Es war kein gewöhnlicher Draht, sondern ein rostiger Metallring, an dem ein kleines, rechteckiges Schild befestigt war. Er zog es vorsichtig aus dem Schlamm und wischte mit dem Handschuh darüber.

Unter dem Schmutz kamen einige Buchstaben zum Vorschein.

„Städtisches Kulturdenkmal – Inventarnummer 047.“

Der Fischer sah abwechselnd auf das Schild und auf den steinernen Kopf.

„Das wird ja immer interessanter.“

Er fotografierte auch das Schild und rief schließlich die Polizei an. Die Beamten versprachen, jemanden zum Fundort zu schicken, und baten ihn, den Gegenstand nicht weiter zu bewegen.

Während er wartete, fiel ihm auf, dass die Bruchstelle am Hals nicht ganz so aussah, wie er zunächst gedacht hatte. Dort waren kleine, gleichmäßige Vertiefungen zu erkennen, als hätte jemand die Statue mit Werkzeug bearbeitet.

War der Kopf absichtlich abgetrennt worden?

Und wenn ja, warum?

Etwa vierzig Minuten später trafen zwei Polizeibeamte ein. Einer von ihnen, ein älterer Mann mit grauen Schläfen, betrachtete den Fund zunächst schweigend.

„Sie haben das wirklich selbst aus dem Schlamm gezogen?“, fragte er.

Der Fischer nickte.

„Ich wollte eigentlich nur angeln.“

Der Beamte musste kurz lächeln.

„Das ist wahrscheinlich der ungewöhnlichste Beifang, von dem ich je gehört habe.“

Doch als er das Metallschild sah, verschwand sein Lächeln.

Er fotografierte die Nummer und telefonierte mit der zuständigen Kulturbehörde. Wenig später traf eine Mitarbeiterin des örtlichen Museums ein. Sie trug einen wetterfesten Mantel und hatte einen kleinen Koffer mit Dokumenten dabei.

Als sie den Kopf der Statue erblickte, blieb sie abrupt stehen.

„Das kann nicht sein“, flüsterte sie.

„Kennen Sie die Statue?“, fragte der Polizist.

Die Frau nickte langsam.

„Ich bin Elena Morosowa. Ich arbeite im Stadtmuseum. Vor etwa fünfzehn Jahren wurde ein Denkmal zu Ehren Puschkins aus einem kleinen Park entfernt, weil der Platz umgestaltet werden sollte. Der Kopf der Statue galt seitdem als verschollen.“

Der Fischer riss die Augen auf.

„Seit fünfzehn Jahren?“

„Ja. Damals hieß es, die Einzelteile seien eingelagert worden. Aber in unseren Unterlagen gibt es keine eindeutige Bestätigung, dass dieser Kopf jemals im Depot angekommen ist.“

Sie kniete sich neben den Fund, ohne ihn zu berühren.

„Wenn das tatsächlich das fehlende Original ist, könnte es für die Stadt von erheblicher historischer Bedeutung sein.“

Der Fischer blickte auf das Meer.

„Dann hat der Sturm heute wohl etwas zurückgebracht, das jemand lange vermisst hat.“

Elena antwortete nicht sofort. Sie betrachtete die Bruchstelle und anschließend das Metallschild.

„Vielleicht“, sagte sie schließlich. „Aber wir müssen zuerst herausfinden, wie es hierhergekommen ist.“

Noch am selben Tag wurde der Fund von Fachleuten dokumentiert und vorsichtig zur Untersuchung transportiert. Der Fischer durfte mit der ausdrücklichen Erlaubnis der Behörden einige Fotos behalten.

Am Abend saß er zu Hause am Küchentisch und betrachtete die Aufnahmen. Er konnte kaum glauben, dass sein gewöhnlicher Angelausflug eine solche Wendung genommen hatte.

Dann klingelte sein Telefon.

Es war Elena aus dem Museum.

„Herr Petrow, ich habe Neuigkeiten“, sagte sie aufgeregt.

„Haben Sie herausgefunden, wem der Kopf gehört?“

„Wir haben alte Fotografien des Denkmals gefunden. Die Gesichtszüge und mehrere kleine Merkmale stimmen mit Ihrem Fund überein. Es gibt starke Hinweise darauf, dass es sich tatsächlich um den vermissten Kopf handelt.“

Der Fischer lächelte zufrieden.

„Dann ist das Rätsel gelöst.“

„Noch nicht ganz“, erwiderte Elena. „Wir haben auch die alten Transportunterlagen geprüft. Und dabei ist uns etwas aufgefallen.“

Er setzte sich aufrechter hin.

„Was denn?“

„Der Kopf wurde vor fünfzehn Jahren zusammen mit den übrigen Teilen des Denkmals auf einen Lastwagen verladen. In einem Dokument steht, dass die Lieferung im städtischen Lager eingetroffen sei. In einem anderen steht, dass ein Teil der Lieferung nie angekommen ist.“

„Und was bedeutet das?“

„Dass wir nicht wissen, ob die Statue damals verloren ging, falsch dokumentiert wurde oder ob jemand sie absichtlich beiseiteschaffte.“

Der Fischer schwieg.

„Sie glauben also, jemand hat sie ins Meer geworfen?“

„Das wissen wir nicht. Wir wollen niemanden beschuldigen, bevor wir die Fakten geprüft haben.“

Elena erklärte, dass die Stadtverwaltung eine interne Untersuchung einleiten werde. Die alten Unterlagen sollten mit den noch vorhandenen Inventarlisten verglichen werden. Außerdem wollten Fachleute untersuchen, wie lange der Kopf ungefähr im Wasser gelegen hatte.

„Wenn wir Glück haben“, sagte sie, „können wir endlich erklären, was damals passiert ist.“

Der Fischer legte auf und sah aus dem Fenster.

Draußen war es inzwischen dunkel geworden. Er dachte an den rostigen Draht, den er am Morgen beinahe ignoriert hätte.

Wenn er an diesem Tag einfach weitergegangen wäre, läge der steinerne Kopf vermutlich noch immer unter einer Schicht Schlamm.

In den folgenden Wochen wurde die Geschichte in der ganzen Stadt bekannt.

Zeitungen berichteten über den ungewöhnlichen Fund. Menschen, die den alten Puschkin-Park noch aus ihrer Kindheit kannten, schickten dem Museum Fotografien und Erinnerungen. Einige erzählten, sie hätten als Schüler vor der Statue gestanden und Gedichte des berühmten Schriftstellers gelesen.

Besonders bewegend war die Nachricht einer älteren Lehrerin namens Vera Andrejewna.