Dann blieb er an Jack hängen.
„Jack“, sagte sie leise. „Kannst du mir erklären, warum dein Name auf diesem Dokument steht?“
Jack erstarrte.
„Das ist unmöglich. Ich habe dieses Papier noch nie gesehen.“
„Deine Unterschrift ist darauf.“
„Jemand muss sie gefälscht haben!“
Der General nahm das Dokument entgegen und betrachtete es sorgfältig. Auf der zweiten Seite befanden sich mehrere Zeitangaben, eine Liste mit Einsatzdetails und eine Kopie der ursprünglichen Routenplanung.
„Diese Informationen waren streng vertraulich“, erklärte er. „Nur sechs Personen hatten Zugriff darauf.“
Emma zählte die Namen auf dem Blatt durch. Ihr eigener Name stand ganz oben. Darunter folgten der General, der Einsatzplaner und drei weitere Mitglieder ihrer Einheit.
Jack war einer von ihnen.
„Ich habe niemanden verraten“, wiederholte er.
Doch diesmal klang seine Stimme nicht mehr so überzeugend.
Plötzlich meldete sich Daniel zu Wort.
„Kommandantin, vielleicht sollten wir auch die letzte Seite ansehen.“
Emma blätterte um.
Dort befand sich eine handschriftliche Nachricht:
Wenn Emma den ursprünglichen Treffpunkt erreicht, muss die Operation sofort abgebrochen werden. Die drei Männer dürfen unter keinen Umständen zur Basis zurückkehren.
Michael wurde blass.
„Das bedeutet, jemand wollte verhindern, dass diese drei zurückkommen.“
Einer der gerade eingetroffenen Soldaten trat nach vorne.
„Wir haben diese Nachricht im Gebäude gefunden. Sie lag zusammen mit einer Speicherkarte in einem verschlossenen Schrank.“
Der General blickte auf.
„Was befindet sich auf der Speicherkarte?“
„Eine Aufnahme. Wir konnten sie bisher nicht vollständig entschlüsseln. Aber eine Stimme ist deutlich zu hören.“
Emma sah den Soldaten an.
„Welche Stimme?“
Er zögerte.
„Die Stimme unseres Einsatzplaners.“
Ein unruhiges Murmeln ging durch den Raum.
Der General griff sofort zum Telefon und ließ den Einsatzplaner in den Besprechungsraum rufen. Wenige Minuten später öffnete sich die Tür.
Ein Mann in Uniform trat ein. Er wirkte ruhig, fast gelangweilt.
„Sie wollten mich sprechen, Sir?“
Der General legte das Dokument vor ihn.
„Kennen Sie diese Unterschrift?“
Der Mann warf nur einen kurzen Blick darauf.
„Nein.“
Emma beobachtete ihn aufmerksam.
„Interessant“, sagte sie. „Denn auf der Aufnahme ist Ihre Stimme zu hören.“
Zum ersten Mal veränderte sich sein Gesichtsausdruck.
„Welche Aufnahme?“
Der Soldat legte die Speicherkarte auf den Tisch. Der General gab einem Techniker das Zeichen, die Datei abzuspielen.
Zunächst war nur ein leises Rauschen zu hören. Dann erklang eine Stimme:
„Die Kommandantin darf die drei Männer nicht zur Basis zurückbringen. Wenn sie die Unterlagen sehen, wird alles auffliegen.“
Es folgte eine kurze Pause.
Dann war ein zweiter Satz zu hören:
„Und falls Emma Fragen stellt, sorgt dafür, dass niemand ihr glaubt.“
Jack blickte erschrocken zum Einsatzplaner.
„Sie haben uns gegeneinander aufgehetzt?“
Der Mann schwieg.
Emma legte das Dokument auf den Tisch.
„Sie wussten, dass ich die Route ändern würde. Sie wussten auch, dass meine Männer glaubten, ihre Kameraden seien verloren gegangen.“
Der Einsatzplaner versuchte, sich zu rechtfertigen.
„Sie verstehen nicht, was auf dem Spiel stand.“
„Dann erklären Sie es uns“, sagte der General kalt.
Der Mann sah sich im Raum um. Sein Blick blieb schließlich an Jack hängen.
„Jack hat mir die Informationen gegeben.“
Alle drehten sich zu dem Sergeant um.
Jack sprang auf.
„Das ist eine Lüge!“
Doch der Einsatzplaner zog einen weiteren Zettel aus seiner Uniformtasche.
„Hier ist der Nachweis für unsere letzte Unterhaltung.“
Jack wurde kreidebleich.
Emma hob die Hand.
„Niemand beschuldigt hier jemanden ohne Beweise. General, ich möchte, dass sämtliche Aufzeichnungen gesichert und unabhängig überprüft werden.“
Der General nickte und ließ beide Männer vorläufig von der weiteren Teilnahme an der Operation entbinden, bis die Untersuchung abgeschlossen war.
Doch dann trat einer der drei zurückgekehrten Soldaten erneut an den Tisch.
„Kommandantin, es gibt noch etwas.“
Emma sah ihn an.
„Was denn?“
Der Soldat öffnete eine kleine Mappe und holte ein altes Foto heraus.
Darauf waren Emma und ein weiterer Offizier vor mehreren Jahren zu sehen.
Emma erkannte ihn sofort.
Ihr Gesicht verlor jede Farbe.
„Woher haben Sie dieses Foto?“
„Es lag zusammen mit den Dokumenten im Gebäude.“
Der Soldat drehte das Foto um.
Auf der Rückseite stand ein Datum – und darunter ein Name, den Emma seit Jahren nicht mehr gehört hatte.
Es war der Name ihres ehemaligen Ausbilders, der damals nach einem geheim gehaltenen Zwischenfall aus dem Dienst ausgeschieden war.
Emma setzte sich langsam.
„Das kann nicht sein“, flüsterte sie.
Der General betrachtete das Foto und fragte:
„Sergeant, was wissen Sie über diesen Mann?“
Emma antwortete zunächst nicht.
Dann sagte sie einen Satz, der alle im Raum verstummen ließ:
„Er war derjenige, der mir vor Jahren beigebracht hat, niemals einen Kameraden zurückzulassen. Und ich glaube, er wusste schon damals, dass jemand in unserer Einheit nicht die Wahrheit sagte.“
In diesem Moment klingelte das Telefon des Generals.
Er nahm ab, hörte einige Sekunden zu und wurde plötzlich sehr ernst.
„Was? Wann ist er angekommen?“
Alle warteten.
Der General legte langsam auf und sah Emma direkt an.
„Ihr ehemaliger Ausbilder ist gerade am Haupttor eingetroffen. Er verlangt ausdrücklich, mit Ihnen zu sprechen.“
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