Die Worte schienen etwas in ihm ausgelöst zu haben.
„Wie heißt Ihr Vater?“
„David Miller.“
„Und in welchem Krankenhaus wird er behandelt?“
Emma nannte den Namen der Klinik.
Karim nickte langsam.
„Verstehe.“
Dann wandte er sich an seinen persönlichen Assistenten, der einige Reihen hinter ihm saß.
„Nehmen Sie bitte Kontakt mit meinem Büro auf.“
Der Assistent stand sofort auf.
„Natürlich, mein Herr.“
Emma blickte verwirrt zwischen den beiden hin und her.
„Entschuldigung, aber warum?“
Karim sah sie an.
„Ich möchte nur sicherstellen, dass Sie bei Ihrer Ankunft nicht mit zusätzlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden.“
„Das ist wirklich nicht nötig.“
„Lassen Sie mich wenigstens versuchen, Ihnen den Weg etwas leichter zu machen.“
Emma schwieg.
Sie war es nicht gewohnt, dass jemand ihr Hilfe anbot, ohne etwas dafür zu verlangen.
Wenige Minuten später kam der Assistent zurück.
Er beugte sich zu Karim und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
Karims Gesichtsausdruck veränderte sich.
„Sind Sie sicher?“, fragte er leise.
Der Assistent nickte.
„Ja, mein Herr. Die Informationen stimmen.“
Karim lehnte sich zurück und blickte Emma an.
„Ihr Vater heißt David Miller, richtig?“
„Ja.“
„Hat er früher in einem kleinen Krankenhaus in der Nähe des alten Hafens gearbeitet?“
Emma runzelte die Stirn.
„Ja. Aber woher wissen Sie das?“
Karim schwieg einen Augenblick.
Dann sagte er:
„Ihr Vater hat vor vielen Jahren einem jungen Mann geholfen, der damals praktisch nichts besaß.“
Emma sah ihn überrascht an.
„Was meinen Sie?“
Karim wandte sich dem Fenster zu.
„Ich war dieser junge Mann.“
Emma konnte zunächst nicht antworten.
Der Mann, den sie aus den Nachrichten kannte, erzählte plötzlich von einer Vergangenheit, über die sie nie etwas gehört hatte.
Karim begann langsam zu sprechen.
„Als ich noch jung war, hatte meine Familie große finanzielle Schwierigkeiten. Mein Vater war verstorben, und ich musste früh Verantwortung übernehmen. Eines Tages wurde ich krank. Ich hatte kein Geld für die Behandlung und wusste nicht, an wen ich mich wenden sollte.“
Er machte eine kurze Pause.
„Ihr Vater arbeitete damals im Krankenhaus. Er hätte mich abweisen können. Stattdessen kümmerte er sich um mich, organisierte die notwendige Untersuchung und sorgte dafür, dass ich behandelt wurde.“
Emma legte eine Hand vor den Mund.
„Mein Vater hat Ihnen geholfen?“
Karim nickte.
„Er sagte damals zu mir: ‚Wenn du eines Tages wieder auf den Beinen bist, vergiss nicht, dass auch andere Menschen manchmal Hilfe brauchen.‘“
Der Scheich lächelte schwach.
„Ich habe diese Worte nie vergessen.“
Emma blickte auf ihre Hände.
Plötzlich ergab alles einen Sinn.
Ihr Vater hatte tatsächlich manchmal von einem jungen Mann erzählt, dem er in einer schwierigen Zeit geholfen hatte. Er hatte jedoch nie dessen Namen genannt.
„Er hat mir nie erzählt, dass Sie es waren“, flüsterte sie.
„Vielleicht wollte er keine Anerkennung dafür.“
Karim blickte sie ernst an.
„Ihr Vater hat damals etwas getan, das mein Leben verändert hat. Und heute erfahre ich, dass seine Tochter neben mir sitzt und sich Sorgen macht, ob sie rechtzeitig zu ihm kommen kann.“
Emma konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.
„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“
„Dann sagen Sie nichts. Wir kümmern uns erst einmal darum, dass Sie Ihren Vater sehen können.“
Als das Flugzeug schließlich landete, warteten bereits mehrere Mitarbeiter am Ausgang.
Emma nahm ihre Tasche und stand auf.
Karim erhob sich ebenfalls.
„Kommen Sie, ich begleite Sie.“
„Das müssen Sie wirklich nicht tun.“
„Ich weiß.“
Er lächelte leicht.
„Aber ich möchte es.“
Die Leibwächter tauschten erneut überraschte Blicke aus.
Der Scheich ging mit einer jungen Krankenschwester durch den Flughafen, während sein Assistent telefonisch die nächsten Schritte organisierte.
Am Ausgang wartete ein Wagen.
Emma blieb stehen.
„Ist das Ihr Auto?“
„Ja.“
„Aber ich kann doch nicht einfach …“
Karim öffnete die Tür.
„Ihr Vater wartet auf Sie.“
Sie stieg schließlich ein.
Während der Fahrt erzählte Emma mehr über ihren Vater. Wie er sie nach dem Tod ihrer Mutter allein großgezogen hatte. Wie er ihr bei den Hausaufgaben geholfen und sie zu jeder Schulveranstaltung begleitet hatte. Wie er selbst nach langen Arbeitstagen noch versucht hatte, ihr ein schönes Zuhause zu geben.
Karim hörte aufmerksam zu.
„Er muss ein bemerkenswerter Mann sein.“
Emma lächelte traurig.
„Er ist der beste Mensch, den ich kenne.“
Als sie am Krankenhaus ankamen, wartete bereits ein Mitarbeiter der Klinik am Eingang.
„Sind Sie Frau Miller?“
Emma nickte.
„Ja. Ich möchte zu meinem Vater.“
Der Mitarbeiter lächelte freundlich.
„Wir bringen Sie sofort zu ihm.“
Sie drehte sich zu Karim um.
„Danke. Ich werde Ihnen das niemals vergessen.“
Karim schüttelte den Kopf.
„Sie müssen mir nichts zurückgeben. Ihr Vater hat mir damals geholfen, als ich es gebraucht habe. Heute ist es an mir, etwas zurückzugeben.“
Emma ging mit dem Mitarbeiter ins Krankenhaus.
Karim blieb noch einen Moment am Eingang stehen.
Dann erhielt er einen Anruf.
Es war sein Assistent.
„Mein Herr, wir haben inzwischen mit der Klinik gesprochen. Die Ärzte prüfen die Behandlungsmöglichkeiten. Allerdings gibt es noch ein Problem mit den Unterlagen.“
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