Daneben steht die kleine rote Schleife, die Theo damals an seinem Kleid getragen hatte.

Manchmal fragen Besucher, warum wir sie aufbewahren.

Dann erzähle ich ihnen die Geschichte.

Von zwei Jungen, die sich seit ihrer Kindheit liebten wie Brüder.

Von einem Versprechen, das zunächst lächerlich klang.

Und von einem jungen Mann, der sich nicht von den Blicken anderer davon abbringen ließ, seinem besten Freund die letzte Ehre zu erweisen.

Ich habe damals einen Jungen in einem roten Kleid gesehen und war wütend, weil ich nicht verstand, was dahintersteckte.

Heute sehe ich etwas ganz anderes.

Ich sehe Mut.

Freundschaft.

Und die Liebe eines Menschen, der selbst in seiner Trauer noch an ein Versprechen dachte.

Denn manchmal ist das größte Geschenk, das uns ein geliebter Mensch hinterlassen kann, nicht etwas, das wir in den Händen halten – sondern ein Mensch, der versprochen hat, niemals ganz aus unserem Leben zu verschwinden.