Alejandro sah Lucía an.

„Was bedeutet das?“, fragte sie.

„Dass wir jetzt auf rechtlichem Weg klären müssen, welche Ansprüche bestehen und wie Emilias Wohl geschützt werden kann.“

Lucía schloss die Augen.

Sie hatte gewusst, dass dieser Tag irgendwann kommen könnte.

Aber sie hatte gehofft, ihn niemals erleben zu müssen.

## 4. ALEJANDRO STELLTE EINE BEDINGUNG

Am selben Abend rief Alejandro seinen Anwalt in sein Büro.

Er wollte wissen, welche Möglichkeiten Lucía hatte, sich und Emilia zu schützen, ohne vorschnell Entscheidungen zu treffen.

Der Anwalt erklärte, dass Esteban nicht allein aufgrund eines Briefes oder seiner Behauptungen bestimmen könne, was mit dem Kind geschehen sollte. Die konkrete rechtliche Situation müsse geprüft werden, einschließlich der Vaterschaft und des Wohls des Kindes.

„Und wenn er versucht, sie ohne Erlaubnis mitzunehmen?“, fragte Alejandro.

„Dann sollte Lucía sofort die zuständigen Behörden einschalten. Wir werden außerdem dafür sorgen, dass alle Nachrichten und Dokumente gesichert werden.“

Alejandro nickte.

„Kümmern Sie sich darum.“

Als Lucía später zu ihm ins Büro kam, saß er hinter seinem Schreibtisch und betrachtete das Foto von Emilia.

„Ich habe mit meinem Anwalt gesprochen“, sagte er. „Du wirst Unterstützung bekommen, um deine Rechte zu klären. Aber die Entscheidung darüber, wie du mit Esteban umgehst, liegt bei dir. Ich werde sie dir nicht abnehmen.“

Lucía war überrascht.

„Und wenn ich mich entscheide, mit ihm zu sprechen?“

„Dann sorgen wir dafür, dass das Gespräch auf sichere und angemessene Weise stattfindet.“

„Und wenn ich es nicht will?“

„Dann werden wir prüfen, welche Möglichkeiten du hast.“

Lucía setzte sich.

„Ich weiß nicht, was ich tun soll.“

Alejandro stand auf und ging zum Fenster.

„Dann musst du es heute auch nicht entscheiden.“

Sie sah ihn lange an.

„Sie sind anders, als ich dachte.“

„Du kennst nur den Teil von mir, den ich anderen Menschen zeige.“

„Und welcher Teil ist der echte?“

Alejandro drehte sich um.

„Vielleicht versuche ich das selbst noch herauszufinden.“

Für einen Augenblick war es still.

Dann ertönte aus dem Kinderzimmer ein fröhliches Lachen.

Emilia war aufgewacht und hatte offenbar entdeckt, dass der graue Plüschelefant auf dem Kopf lag.

Lucía stand auf.

Alejandro blieb zurück und hörte dem Lachen nach.

Er wollte es wieder hören.

Nicht, weil Emilia ihm gehörte.

Nicht, weil er etwas von Lucía erwartete.

Sondern weil dieses kleine Mädchen in wenigen Tagen etwas in seinem Leben verändert hatte, das jahrelang unverändert geblieben war.

Doch draußen, am anderen Ende der Stadt, saß Esteban Rojas in einem dunklen Wagen.

Auf seinem Telefon erschien eine Nachricht.

Sie ist bei Durán.

Esteban las sie und lächelte nicht.

Er öffnete eine alte Mappe, die auf dem Beifahrersitz lag.

Darin befanden sich Dokumente über seine früheren Geschäfte – und ein Foto von Alejandro Durán, aufgenommen viele Jahre zuvor.

Esteban strich mit dem Finger über das Bild.

„Du weißt noch gar nicht, wer dieses Kind wirklich ist“, murmelte er.

Dann nahm er sein Telefon und rief eine Nummer an, die er seit drei Jahren nicht mehr gewählt hatte.

Als die andere Person abhob, sagte Esteban nur vier Worte:

„Es ist Zeit. Sie lebt.“

Und am anderen Ende der Leitung wurde es vollkommen still.

Fortsetzung folgt in Teil 3 …

→

Recently Viewed

Stories you read recently will appear here.