Einige hatten bereits gehört, dass ein junger Designer hinter dem Projekt stand. Andere erwarteten einen bekannten Unternehmer, der mit einer großen Delegation erscheinen würde.

Doch als Adrien schließlich den Saal betrat, erkannten ihn viele zunächst nicht.

Er trug dieselbe schlichte Jacke wie am Nachmittag.

Ein Investor beugte sich zu seinem Kollegen.

„Ist das der Techniker?“

Der andere zuckte mit den Schultern.

„Vielleicht. Der Gründer wird sicher noch kommen.“

Adrien hörte die Bemerkung, sagte aber nichts.

Er ging direkt zur Bühne.

Camille stand bereits am Mikrofon.

„Meine Damen und Herren“, begann sie, „heute präsentieren wir Ihnen ein Fahrzeug, an dem unser Team fünf Jahre gearbeitet hat. Doch bevor wir die technischen Einzelheiten zeigen, möchte ich Ihnen den Menschen vorstellen, der dieses Projekt von Anfang an geleitet hat.“

Sie machte eine kurze Pause.

„Bitte begrüßen Sie unseren Gründer und Chefdesigner: Adrien Moreau.“

Einen Augenblick lang herrschte Stille.

Dann begann der Applaus.

Adrien trat auf die Bühne.

Er bedankte sich bei seinem Team und erklärte, dass AUREL nicht nur ein Luxusfahrzeug sein sollte. Es sollte zeigen, dass technische Innovation und verantwortungsvolle Entwicklung miteinander verbunden werden konnten.

Während seiner Präsentation öffnete sich langsam die schwarze Abdeckung.

Das Fahrzeug erschien im Licht.

Seine Linien waren schlicht und elegant. Die Türen öffneten sich nahezu geräuschlos, und das Armaturenbrett war so gestaltet, dass der Fahrer nur die Informationen sah, die er tatsächlich benötigte.

Die Gäste erhoben sich von ihren Sitzen.

Kameras blitzten.

Doch Adrien blickte nicht auf die Fotografen.

Er blickte auf sein Team.

Denn ohne die Ingenieure, Designer und Mechaniker, die jahrelang an seiner Seite gearbeitet hatten, wäre dieses Fahrzeug niemals entstanden.

—

## Eine unerwartete Begegnung

Nach der Präsentation kam ein älterer Mann auf Adrien zu.

Er trug einen dunklen Anzug und hielt eine kleine Visitenkarte in der Hand.

„Herr Moreau? Mein Name ist Laurent Dubois. Ich vertrete eine internationale Investmentgesellschaft.“

Adrien schüttelte ihm die Hand.

„Freut mich.“

„Ich habe Ihre Präsentation verfolgt. Besonders beeindruckt hat mich Ihre Entscheidung, die Entwicklung nicht ausschließlich an der Gewinnspanne auszurichten.“

„Ein Unternehmen muss Geld verdienen“, antwortete Adrien. „Aber es sollte nicht vergessen, warum es überhaupt existiert.“

Dubois lächelte.

„Ich würde gerne über eine Beteiligung sprechen. Wir könnten Ihre Produktion innerhalb eines Jahres erheblich erweitern.“

Adrien nahm die Visitenkarte entgegen.

„Das können wir gern besprechen. Aber ich werde keine Entscheidung treffen, bevor mein Team und unsere bestehenden Partner einbezogen wurden.“

Der ältere Mann nickte anerkennend.

In diesem Moment näherte sich Camille.

„Adrien, entschuldige bitte. Da wartet jemand auf dich.“

„Wer?“

„Die beiden Polizisten von heute Nachmittag.“

Adrien blickte überrascht auf.

Am Eingang des Saals standen tatsächlich die beiden Beamten.

Sie wirkten diesmal deutlich weniger selbstsicher.

Der ältere der beiden trat vor.

„Herr Moreau, hätten Sie einen Moment Zeit?“

„Natürlich.“

Der Polizist räusperte sich.

„Wir möchten uns für unser Verhalten entschuldigen. Wir haben die Situation falsch eingeschätzt.“

Adrien sah ihn ruhig an.

„Sie haben mich nicht nur falsch eingeschätzt. Sie haben mich behandelt, als hätte ich kein Recht, dort zu stehen.“

Der Beamte nickte langsam.

„Das stimmt. Wir hätten zuerst fragen müssen, statt Vermutungen anzustellen.“

Der zweite Polizist ergänzte:

„Wir haben inzwischen auch mit unserem Vorgesetzten gesprochen. Er wird den Vorfall intern überprüfen.“

Adrien schwieg einen Augenblick.

Dann sagte er:

„Ich erwarte nicht, dass Sie jeden Menschen sofort kennen. Aber ich erwarte, dass Sie jeden Menschen gleich respektvoll behandeln.“

„Das verstehen wir“, antwortete der ältere Beamte.

Adrien reichte ihnen die Hand.

Es war keine große Geste. Auch kein öffentliches Schauspiel.

Aber für die beiden Polizisten war es ein Moment, den sie nicht so schnell vergessen würden.

—

## Der Anruf nach Mitternacht

Als die Veranstaltung vorbei war, kehrte Adrien in seine Werkstatt zurück.

Er ging noch einmal um das Fahrzeug herum, prüfte die Türverriegelung und kontrollierte die Anzeige im Cockpit.

Alles funktionierte einwandfrei.

Dann vibrierte sein Telefon.

Eine unbekannte Nummer.

„Moreau?“, fragte eine Männerstimme.

„Ja. Wer spricht?“

„Mein Name ist Daniel Keller. Ich arbeite für einen Zulieferer, mit dem Sie vor einigen Monaten verhandelt haben.“

Adrien erinnerte sich.

Keller hatte damals angeboten, bestimmte elektronische Bauteile zu liefern. Doch die Preise waren ungewöhnlich niedrig gewesen, und die technischen Unterlagen hatten mehrere Unstimmigkeiten enthalten.

Adrien hatte den Vertrag deshalb nicht unterschrieben.

„Was kann ich für Sie tun?“, fragte er.

„Ich muss Sie warnen. Jemand versucht, an die vollständigen Baupläne von AUREL zu gelangen.“

Adrien richtete sich auf.

„Wer?“

„Das weiß ich nicht genau. Aber heute Nachmittag hat jemand versucht, sich mit gefälschten Zugangsdaten in Ihr internes Entwicklungssystem einzuloggen.“

Adrien blickte zu Camille, die gerade einige Unterlagen sortierte.

„Haben Sie Beweise?“

„Ich kann Ihnen morgen etwas zeigen. Aber Sie müssen mir versprechen, dass mein Name zunächst vertraulich bleibt.“

„Das kann ich nicht versprechen, bevor ich weiß, worum es geht. Aber ich werde Ihre Informationen verantwortungsvoll behandeln.“

Keller atmete hörbar aus.

„Gut. Dann treffen wir uns morgen früh.“

Das Gespräch endete.