# Teil 2 –

Die Polizisten hatten den großen Teppich zur Seite geschoben. Darunter kamen mehrere alte Holzdielen zum Vorschein. Eine davon wirkte ungewöhnlich locker.

„Bitte …“, flüsterte das kleine Mädchen. „Ich habe Papa doch gehört.“

Die Beamtin kniete sich neben das Kind.

„Wie heißt du denn, meine Kleine?“

„Emily.“

„Emily, geh bitte mit meinem Kollegen in die Küche. Wir möchten uns kurz ansehen, was hier los ist.“

Doch Emily schüttelte den Kopf.

„Nein! Ihr müsst Papa finden! Mama sagt immer, ich soll nicht darüber reden. Aber ich weiß, dass er hier ist!“

Die Mutter, die bisher neben der Tür gestanden hatte, wurde kreidebleich.

„Das Kind hat eine lebhafte Fantasie“, sagte sie hastig. „Mein Mann ist beruflich unterwegs. Ich weiß wirklich nicht, warum sie solche Geschichten erzählt.“

Der erfahrene Beamte bemerkte, wie nervös sie war.

„Dann wird es Ihnen sicher nichts ausmachen, wenn wir uns den Boden genauer ansehen.“

Die Frau antwortete nicht.

Ein Kollege untersuchte die auffällige Stelle. Als sich die erste Diele bewegte, hörte man ein leises Knarren.

Dann entdeckten die Beamten etwas, das dort ganz sicher nicht hingehörte: eine schmale Metallklappe unter dem Holzboden.

„Was ist das?“, fragte die Beamtin.

Die Mutter wich einen Schritt zurück.

Emily begann erneut zu weinen.

„Da unten ist Papa.“

### Die Entdeckung unter dem Wohnzimmer

Die Beamten forderten Unterstützung an und sicherten den Bereich. Anschließend wurde die verborgene Öffnung vorsichtig freigelegt.

Darunter befand sich ein kleiner, abgetrennter Raum.

Es war dunkel. Die Luft roch muffig, und in einer Ecke lagen einige alte Decken. Daneben standen eine Wasserflasche, ein Teller und eine kleine Lampe.

Doch das Schlimmste war nicht der Raum selbst.

An der Wand hing ein Foto.

Es zeigte Emily, ihren Vater Daniel und ihre Mutter Laura an ihrem letzten gemeinsamen Weihnachtsfest.

Der Beamte nahm das Bild vorsichtig in die Hand.

„Wann wurde dieses Foto aufgenommen?“

Emily antwortete sofort:

„Letztes Weihnachten. Papa hat mir versprochen, dass wir dieses Jahr wieder zusammen feiern.“

Die Mutter schloss die Augen.

„Das reicht jetzt!“, rief sie plötzlich. „Sie wissen überhaupt nicht, worum es geht!“

Der Beamte drehte sich zu ihr.

„Dann erklären Sie es uns.“

Doch bevor sie antworten konnte, hörten die Polizisten aus dem verborgenen Raum ein leises Geräusch.

Alle verstummten.

Es klang wie ein schwaches Klopfen.

Einmal.

Dann noch einmal.

„Ist da jemand?“, rief der Beamte.

Aus der Dunkelheit kam eine heisere Stimme:

„Emily?“

Das kleine Mädchen riss die Augen auf.

„Papa!“

### Der Mann, den alle für verschwunden hielten

Die Einsatzkräfte öffneten den Zugang vollständig und fanden einen Mann, der offensichtlich dringend medizinische Hilfe benötigte.

Es war Daniel, Emilys Vater.

Er war geschwächt und konnte zunächst kaum sprechen. Die Beamten kümmerten sich um ihn, während ein Rettungsdienst alarmiert wurde.

Emily wollte sofort zu ihm laufen.

„Papa! Ich habe dich gefunden!“

Eine Polizistin hielt sie sanft zurück.

„Ganz ruhig, Emily. Die Ärzte müssen deinem Papa erst helfen.“

Daniel drehte den Kopf zu seiner Tochter.

„Mein Schatz … du hast mich nicht vergessen.“

Emily weinte.

„Mama hat gesagt, du bist auf Geschäftsreise. Aber ich habe dich nachts gehört. Ich wusste, dass du hier bist.“

Die Beamten tauschten ernste Blicke aus.

Die Mutter stand regungslos im Wohnzimmer.

Schließlich fragte der leitende Beamte:

„Frau Berger, können Sie uns erklären, warum Ihr Mann unter dem Wohnzimmer eingeschlossen war?“

Laura begann zu zittern.

„Ich wollte nicht, dass es so weit kommt.“

„Seit wann befindet er sich dort?“

Sie schwieg.

Daniel versuchte, etwas zu sagen, doch seine Stimme war kaum zu hören.

„Seit … fast drei Wochen.“

### Emilys kleines Geheimnis

Während Daniel vom Rettungsdienst versorgt wurde, kümmerte sich die Polizistin um Emily.

Sie brachte das Mädchen in einen ruhigen Raum und gab ihm etwas zu trinken.

„Emily, du hast uns erzählt, dass du deinen Papa gehört hast. Wie hast du herausgefunden, dass er dort unten ist?“

Das Mädchen hielt seine kleine Stoffpuppe fest.

„Nachts höre ich manchmal drei Klopfzeichen.“

„Drei Klopfzeichen?“

Emily nickte.

„Papa hat mir früher immer dreimal gegen die Wand geklopft, wenn er mir gute Nacht sagen wollte. Das war unser Geheimzeichen.“

Die Polizistin hörte aufmerksam zu.

„Und du hast das Geräusch auch gehört, als Mama gesagt hat, Papa sei verreist?“

„Ja. Zuerst dachte ich, ich bilde es mir ein. Aber dann habe ich wieder dreimal geklopft. Und Papa hat geantwortet.“

Die Polizistin schluckte.

„Warum hast du nicht früher jemandem davon erzählt?“

Emily blickte zu Boden.

„Mama hat gesagt, ich darf niemandem davon erzählen. Sie sagte, wenn ich etwas sage, muss Papa für immer weg.“

Die Beamtin wurde ernst.

„Du hast nichts falsch gemacht, Emily. Es war richtig, dass du Hilfe geholt hast.“

Dann nahm sie das Telefon und informierte ihren Kollegen über die Aussage des Kindes.

### Die Geschichte der Mutter

Im Krankenhaus wurde Daniel untersucht und versorgt. Gleichzeitig begannen die Ermittler, den Fall genauer zu untersuchen.

Laura wurde getrennt von ihrer Tochter befragt.