Doch Claire drängte sich niemals an die Stelle seiner Mutter.

Wenn Antoine über Élise sprach, hörte sie einfach zu.

Wenn Lucie nach ihrer Mutter fragte, erzählte sie ihr Geschichten, die Pierre ihr gegeben hatte.

Sie wollte nicht ersetzen.

Sie wollte bewahren.

Fast ein Jahr verging.

Dann kam der Tag, an dem alles wieder ins Wanken geriet.

Claire kam vom Markt zurück und fand Pierre nicht allein vor dem Haus.

Neben ihm stand ein Mann in einem dunklen Mantel.

Ein Notar.

In seiner Hand befand sich eine Ledermappe.

„Madame Claire“, sagte der Mann höflich.

„Ich glaube, wir müssen miteinander sprechen.“

Pierre wirkte angespannt.

„Es geht um Élise.“

Claire blieb stehen.

„Was ist passiert?“

Der Notar öffnete die Mappe.

„Ihre verstorbene Ehefrau hinterließ kurz vor ihrem Tod ein Dokument, das nie zugestellt wurde.“

Pierre runzelte die Stirn.

„Das ist unmöglich.“

„Nein.“

Der Mann nahm ein gefaltetes Papier heraus.

„Es wurde bewusst zurückgehalten.“

Stille.

Claire spürte sofort, dass es nicht nur um ein gewöhnliches Testament ging.

Der Notar sah zu Pierre.

„Ihre Frau hatte versucht, eine Wahrheit über ihre Familie zu schützen.“

Pierre nahm das Dokument.

Seine Hände zitterten.

Er las die ersten Zeilen.

Dann wurde sein Gesicht völlig blass.

„Was steht dort?“, fragte Claire.

Pierre antwortete nicht sofort.

Er blickte nur zum alten Haus.

Zu den Fenstern.

Zu dem Zimmer im Nordflügel.

Dann sagte er leise:

„Mathieu war nicht das einzige Geheimnis, das Élise mit sich getragen hat.“

Claire spürte, wie ihr Herz schneller schlug.

Denn plötzlich verstand sie:

Sie war nicht zufällig nach „Les Tilleuls“ gekommen.

Dieses Haus hatte sie nicht nur gebraucht, weil eine Familie jemanden brauchte, der kochte und nähte.

Es hatte sie gebraucht, weil jemand da sein musste, wenn die Wahrheit endlich ans Licht kam.

Und diese Wahrheit würde nicht nur Pierre und seine Kinder verändern.

Sondern auch Claire selbst.

Fortsetzung in Teil 3…

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