Doch am Abend vor der offiziellen Bekanntgabe ihrer Hochzeit geschah etwas Seltsames.
Ein älterer Diener bat Emma, ihm in einen abgelegenen Flur zu folgen.
„Prinzessin, ich muss Ihnen etwas geben.“
Er überreichte ihr einen kleinen Umschlag.
„Wer hat ihn geschickt?“, fragte Emma.
„Ich darf es nicht sagen. Aber ich glaube, Sie sollten den Inhalt lesen, bevor morgen die Feier beginnt.“
Emma öffnete den Umschlag.
Darin lag ein vergilbtes Dokument und ein kleines Porträt einer Frau in königlicher Kleidung.
Auf der Rückseite stand:
**„Die letzte Frau, die den Feuerring bestand, wurde niemals Königin.“**
Emma runzelte die Stirn.
Sie las das Dokument.
Es handelte sich um einen alten Bericht über eine junge Frau namens Eleanor, die vor vielen Jahrzehnten dieselbe Herausforderung bestanden hatte.
Sie war ebenfalls keine Adlige gewesen.
Doch kurz nach ihrer Verlobung mit dem damaligen Prinzen war sie plötzlich aus dem Palast verschwunden.
Offiziell hatte sie das Königreich freiwillig verlassen.
Aber am Ende des Berichts stand eine handschriftliche Notiz:
„Sie wusste zu viel über die Menschen, die den Thron kontrollierten.“
Emma spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.
***
Am nächsten Morgen suchte sie Alexander auf.
Er bemerkte sofort, dass etwas nicht stimmte.
„Was ist passiert?“
Emma legte das Dokument auf seinen Schreibtisch.
Alexander las es aufmerksam.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.
„Woher hast du das?“
„Ein Diener hat es mir gegeben.“
Alexander ging zum Fenster.
„Ich kenne den Namen Eleanor. Mein Vater hat mir einmal von ihr erzählt. Sie war angeblich eine entfernte Verwandte der königlichen Familie.“
„Und warum hat niemand über ihr Verschwinden gesprochen?“
„Weil die Geschichte angeblich längst geklärt war.“
Emma zeigte auf die letzte Notiz.
„Dann sollten wir herausfinden, wer sie geschrieben hat.“
Alexander nickte.
Er versprach, die alten Unterlagen gemeinsam mit seinem Vater prüfen zu lassen.
Doch bevor sie die Bibliothek verlassen konnten, klopfte es an der Tür.
Ein königlicher Berater trat ein.
„Eure Hoheit, der König bittet Sie beide sofort in den großen Saal.“
***
Als Emma und Alexander eintrafen, warteten dort bereits mehrere Mitglieder des Hofes.
König Richard stand neben einem großen Tisch.
Darauf lagen weitere alte Dokumente.
„Wir haben die Unterlagen aus dem königlichen Archiv überprüft“, erklärte er.
„Und?“, fragte Alexander.
Der König sah Emma ernst an.
„Der Bericht über Eleanor wurde damals absichtlich unvollständig abgelegt. Wir haben außerdem einen Brief gefunden, der beweist, dass sie das Königreich nicht freiwillig verlassen hat.“
Emma trat näher.
„Was ist mit ihr geschehen?“
Der König antwortete nicht sofort.
Stattdessen zog er einen weiteren Brief aus einer Mappe.
Die Unterschrift darauf gehörte einem Mann, dessen Name Emma bereits am Vortag gelesen hatte.
Es war der Name des damaligen königlichen Beraters.
Und dieser Name tauchte auch in den aktuellen Unterlagen des Palastes auf.
Alexander wurde blass.
„Das ist unmöglich.“
„Warum?“, fragte Emma.
Der König hob langsam den Kopf.
„Weil derselbe Familienname noch heute zu den mächtigsten Häusern unseres Königreiches gehört.“
In diesem Moment öffneten sich die Türen des Saals.
Herzogin Beatrice trat ein.
Hinter ihr ging ein junger Mann mit einem dunklen Mantel.
Als er Emma sah, blieb er stehen.
Dann lächelte er kalt.
„Wie interessant“, sagte er. „Die Schneiderin hat also tatsächlich den alten Feuerring bestanden.“
Alexander stellte sich neben Emma.
„Wer sind Sie?“
Der Mann verbeugte sich knapp.
„Mein Name ist Lord William Ashford. Und ich glaube, dass Ihre Verlobte etwas besitzt, das meiner Familie seit Generationen zusteht.“
Er legte ein altes Siegel auf den Tisch.
Der König erkannte es sofort.
Es war das Siegel, das auf dem verschwundenen Testament von Prinzregent Henry verwendet worden war.
Emma sah von dem Siegel zu Alexander.
Plötzlich verstand sie, dass ihre Verlobung möglicherweise mehr verändert hatte, als sie sich je hätte vorstellen können.
Denn wenn das alte Testament tatsächlich existierte, ging es nicht nur um die Geschichte einer verschwundenen Frau.
Es ging um die Frage, wer eines Tages wirklich über das Königreich herrschen durfte.
Und Lord Ashford schien entschlossen, genau das zu verhindern.
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