Er hatte geglaubt, seine Frau durch Geld und Sicherheit zu ehren.
Dabei hatte er übersehen, was sie ihm am wichtigsten anvertraut hatte: ihre Töchter.
Unter dem Brief lag ein weiterer Umschlag.
Auf der Vorderseite stand:
„Für den Fall, dass Sebastián seine Verantwortung missbraucht.“
Alejandro erstarrte.
Er öffnete den Umschlag.
Darin befand sich eine Kopie des ursprünglichen Vertrags für den Therapiefonds. Eine handschriftliche Ergänzung legte fest, dass sämtliche Ausgaben regelmäßig von einer unabhängigen Stelle kontrolliert werden sollten.
Am unteren Rand stand ein Name.
Der Name eines Wirtschaftsprüfers, der die ursprünglichen Konten geführt hatte.
Alejandro griff sofort nach seinem Telefon.
Vielleicht war dieser Mann der Schlüssel zur Wahrheit.
Doch gerade als er die Nummer wählen wollte, erschien eine Nachricht von Mariana.
„Herr Valdivia, bitte kommen Sie sofort ins Spielzimmer. Renata möchte Ihnen etwas zeigen.“
Alejandro legte den Brief zurück in den Umschlag und eilte nach unten.
Als er die Tür öffnete, stand Renata neben ihrem Gehwagen. Camila hielt den Stoffhasen in den Armen.
Mariana kniete ein paar Schritte entfernt.
„Papa“, sagte Renata stolz, „heute fünf!“
Alejandro ging in die Hocke.
„Fünf Schritte?“
Renata nickte.
Sie konzentrierte sich, machte einen Schritt, dann einen zweiten. Beim dritten schwankte sie kurz, hielt sich aber selbstständig fest.
Mariana blieb ruhig an ihrer Seite und gab ihr Zeit.
Schließlich erreichte Renata ihren Vater.
Alejandro schloss sie in die Arme.
„Das hast du großartig gemacht.“
Renata strahlte.
„Morgen sechs?“
Er lächelte unter Tränen.
„Morgen schauen wir gemeinsam, was du versuchen möchtest.“
Doch während Alejandro seine Tochter hielt, klingelte sein Telefon.
Der Wirtschaftsprüfer hatte zurückgerufen.
„Herr Valdivia“, sagte der Mann ohne Begrüßung, „ich habe auf Ihren Anruf gewartet. Es gibt etwas, das Sie über den Therapiefonds wissen müssen.“
Alejandro richtete sich auf.
„Was?“
„Die Unregelmäßigkeiten begannen nicht erst vor einigen Monaten. Ich habe bereits vor zwei Jahren versucht, Sie zu warnen. Kurz danach wurde mir der Zugang zu den Unterlagen entzogen.“
„Wer hat das veranlasst?“
Am anderen Ende herrschte eine kurze Pause.
Dann kam die Antwort.
„Sebastián Alcázar. Aber er war nicht der Einzige, der davon wusste.“
Alejandro spürte, wie sich sein Magen zusammenzog.
„Wer war noch beteiligt?“
Der Wirtschaftsprüfer senkte seine Stimme.
„Ich schicke Ihnen die Unterlagen. Aber bevor Sie sie öffnen, müssen Sie mir etwas versprechen: Konfrontieren Sie diese Person nicht, bevor Sie die Beweise gesichert haben.“
„Welchen Namen soll ich in den Unterlagen finden?“
Der Mann antwortete leise.
Und als Alejandro den Namen hörte, blickte er unwillkürlich zur Treppe.
Denn es war der Name einer Person, die er seit Jahren zu seiner engsten Familie zählte.
Fortsetzung folgt in TEIL 3 …
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