Sie stammte von Daniel und war erst wenige Stunden zuvor verschickt worden.
*„Ich habe ihr meine Adresse gegeben. Sie ist inzwischen völlig überzeugt, dass wir zusammenpassen. Heute werde ich endlich erfahren, ob sie auch in Wirklichkeit so vertrauensvoll ist.“*
Ich spürte, wie meine Hände zitterten.
„Was bedeutet das?“
Thomas schüttelte den Kopf.
„Das weiß ich nicht. Aber ich habe noch etwas gefunden.“
Er zeigte mir einen Screenshot eines Gesprächs zwischen Daniel und einem unbekannten Kontakt.
Darin stand:
*„Vergiss nicht, dass du ihr nichts über deine Familie erzählen darfst. Sie darf nicht herausfinden, warum du wirklich Kontakt zu ihr aufgenommen hast.“*
Ich sah Thomas an.
„Warum hat Ihr Bruder ausgerechnet mich ausgewählt?“
Er antwortete nicht sofort.
Dann sagte er leise:
„Weil Sie einen Nachnamen tragen, der in unserer Familie seit vielen Jahren eine besondere Bedeutung hat.“
### Der Name, den ich seit Jahrzehnten nicht gehört hatte
Ich wurde misstrauisch.
„Welchen Nachnamen meinen Sie?“
Thomas nannte den Namen meines verstorbenen Vaters.
Ich wich einen Schritt zurück.
Mein Vater war vor vielen Jahren gestorben. Über seine Vergangenheit hatte er nur selten gesprochen. Ich wusste lediglich, dass er als junger Mann in einer anderen Stadt gelebt hatte und dort einige Menschen zurückgelassen haben musste.
„Woher kennen Sie meinen Vater?“, fragte ich.
Thomas blickte mich ernst an.
„Mein Vater kannte ihn. Sie waren früher Geschäftspartner.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Das kann nicht sein. Mein Vater war ein einfacher Angestellter.“
„Vielleicht hat er Ihnen nicht alles erzählt.“
Ich wollte widersprechen, doch Thomas zeigte mir ein altes Foto.
Darauf waren drei Männer vor einem Gebäude zu sehen.
Einer davon war eindeutig mein Vater.
Daneben stand ein älterer Mann, den Thomas als seinen Vater identifizierte.
Der dritte Mann war Daniel.
Allerdings war das Foto bereits vor vielen Jahren aufgenommen worden, als Daniel noch ein Kind gewesen sein musste.
Auf der Rückseite stand ein Datum und ein kurzer Satz in der Handschrift meines Vaters:
*„Manche Versprechen überdauern sogar den Tod.“*
### Ein Anruf, der alles veränderte
Ich setzte mich langsam auf einen Stuhl.
„Was hat mein Vater mit Ihrem Bruder zu tun?“
Thomas erzählte, dass sein Vater und mein Vater vor vielen Jahren gemeinsam ein kleines Unternehmen aufgebaut hatten. Nach einem Streit sei die Zusammenarbeit auseinandergegangen. Die Familien hätten danach keinen Kontakt mehr gehabt.
Doch kurz vor dem Tod meines Vaters habe es offenbar noch ein Treffen gegeben.
„Daniel glaubt, dass Ihr Vater damals wichtige Unterlagen an Sie weitergegeben hat“, erklärte Thomas.
„Welche Unterlagen? Ich habe nie etwas bekommen.“
„Vielleicht wissen Sie nicht einmal, dass Sie danach suchen sollen.“
Plötzlich klingelte mein Telefon.
Eine unbekannte Nummer.
Ich nahm ab.
„Hallo?“
Eine Frauenstimme antwortete.
„Spreche ich mit der Tochter von Herrn Weber?“
„Ja. Wer ist da?“
„Mein Name ist Maria. Ich bin Daniels Ehefrau.“
Ich erstarrte.
Thomas sah mich aufmerksam an.
Die Frau am anderen Ende klang aufgeregt.
„Bitte legen Sie nicht auf. Ich weiß, dass mein Mann Ihnen seit Monaten schreibt. Ich habe heute erfahren, dass er sich mit Ihnen treffen wollte.“
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
„Es tut mir leid“, brachte ich schließlich hervor.
„Nein“, sagte sie leise. „Sie müssen sich nicht entschuldigen. Sie konnten nicht wissen, dass er verheiratet ist.“
Dann machte sie eine kurze Pause.
„Aber ich muss Sie etwas fragen. Hat Daniel Ihnen jemals von einem alten Brief erzählt? Von einem Brief, den Ihr Vater vor seinem Tod geschrieben haben soll?“
Mein Herz begann schneller zu schlagen.
„Nein. Warum?“
Maria atmete hörbar ein.
„Weil ich diesen Brief gestern in seinem Arbeitszimmer gefunden habe. Und auf dem Umschlag steht Ihr vollständiger Name.“
### Der Brief meines Vaters
Ich blickte zu Thomas.
Er schien von diesem Anruf genauso überrascht zu sein wie ich.
„Was steht in dem Brief?“, fragte ich.
„Ich habe ihn nicht vollständig gelesen“, antwortete Maria. „Aber die ersten Zeilen waren eindeutig. Ihr Vater schrieb, dass er Ihnen eines Tages die Wahrheit über eine alte Familienangelegenheit mitteilen wollte.“
„Warum hat Daniel den Brief?“
„Das weiß ich nicht. Er hat ihn offenbar schon seit Jahren aufbewahrt.“
Dann hörte ich im Hintergrund eine Tür.
Maria flüsterte:
„Er ist gerade nach Hause gekommen. Ich darf jetzt nicht weiterreden.“
„Bitte warten Sie!“
Doch sie sagte nur noch einen Satz:
**„Wenn Daniel heute Abend bei Ihnen auftaucht, lassen Sie ihn nicht allein mit diesem Brief.“**
Dann brach die Verbindung ab.
Ich starrte auf mein Telefon.
Thomas stand langsam auf.
„Jetzt verstehen Sie vielleicht, warum ich heute hier bin.“
Ich sah ihn an.
„Sie wussten von dem Brief?“
„Nein. Aber ich wusste, dass Daniel etwas suchte, das Ihr Vater hinterlassen haben könnte.“
„Und was genau?“
Thomas blickte zur Tür.
„Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich kenne nur eine Sache: Mein Vater hat kurz vor seinem Tod immer wieder denselben Satz gesagt.“
„Welchen?“
Er sah mich direkt an.
**„Wenn die Tochter von Weber endlich die Wahrheit erfährt, wird unsere ganze Familie auseinanderbrechen.“**
Popular Posts
→- 1
- 2
- 3
- 4
Recently Viewed
Stories you read recently will appear here.



