# TEIL 2: Die Schwiegertochter zwang die alte Frau, Wasser aus dem Brunnen zu schleppen – doch als der Anwalt eintraf, entdeckte er ein Geheimnis, das alles veränderte!
Doña Carmen sah Rebeca lange an.
Sie konnte kaum glauben, was sie gerade gehört hatte. Sie war die Mutter des Mannes, der diese Ranch aufgebaut hatte. Sie hatte ihren Sohn großgezogen, für ihn gehungert und auf vieles verzichtet, damit er eines Tages ein besseres Leben führen konnte.
Und nun stand sie hier, auf dem Grundstück ihres eigenen Sohnes, und musste um ihr Essen bitten.
„Rebeca“, sagte sie mit zitternder Stimme, „ich bin eine alte Frau. Meine Gesundheit ist nicht mehr die beste. Ich bin nicht hierhergekommen, um jemandem zur Last zu fallen.“
Rebeca verschränkte die Arme.
„Dann solltest du dich eben nützlich machen.“
Sie drückte der alten Frau einen leeren Eimer in die Hand.
„Ich will den ersten Eimer in einer halben Stunde sehen. Und wage es nicht, Martín etwas davon zu erzählen.“
Doña Carmen blickte auf den Eimer.
Ihre Hände zitterten.
Doch sie widersprach nicht.
Langsam machte sie sich auf den Weg zum Brunnen. Jeder Schritt fiel ihr schwer, und der unebene Boden machte den Weg noch anstrengender.
Als sie endlich den Brunnen erreichte, setzte sie sich für einen Moment auf einen Stein.
Sie dachte an Martín.
Als kleiner Junge hatte er sich einmal das Knie aufgeschlagen. Sie hatte ihn auf ihren Schoß genommen, seine Tränen getrocknet und ihm versprochen, dass er niemals allein sein würde, solange sie lebte.
Jetzt war er erwachsen.
Und er wusste nicht, was unter seinem eigenen Dach geschah.
Doña Carmen wischte sich über die Augen und stand wieder auf.
Sie würde ihren Sohn nicht vorschnell verurteilen. Vielleicht wusste er wirklich nichts von Rebecas Verhalten. Vielleicht gab es einen Grund, weshalb diese Frau sie so sehr hasste.
Doch eines wusste Carmen ganz sicher: Sie war nicht nur gekommen, um ihren Lebensabend auf der Ranch zu verbringen.
Sie war gekommen, um eine Wahrheit aufzudecken.
Und diese Wahrheit befand sich in den Dokumenten, die sie tief in ihrem alten Koffer verborgen hatte.
## Das Geheimnis im alten Koffer
Als Doña Carmen am Haus ankam, war Rebeca bereits auf der Veranda.
Sie betrachtete den Eimer und verzog das Gesicht.
„Das hat aber lange gedauert.“
„Der Weg ist weit“, antwortete Carmen erschöpft.
„Dann musst du eben schneller laufen.“
Rebeca nahm den Eimer und verschwand in der Küche.
Carmen blieb draußen stehen. Ihre Beine schmerzten, und ihr Rücken fühlte sich an, als hätte jemand schwere Steine daraufgelegt.
Doch sie hatte keine Zeit, sich auszuruhen.
„Und jetzt holst du den nächsten!“, rief Rebeca aus dem Haus.
Carmen schloss kurz die Augen.
Dann ging sie zurück zum Brunnen.
Als Martín am späten Nachmittag nach Hause kam, fand er seine Mutter erschöpft auf einem Stuhl sitzen.
„Mutter, was ist denn mit dir los?“, fragte er besorgt.
„Ich bin nur müde, mein Sohn.“
Martín bemerkte ihre geröteten Hände und die Erde an ihrem Kleid.
„Hast du heute gearbeitet?“
Bevor Carmen antworten konnte, erschien Rebeca mit einem freundlichen Lächeln in der Tür.
„Deine Mutter wollte unbedingt helfen. Sie besteht darauf, etwas zu tun, obwohl ich ihr gesagt habe, dass sie sich ausruhen soll.“
Martín sah seine Frau an.
Dann blickte er wieder zu seiner Mutter.
„Du solltest wirklich vorsichtig sein. Der Arzt hat dir doch gesagt, dass du dich schonen musst.“
Carmen senkte den Blick.
Sie wollte sprechen.
Sie wollte ihm sagen, dass Rebeca sie gezwungen hatte, dreimal am Tag zum Brunnen zu gehen, und ihr mit dem Entzug von Essen gedroht hatte.
Doch als sie Rebecas Blick bemerkte, schwieg sie.
In diesem Augenblick verstand sie, dass ihre Schwiegertochter nicht nur grausam war.
Sie war auch sehr geschickt darin, vor anderen eine völlig andere Person zu spielen.
In der Nacht, als Martín bereits schlief, stand Carmen leise auf und öffnete ihren Koffer.
Unter einigen alten Kleidungsstücken lag ein brauner Umschlag.
Darin befanden sich mehrere Urkunden, eine Kopie eines notariellen Vertrags und ein Brief mit einem offiziellen Siegel.
Carmen nahm die Dokumente heraus und prüfte sie sorgfältig.
Dann flüsterte sie:
„Noch ein wenig Geduld, Martín. Bald wirst du alles erfahren.“
Sie legte die Papiere zurück und schloss den Koffer ab.
Doch sie bemerkte nicht, dass die Tür einen Spalt offen stand.
Am anderen Ende des Flurs stand Rebeca.
Sie hatte jedes Wort gehört.
Und als sie den Umschlag in Carmens Händen gesehen hatte, war alle Farbe aus ihrem Gesicht gewichen.
Denn sie erkannte das Siegel.
Sie kannte dieses Dokument.
Und sie wusste genau, was passieren würde, wenn es in die falschen Hände geriet.
## Rebeca begeht einen folgenschweren Fehler
Am nächsten Morgen stand Rebeca früher als gewöhnlich auf.
Sie wartete, bis Martín die Ranch verlassen hatte, und ging anschließend direkt in das Zimmer ihrer Schwiegermutter.
„Was hast du in diesem Umschlag?“, fragte sie ohne Begrüßung.
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