Selbst Sarah schloss für einen Moment die Augen.

Preston hatte gerade seinem eigenen Vater erzählt, dass er absichtlich Müll über einen anderen Passagier geschüttet hatte.

„Du hast WAS getan?“, fragte die Stimme am Telefon.

Preston runzelte die Stirn.

„Dad, hör auf, dich aufzuregen. Das ist nicht der Punkt. Ich möchte, dass du dafür sorgst, dass dieser Mann aus dem Flugzeug entfernt wird.“

„Wie heißt der Mann?“

„Marcus. Marcus irgendwas. Bennett? Brooks? Keine Ahnung. Ist doch egal.“

In diesem Moment veränderte sich die Stimme seines Vaters.

„Preston, hör mir ganz genau zu. Hast du gesagt, sein Name sei Marcus?“

„Ja. Warum?“

„Hat er einen dunklen Anzug an? Sitzt er auf der linken Seite, ungefähr in der Mitte der Kabine?“

Preston blickte verwirrt zu Marcus.

„Ja. Woher weißt du das?“

Am anderen Ende war plötzlich kein Geräusch mehr zu hören.

Dann sagte sein Vater einen Satz, der das selbstgefällige Grinsen aus Prestons Gesicht verschwinden ließ.

„Fass diesen Mann nicht noch einmal an. Sag kein einziges Wort mehr zu ihm, bis ich dich zurückrufe.“

„Dad, was redest du da?“

„Hast du mich verstanden?“

„Aber er—“

„PRESTON!“

Die Stimme seines Vaters hallte durch die Kabine.

Alle verstummten.

„Entschuldige dich sofort bei ihm. Und dann warte.“

Die Verbindung wurde unterbrochen.

Preston starrte auf sein Handy.

Zum ersten Mal seit dem Betreten des Flugzeugs sah er nicht mehr überlegen aus. Er sah verwirrt aus. Fast verängstigt.

Seine Freunde senkten ihre Smartphones.

„Was war das denn?“, flüsterte einer.

Preston antwortete nicht.

Marcus dagegen lehnte sich zurück, nahm sein Buch wieder in die Hand und schlug die Seite auf, an der er aufgehört hatte.

Als wäre nichts geschehen.

Doch gerade diese Reaktion machte Preston nervös.

Warum hatte sein Vater so reagiert?

Und woher wusste er, wo Marcus saß?

Etwa zwei Minuten später ertönte die Stimme des Piloten über die Lautsprecher.

„Meine Damen und Herren, wir bitten um einen kurzen Moment Ihrer Aufmerksamkeit. Aufgrund einer Unstimmigkeit bei den Flugunterlagen werden wir unseren Abflug geringfügig verzögern. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“

Preston sah zur Decke.

„Was soll das jetzt?“

Sarah antwortete nicht.

Sie hatte gerade eine Nachricht auf ihrem Dienstgerät erhalten. Als sie den Bildschirm las, wurden ihre Augen groß.

Sie ging zur vorderen Kabine, sprach kurz mit einem Kollegen und kehrte anschließend mit sichtbar veränderter Haltung zurück.

„Mr. Marcus“, sagte sie respektvoll. „Darf ich kurz mit Ihnen sprechen?“

Marcus legte sein Buch beiseite.

„Natürlich.“

Sarah warf einen kurzen Blick auf Preston.

„Es gab offenbar einen Fehler bei der Buchung dieses Flugzeugs. Wir überprüfen gerade die Unterlagen, um sicherzustellen, dass alles korrekt ist.“

Marcus nickte.

„Das klingt vernünftig.“

Preston sprang auf.

„Moment mal! Warum sprechen Sie plötzlich so respektvoll mit ihm? Vor fünf Minuten war er für Sie doch auch nur irgendein Passagier!“

Sarah atmete tief durch.

„Sir, bitte setzen Sie sich.“

„Nein! Ich will wissen, was hier los ist!“

In diesem Moment öffnete sich die Tür zum Cockpitbereich, und ein Mann in einem dunklen Anzug trat in die Kabine. Er war der Flugleiter für diesen Flug und trug ein Tablet in der Hand.

Er ging direkt auf Marcus zu.

„Mr. Marcus Hale?“

Marcus stand auf.

„Ja.“

Der Flugleiter richtete sich auf und reichte ihm die Hand.

„Es tut mir außerordentlich leid, dass es zu dieser Situation gekommen ist. Wir haben die Buchungsunterlagen überprüft. Das Flugzeug wurde tatsächlich doppelt vergeben.“

Ein Raunen ging durch die Kabine.

Preston lachte nervös.

„Na und? Dann soll er eben in ein anderes Flugzeug steigen.“

Der Flugleiter drehte sich langsam zu ihm.

„Sir, ich glaube, Sie verstehen die Situation noch nicht.“

Er wandte sich wieder Marcus zu.

„Mr. Hale, die Maschine gehört Ihrer Unternehmensgruppe. Ihre persönliche Buchung wurde zuerst bestätigt. Die zweite Buchung hätte niemals freigegeben werden dürfen.“

Für einige Sekunden schien die Zeit stillzustehen.

Preston blinzelte.

Einmal.

Zweimal.

Dann lachte er laut auf, doch diesmal klang sein Lachen gezwungen.

„Das ist unmöglich.“

Marcus sah ihn ruhig an.

„Warum sollte es unmöglich sein?“

„Du? Du sollst der Eigentümer dieses Flugzeugs sein?“

Marcus blickte auf seinen verschmutzten Anzug.

„Offenbar ist ein teurer Anzug für dich ein zuverlässigerer Beweis für Erfolg als ein Name auf einem Vertrag.“

Niemand lachte.

Der Flugleiter fuhr fort.

„Mr. Hale hat sein Unternehmen vor vielen Jahren gegründet. Heute gehören ihm mehrere Firmen, darunter die Gesellschaft, über die dieser Privatjet betrieben wird.“

Sarah sah Marcus mit offenem Erstaunen an.

Der ältere Geschäftsmann klappte seine Zeitung vollständig zusammen.

Und Preston?

Preston stand da, als hätte ihm jemand den Boden unter den Füßen weggezogen.

Er hatte einen Mann gedemütigt, den er für einen unbedeutenden Angestellten gehalten hatte.

Dabei hatte er nicht einmal versucht herauszufinden, wer Marcus war.

Marcus hob eine Hand.

„Ich möchte nicht, dass jemand wegen des Buchungsfehlers unnötig bestraft wird. Solche Fehler passieren. Bitte finden Sie eine vernünftige Lösung für alle Passagiere.“

Der Flugleiter nickte sofort.

„Selbstverständlich, Sir.“