Am Ende hatte er eine letzte Bitte formuliert:
*„Wenn meine Tochter eines Tages vor dir steht, dann beurteile sie nicht nach ihrem Namen, ihrem Vermögen oder ihrer Herkunft. Höre ihr zu. Sie hat eine Stimme, die Menschen daran erinnern kann, was wirklich wichtig ist.“*
Der Prinz las den Satz zweimal.
Dann sah er Mira an.
„Deshalb bist du gekommen?“
„Auch“, antwortete sie.
„Was meinst du damit?“
Mira blickte kurz zu Lord Richard.
„Ich wollte wissen, ob dieses Königshaus noch immer bereit ist, Menschen wie meinen Vater zum Schweigen zu bringen. Oder ob sich etwas verändert hat.“
Der Prinz schwieg.
Er hatte geglaubt, mit seinem Gesangswettbewerb die perfekte Ehefrau zu finden.
Doch nun erkannte er, dass er nicht einmal die Geschichte seines eigenen Palastes kannte.
### Die unerwartete Entscheidung des Prinzen
Am nächsten Morgen ließ der Prinz eine außerordentliche Sitzung des königlichen Rates einberufen.
Er verkündete, dass die damaligen Vorgänge rund um die Musikstiftung unabhängig untersucht werden sollten.
Lord Richard wurde vorläufig von seinen Aufgaben entbunden, bis die Unterlagen geprüft waren.
Außerdem erklärte der Prinz, dass der Gesangswettbewerb nicht länger als Heiratsentscheidung gelten werde.
„Ich habe einen Fehler gemacht“, sagte er vor dem Rat. „Ich habe öffentlich versprochen, eine Frau allein aufgrund ihrer Stimme zu heiraten. Doch niemand sollte durch einen Wettbewerb zu einer Ehe verpflichtet werden.“
Dann wandte er sich an Mira.
„Du hast den Wettbewerb gewonnen. Aber du schuldest mir weder eine Antwort noch eine Zukunft.“
Mira sah ihn überrascht an.
„Und was erwarten Sie jetzt von mir?“
Der Prinz lächelte schwach.
„Zunächst hoffe ich, dass du mir erlaubst, dir zuzuhören. Nicht als Prinz, sondern als jemand, der damals seinen Freund verloren hat und nie erfahren durfte, warum.“
Mira dachte lange nach.
Dann antwortete sie:
„Wir können reden. Aber zuerst möchte ich, dass der Name meines Vaters wieder reingewaschen wird.“
„Das verspreche ich.“
### Doch im Archiv wartete eine weitere Überraschung
Drei Tage später erhielt der Prinz einen Bericht aus dem königlichen Archiv.
Die alten Finanzbücher waren gefunden worden.
Zwischen mehreren Akten lag ein Dokument, das nie Teil der ursprünglichen Untersuchung gewesen war.
Es trug das Datum des Tages, an dem Adrian entlassen worden war.
Darauf befand sich die Unterschrift von Lord Richard.
Doch das war nicht das Überraschendste.
Unter Richards Unterschrift stand ein zweiter Name.
Ein Name, den der Prinz sofort erkannte.
**Der Name seines eigenen Vaters.**
Er starrte auf das Dokument.
War sein Vater damals ebenfalls in die Angelegenheit verwickelt gewesen?
Oder hatte jemand seine Unterschrift missbraucht?
In diesem Augenblick öffnete sich die Tür.
Mira trat ein.
„Mein Prinz“, sagte sie leise. „Ich glaube, ich weiß, warum mein Vater diesen Brief so lange aufgehoben hat.“
Der Prinz hob den Kopf.
„Warum?“
Mira legte einen zweiten, versiegelten Umschlag auf den Tisch.
„Weil er wusste, dass dieser Tag irgendwann kommen würde.“
Auf dem Umschlag stand nur ein einziger Satz:
**„Die Wahrheit über den Musikfonds beginnt nicht bei Lord Richard – sondern bei jemandem, dem der Prinz seit seiner Kindheit vertraut.“**
Der Prinz blickte zur verschlossenen Tür.
Plötzlich fragte er sich, ob er den Menschen, die ihn sein ganzes Leben lang beraten hatten, wirklich vertrauen konnte.
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