Er antwortete nicht sofort. Er untersuchte die Patientin sorgfältig und veranlasste weitere medizinische Tests. Erst dann wandte er sich an Marta.
„Wir tun alles, was notwendig ist. Sie haben richtig gehandelt, indem Sie Hilfe geholt haben.“
Marta setzte sich auf einen Stuhl und verbarg das Gesicht in den Händen.
Doch während sich das medizinische Team um die Patientin kümmerte, begann die Polizei mit der Untersuchung des Besuchers.
Und schon nach wenigen Minuten fanden die Ermittler etwas, das den Fall in eine völlig neue Richtung lenkte.
1. Die Dokumente, die alles veränderten
Der Mann hieß Stefan Berger.
Er hatte sich im Krankenhaus als Neffe der Patientin vorgestellt. Tatsächlich war er der Sohn ihres verstorbenen Bruders.
Die alte Frau hieß Helene Weber. Sie war 79 Jahre alt und hatte ihr Leben lang in einem kleinen Haus am Stadtrand gelebt. Nach einem Sturz und einer komplizierten Hüftverletzung war sie ins Krankenhaus gekommen.
Stefan hatte sich zunächst als fürsorglicher Angehöriger präsentiert. Er brachte Blumen, fragte nach ihrem Befinden und sprach freundlich mit dem Personal.
Doch in seiner Tasche fanden die Ermittler mehrere Unterlagen.
Es waren vorbereitete Dokumente, mit denen Helene ihr Haus übertragen sollte. Außerdem entdeckten sie Kopien von Schriftstücken, die angeblich bereits von ihr unterschrieben worden waren.
Ein Polizist betrachtete die Papiere aufmerksam.
„Wer hat diese Unterschriften beglaubigt?“, fragte er.
Stefan schwieg.
„Und warum haben Sie Dokumente bei sich, die eine Eigentumsübertragung betreffen, obwohl Ihre Tante im Krankenhaus liegt und offenbar nicht zugestimmt hat?“
„Das ist eine Familienangelegenheit“, antwortete Stefan schließlich. „Sie ist alt. Sie versteht nicht mehr alles.“
In diesem Moment trat der leitende Arzt aus Zimmer Nr. 7.
„Das Alter eines Menschen gibt niemandem das Recht, ihn unter Druck zu setzen“, sagte er kühl.
Stefan blickte ihn wütend an, sagte aber nichts mehr.
Die Polizei nahm die Unterlagen mit. Die Herkunft der unbekannten Substanz musste untersucht werden, und auch die mutmaßlich gefälschten Unterschriften sollten überprüft werden.
Noch war nicht jede Frage beantwortet.
Doch eines stand fest: Die Ereignisse in Zimmer Nr. 7 waren viel ernster, als das Personal zunächst vermutet hatte.
2. Als Helene endlich die Augen öffnete
Stunden vergingen.
Marta durfte nicht ständig am Bett bleiben, aber sie erkundigte sich bei jeder Gelegenheit nach Helenes Zustand.
Kurz vor dem Morgen kam eine Krankenschwester auf sie zu.
„Sie ist wieder bei Bewusstsein.“
Marta sprang auf.
Als sie das Zimmer betrat, lag Helene blass und erschöpft im Bett. Ihre Augen waren geöffnet. Sie sah Marta an, als müsste sie erst begreifen, dass sie tatsächlich in Sicherheit war.
„Sie sind noch hier?“, flüsterte Helene.
Marta nahm vorsichtig ihre Hand.
„Natürlich bin ich hier.“
Die alte Frau begann zu weinen.
„Ich dachte, niemand würde mir glauben.“
„Es tut mir leid, dass Sie solche Angst hatten“, antwortete Marta. „Sie müssen jetzt nicht mehr allein damit fertigwerden.“
Helene schloss die Augen. Einige Sekunden lang sagte sie nichts.
Dann flüsterte sie: „Er wollte mein Haus.“
Marta hörte schweigend zu.
Helene erzählte, dass Stefan sie schon vor ihrem Krankenhausaufenthalt wiederholt besucht hatte. Zunächst hatte er ihr angeboten, sich um ihre Rechnungen zu kümmern. Später hatte er verlangt, dass sie ihm eine Vollmacht erteilte.
Als sie sich weigerte, wurde er immer ungeduldiger.
„Er sagte, ich sei zu alt, um allein Entscheidungen zu treffen“, berichtete Helene. „Er sagte, ich würde ohnehin bald in ein Pflegeheim kommen und das Haus nicht mehr brauchen.“
Sie blickte Marta an.
„Aber in diesem Haus hat mein Mann gelebt. Dort sind meine Kinder aufgewachsen. Jeder Winkel erinnert mich an mein Leben.“
Ihre Stimme brach.
„Ich wollte es nicht verlieren.“
Marta drückte ihre Hand.
„Sie haben das Recht, selbst über Ihr Leben und Ihr Eigentum zu entscheiden.“
Zum ersten Mal seit Tagen wirkte Helenes Gesicht ein wenig ruhiger.
3. Doch dann stellte die Polizei eine unerwartete Frage
Am Nachmittag kam eine Ermittlerin ins Krankenhaus.
Sie hieß Kriminalhauptkommissarin Vogt und hatte bereits erste Aussagen aufgenommen.
„Frau Weber“, begann sie vorsichtig, „wir müssen Ihnen eine Frage stellen. Hat Ihr Neffe jemals behauptet, Sie hätten ihm bereits das Haus versprochen?“
Helene nickte langsam.
„Er sagte, mein Bruder hätte es so gewollt.“
„Haben Sie jemals ein entsprechendes Dokument unterschrieben?“
„Nein.“
Die Ermittlerin machte sich eine Notiz.
Dann zog sie ein Foto aus ihrer Mappe.
Es zeigte ein Dokument mit Helenes Namen. Darunter befand sich eine Unterschrift, die ihrer ähnelte.
Helene starrte darauf.
„Das habe ich nicht unterschrieben.“
„Wir werden die Echtheit überprüfen lassen“, sagte Vogt. „Wir möchten aber auch wissen, ob jemand Zugang zu Ihren persönlichen Unterlagen hatte.“
Helene dachte lange nach.
Schließlich erinnerte sie sich an einen Ordner, den sie in einer Schublade ihres Schlafzimmers aufbewahrte. Darin lagen die Unterlagen ihres Hauses und einige alte Familienbriefe.
Stefan hatte ihr einmal angeboten, den Ordner für sie zu sortieren.
Die Ermittlerin sah auf.
„Wann war das?“
„Ungefähr zwei Monate vor meinem Sturz.“
Damit erhielt der Fall eine neue Spur.
Popular Posts
→- 1
- 2
- 3
- 4
Recently Viewed
Stories you read recently will appear here.



