Krüger war der Hausverwalter gewesen, erklärte sie. Sie hatte damals die Abrechnungen vorbereitet und die eingehenden Beschwerden sortiert.
„Warum sind Sie nicht mehr hier?“, fragte Daniel.
Lena zögerte.
„Weil ich Fragen gestellt habe.“
Sie legte ihre Mappe auf den Tisch.
Darin befanden sich Kopien alter E-Mails und einige Verwaltungsunterlagen.
„Ich möchte niemanden beschuldigen, ohne dass die Fakten geprüft werden. Aber ich glaube, dass diese Unterlagen wichtig sein könnten.“
Keller öffnete die Mappe.
Seine Augen bewegten sich rasch über die ersten Seiten.
Dann hielt er inne.
Auf einer E-Mail stand der Name eines Unternehmens, das nicht zum Haus gehörte.
Nordstern Immobilienberatung.
„Kennen Sie diese Firma?“, fragte Keller.
Lena schüttelte den Kopf.
„Sie tauchte plötzlich in den Unterlagen auf. Herr Krüger sagte, sie helfe bei der Verwaltung von Immobilien. Aber ich konnte keine nachvollziehbaren Informationen darüber finden, warum sie Zahlungen bearbeitete.“
Daniel runzelte die Stirn.
„Und was ist daran verdächtig?“
„Allein der Name beweist nichts“, erklärte Keller. „Wir müssen prüfen, welche Aufgaben die Firma tatsächlich hatte und ob ihre Beteiligung korrekt dokumentiert wurde.“
Lena zog einen weiteren Ausdruck aus der Mappe.
„Es gibt noch etwas.“
Auf dem Blatt stand eine Adresse.
Es war die Adresse eines leer stehenden Gebäudes am Stadtrand.
Darunter befand sich eine Notiz in Krügers Handschrift:
Vor der Übertragung müssen sämtliche Mietverhältnisse geklärt sein.
Daniel las den Satz zweimal.
„Übertragung? Was soll übertragen werden?“
Keller betrachtete das Dokument lange.
„Möglicherweise geht es um einen Verkauf, eine Verwaltung oder eine andere Änderung der Eigentumsverhältnisse. Ohne den vollständigen Vertrag können wir das nicht sagen.“
„Aber warum steht unser Haus auf dieser Liste?“, fragte Frau Schneider.
Niemand antwortete.
Denn plötzlich hatte jeder im Raum dieselbe Sorge.
Vielleicht war es nicht nur um die Miete gegangen.
Vielleicht gab es Pläne für das ganze Gebäude.
Und vielleicht hatte Krüger versucht, die Bewohner zum Schweigen zu bringen, bevor jemand die Unterlagen genauer prüfte.
Kapitel 4: Der Brief im Briefkasten
Am nächsten Morgen fand Daniel einen Umschlag in seinem Briefkasten.
Er trug keinen Absender.
Sein Name war in schwarzer Tinte daraufgeschrieben.
Daniel öffnete ihn erst, als er wieder in seiner Wohnung war.
Darin lag ein einzelnes Blatt Papier.
Hören Sie auf, Fragen zu stellen.
Sie wissen nicht, mit wem Sie sich anlegen.
Wenn Sie Ihren Frieden wollen, vergessen Sie die Sache mit dem Strom und kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten.
Daniel las die Nachricht mehrmals.
Dann fotografierte er sie und legte den Umschlag in eine Schublade.
Er würde nicht aus Angst handeln.
Aber er würde auch nicht so tun, als wäre nichts geschehen.
Er rief Keller an und erklärte ihm, was er gefunden hatte.
Der Anwalt riet ihm, den Brief aufzubewahren und keine direkten Auseinandersetzungen zu suchen.
„Wenn Sie sich bedroht fühlen oder weitere Vorfälle geschehen, wenden Sie sich an die zuständigen Stellen“, sagte Keller. „Und vor allem: Gehen Sie nicht allein zu Herrn Krüger, um eine Erklärung zu erzwingen.“
Daniel versprach es.
Doch noch bevor er das Gespräch beenden konnte, klopfte es an seiner Tür.
Diesmal war es Frau Schneider.
Sie sah ungewöhnlich ernst aus.
„Daniel, ich muss Ihnen etwas zeigen.“
Sie hielt ihr Telefon hoch.
Darauf war eine E-Mail geöffnet, die sie in der Nacht erhalten hatte.
Der Absender war die Hausverwaltung.
Der Betreff lautete:
Ankündigung einer außerordentlichen Hausversammlung.
Darunter stand, dass sämtliche Bewohner am Freitagabend erscheinen sollten. Es gehe um „wichtige Änderungen der Verwaltung und der zukünftigen Nutzung des Gebäudes“.
Daniel blickte auf das Datum.
Freitag war bereits morgen.
„Was glauben Sie, was das bedeutet?“, fragte Frau Schneider.
Daniel schüttelte den Kopf.
„Ich weiß es nicht.“
Doch tief in seinem Inneren ahnte er, dass die Antwort nicht lange auf sich warten lassen würde.
Kapitel 5: Die Versammlung, die alles veränderte
Am Freitagabend war der Gemeinschaftsraum bis auf den letzten Platz gefüllt.
Herr Krüger stand vorne neben einem Projektor. Er trug einen makellosen Anzug und lächelte, als wäre in den vergangenen Tagen nichts geschehen.
„Meine Damen und Herren“, begann er, „vielen Dank, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Wie Sie wissen, stehen einige Veränderungen bevor.“
Er klickte auf die Fernbedienung.
Auf der Leinwand erschien das Bild eines modernen Wohnkomplexes mit Glasfassaden, Balkonen und einer Tiefgarage.
„Das Gebäude soll umfassend modernisiert werden. Dadurch wird der Wert der Immobilie steigen, und alle Beteiligten werden langfristig davon profitieren.“
Einige Bewohner sahen sich unsicher an.
„Was bedeutet das für unsere Mietverträge?“, fragte Daniel.
Krüger lächelte dünn.
„Das hängt von den individuellen Vereinbarungen ab.“
„Und was bedeutet es für die Bewohner, die hier seit vielen Jahren leben?“, fragte Frau Schneider.
„Niemand wird benachteiligt, solange alle ihren vertraglichen Pflichten nachkommen.“
Daniel erhob sich.
„Dann können Sie uns sicherlich erklären, warum für meine Wohnung eine unbezahlte Stromforderung gemeldet wurde, obwohl ich meine Rechnungen bezahlt habe.“
Das Lächeln des Vermieters verschwand.
„Das ist eine private Angelegenheit.“
„Sie haben den Strom abstellen lassen.“
„Es gab Unstimmigkeiten.“
„Und warum wurden ähnliche Forderungen gegen andere Bewohner erhoben?“
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