„Vielleicht weiß sie, wer die Dokumente unterschrieben hat“, sagte er leise.
Victoria wurde still.
Wenn Elena tatsächlich bei Daniels Entlassung anwesend gewesen war, könnte sie wichtige Informationen besitzen.
Aber hatte Elena von Anfang an gewusst, wer Daniel wirklich war?
Oder hatte sie selbst nur geglaubt, einem verlassenen Kind ein Zuhause zu geben?
Victoria wollte Elena nicht vorschnell beschuldigen. Sie wusste, dass Daniel bereits genug verloren hatte. Sie durfte nicht zulassen, dass neue Anschuldigungen sein Leben zerstörten, bevor sie die Wahrheit kannte.
Deshalb beschloss sie, Elena persönlich aufzusuchen.
Nicht als Milliardärin.
Nicht als Geschäftsführerin.
Sondern als eine Mutter, die fast vierzig Jahre lang geglaubt hatte, ihren Sohn verloren zu haben.
## Kapitel 5: Ein Treffen, das alles verändern könnte
Am nächsten Morgen stand Victoria vor Elenas bescheidenem Haus.
Sie hatte keine Sicherheitsleute mitgebracht. In ihrer Hand hielt sie lediglich eine Mappe mit den alten Dokumenten und dem DNA-Bericht.
Als Elena die Tür öffnete und Victoria erkannte, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck.
„Frau Salgado? Was machen Sie hier?“
Victoria atmete tief durch.
„Ich bin wegen Daniel hier.“
Elena erstarrte.
Für einen Moment schien es, als wollte sie die Tür sofort wieder schließen.
Doch Victoria sprach weiter.
„Ich weiß, dass Daniel als Baby zu Ihnen gekommen ist. Ich weiß auch, dass mir damals gesagt wurde, mein Sohn sei gestorben. Jetzt habe ich einen DNA-Test, der bestätigt, dass Daniel mein leiblicher Sohn ist.“
Elena hielt sich am Türrahmen fest.
„Nein …“, flüsterte sie.
Victoria sah sie mit Tränen in den Augen an.
„Bitte. Ich will Sie nicht beschuldigen. Ich will nur wissen, was damals passiert ist. Daniel verdient es, die Wahrheit über seine Herkunft zu erfahren.“
Elena schwieg lange.
Dann bat sie Victoria, hereinzukommen.
Sie ging zu einem alten Schrank und holte eine kleine, staubige Schachtel heraus.
Darin lagen vergilbte Papiere, ein altes Krankenhausarmband und ein Brief, der nie abgeschickt worden war.
Elena legte alles auf den Tisch.
„Es gibt etwas, das ich Daniel nie erzählt habe“, sagte sie mit brüchiger Stimme. „Und vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass Sie beide die Wahrheit erfahren.“
Victoria öffnete den Brief.
Schon nach den ersten Zeilen begann sie zu zittern.
Denn auf dem Papier stand der Name eines Menschen, den sie niemals mit dem Verschwinden ihres Sohnes in Verbindung gebracht hätte.
Doch bevor Victoria den Brief zu Ende lesen konnte, klingelte ihr Telefon.
Es war Daniel.
„Frau Salgado“, sagte er am anderen Ende der Leitung, „ich muss dringend mit Ihnen sprechen. Camila hat etwas in meinen alten Unterlagen gefunden. Ich glaube, es hängt mit meiner Adoption zusammen.“
Victoria sah zu Elena.
Elena war kreidebleich geworden.
„Was hat sie gefunden?“, fragte Victoria.
Daniel antwortete mit einer Stimme, die kaum hörbar war:
„Ein Dokument mit der Unterschrift meines leiblichen Vaters.“
Victoria hielt den Atem an.
Denn Andrés Morales war seit sechs Jahren tot.
Und wenn dieses Dokument echt war, bedeutete das, dass jemand die Wahrheit über Daniel viel länger gekannt hatte, als Victoria bisher geglaubt hatte.
Fortsetzung folgt in Teil 3 …
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