Lucas.
Ich nahm nicht ab.
Kurz darauf kam eine Nachricht:
*Wo seid ihr? Ich komme euch abholen.*
Dann eine zweite:
*Anna soll aufhören, solche Geschichten zu erzählen. Du weißt doch, wie lebhaft ihre Fantasie ist.*
Ich las die Nachricht zweimal.
Der Mann, mit dem ich mein Leben geteilt hatte, stellte gerade die Worte eines achtjährigen Kindes infrage, bevor er überhaupt wusste, was sie erzählt hatte.
Dr. Weber empfahl mir, die Nachrichten zu sichern und den Kontakt vorerst über die zuständigen Fachkräfte laufen zu lassen.
Die Sozialarbeiterin des Krankenhauses erklärte mir außerdem, welche Schutzmöglichkeiten es für Anna gab und wie ich sicherstellen konnte, dass sie nicht wieder in eine Situation geriet, in der sie sich unter Druck gesetzt fühlte.
Ich stimmte zu.
An diesem Abend würde Anna nicht mit Lucas nach Hause gehen.
—
## Eine weitere Nachricht
Als Anna schließlich eingeschlafen war, saß ich neben ihrem Bett und betrachtete ihr kleines Gesicht.
Sie hatte ihre Stoffkatze fest an sich gedrückt.
Ich dachte an die vielen Male, in denen Lucas mir gesagt hatte, wie gut er sich mit ihr verstand. Wie stolz er darauf war, dass sie ihn manchmal sogar „Papa“ nannte.
Hatte ich die Zeichen übersehen?
Hatte ich ihm zu sehr vertraut?
Mein Handy vibrierte.
Eine unbekannte Nummer.
*Mein Name ist Sabine. Ich habe früher mit Lucas zusammengearbeitet. Ich weiß nicht, ob Sie mir glauben werden, aber ich glaube, Sie sollten wissen, dass Sie nicht die Erste sind, die wegen seines Verhaltens Fragen stellen muss.*
Ich richtete mich auf.
Noch eine Nachricht folgte:
*Ich habe damals versucht, jemanden zu warnen. Niemand wollte mir zuhören. Wenn Sie bereit sind, die Wahrheit zu erfahren, kann ich Ihnen sagen, was ich weiß.*
Ich blickte zu Anna.
Dann zurück auf das Display.
Wer war Sabine?
Was wusste sie über Lucas?
Und warum hatte sie so lange geschwiegen?
Ich schrieb nur einen Satz zurück:
*Wenn Sie etwas wissen, sprechen Sie bitte mit den zuständigen Ermittlern und nicht allein mit mir.*
Wenige Sekunden später erschien eine Antwort.
*Das werde ich tun. Aber es gibt noch etwas: Lucas hat Ihnen nicht die ganze Wahrheit über seine Vergangenheit erzählt.*
Ich legte das Handy auf den Tisch.
In diesem Moment öffnete Anna langsam die Augen.
„Mama?“
„Ja, mein Schatz?“
Sie sah mich mit müdem Blick an.
„Wenn ich dir morgen noch etwas erzähle … wirst du mir dann auch glauben?“
Ich nahm ihre Hand.
„Ich werde dir zuhören. Immer.“
Sie schloss die Augen wieder.
Und während ich neben ihr saß, wurde mir klar, dass dies nicht nur eine Nacht im Krankenhaus war.
Es war der Anfang einer Wahrheit, die ich nicht länger ignorieren durfte.
**Denn am nächsten Morgen sollte eine Ermittlerin ins Krankenhaus kommen – und sie brachte ein Foto mit, auf dem Lucas neben einer Frau zu sehen war, deren Namen ich noch nie gehört hatte.**
👇 **TEIL 3 folgt …**
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