgendeinen Titel anbieten, nur weil Sie uns heute beeindruckt haben.“
Er wandte sich an seinen Personalchef.
„Wir werden Ihre Qualifikationen prüfen, Ihre Erfahrungen berücksichtigen und mit Ihnen über eine Stelle sprechen, die Ihren Fähigkeiten und Ihren Vorstellungen entspricht. Selbstverständlich bezahlt das Unternehmen auch Ihre heutige Arbeit angemessen.“
Leila sah ihn aufmerksam an.
„Und was ist mit Ihrer Bemerkung, ich solle meine Kunden beliefern, weil ich hier nicht hingehöre?“
Die Frage traf ihn härter als jede geschäftliche Kritik.
David stand auf.
Diesmal versuchte er nicht, sich hinter seinem Titel zu verstecken.
„Sie haben recht. Ich habe Sie respektlos behandelt, ohne Ihnen überhaupt zuzuhören. Ich habe angenommen, dass Ihre Uniform etwas über Ihre Fähigkeiten aussagt. Das war falsch. Und ich habe Sie vor Menschen gedemütigt, vor denen ich eigentlich professionell auftreten wollte. Dafür entschuldige ich mich.“
Im Konferenzraum war es still.
Leila betrachtete ihn einige Sekunden lang.
„Ich nehme Ihre Entschuldigung an“, sagte sie. „Aber ich hoffe, dass Sie sich auch dann daran erinnern, wenn nicht gerade ein wichtiger Vertrag auf dem Spiel steht.“
David nickte langsam.
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