Als sie ihn danach gefragt hatte, hatte Daniel nur geantwortet, dass es um geschäftliche Angelegenheiten gehe.
Er hatte versprochen, ihr alles zu erklären, sobald das Problem gelöst sei.
Doch dazu war es nie gekommen.
Anna kehrte in die Wohnung zurück, brachte Sophie zu einer vertrauten Nachbarin und begann, Daniels Arbeitszimmer zu durchsuchen.
Sie suchte nach Unterlagen, die erklären könnten, was geschehen war.
Auf seinem Schreibtisch lagen Baupläne, Rechnungen und mehrere Aktenordner.
Zunächst fand sie nichts Ungewöhnliches.
Dann entdeckte sie in einer Schublade ein altes Mobiltelefon.
Es war ausgeschaltet.
Anna schloss es an ein Ladegerät an und wartete, bis der Bildschirm aufleuchtete.
Das Gerät verlangte keinen zusätzlichen Code.
Sie öffnete die Nachrichten.
Die meisten waren belanglos.
Doch eine Unterhaltung mit einer unbekannten Nummer ließ ihr Herz schneller schlagen.
Die letzte Nachricht war am Abend vor Daniels Unfall verschickt worden.
Unbekannte Nummer: Du hast noch bis morgen Zeit. Danach ist es zu spät.
Daniel: Ich werde nicht unterschreiben.
Unbekannte Nummer: Dann wird deine Familie die Konsequenzen tragen.
Anna setzte sich langsam hin.
Sie las die Nachrichten erneut.
Dann entdeckte sie eine weitere Unterhaltung, diesmal mit Thomas.
Thomas: Du machst einen großen Fehler.
Daniel: Der Fehler war, dir zu vertrauen.
Thomas: Du weißt nicht, mit wem du dich anlegst.
Daniel: Ich weiß genug.
Anna legte das Telefon auf den Tisch.
Ihre Hände zitterten.
Sie hatte immer gewusst, dass die Familie Berger kompliziert war. Doch sie hatte nie gedacht, dass ein Streit um ein Bauprojekt so weit führen könnte.
Plötzlich vibrierte das alte Telefon.
Eine neue Nachricht erschien.
Wenn du wissen willst, was wirklich passiert ist, suche nach dem blauen Ordner.
Anna starrte auf den Bildschirm.
Sie kannte keinen blauen Ordner.
Sie begann, die Schreibtischschubladen erneut zu durchsuchen. Schließlich fiel ihr auf, dass eine der unteren Schubladen nicht vollständig geschlossen war.
Dahinter lag ein flacher, blauer Ordner.
Sie öffnete ihn.
Darin befanden sich Kopien von Verträgen, Banküberweisungen und mehrere Dokumente, die offenbar gefälschte Rechnungen belegten.
Auf einem Blatt stand der Name von Thomas Berger.
Anna verstand nicht jedes Detail, aber eines war eindeutig: Daniel hatte herausgefunden, dass jemand große Geldbeträge aus dem Familienunternehmen abzweigte.
Und er hatte Beweise gesammelt.
Am Ende des Ordners lag ein kleiner Zettel in Daniels Handschrift.
Falls mir etwas passiert, vertraue nicht blind der Familie. Gib diese Unterlagen nur der Polizei.
Anna presste den Zettel an ihre Brust.
Jetzt wusste sie, dass Daniels Unfall möglicherweise kein gewöhnlicher Unfall gewesen war.
Und sie wusste, dass sie sehr vorsichtig sein musste.
Denn wenn jemand bereit gewesen war, ihren Mann verschwinden zu lassen, dann könnte diese Person auch versuchen, sie zum Schweigen zu bringen.
Kapitel 4: Die Wahrheit hinter dem Unfall
Am nächsten Morgen traf Anna eine Entscheidung.
Sie würde die Unterlagen der Polizei übergeben.
Sie fotografierte jedes Dokument und bewahrte die Originale an einem sicheren Ort auf. Danach rief sie den Ermittler an, der bereits wegen der Unstimmigkeiten bei Daniels angeblichem Tod mit dem Krankenhaus gesprochen hatte.
Noch am selben Tag kam eine Beamtin zu ihr.
Sie hieß Lena Hoffmann und war für den Fall zuständig.
Anna zeigte ihr die Nachrichten und den blauen Ordner.
Lena las die Unterlagen aufmerksam.
„Frau Berger, diese Dokumente sind wichtig. Wir werden sie überprüfen.“
„Glauben Sie, dass jemand meinen Mann absichtlich in Gefahr gebracht hat?“
Die Ermittlerin antwortete vorsichtig.
„Wir haben derzeit mehrere offene Fragen. Wir können noch keine endgültigen Schlüsse ziehen. Aber wir werden sowohl den Unfall als auch die Vorgänge im Krankenhaus untersuchen.“
Anna nickte.
Dann erzählte sie von Margarets merkwürdigem Verhalten auf dem Friedhof und von der Nachricht, die Sophie gesehen hatte.
Lena wurde ernst.
„Hat Ihre Tochter die Nachricht selbst gelesen?“
„Sie hat gesehen, wie Margaret sie geschrieben hat. Sie erinnert sich an den Anfang des Textes.“
Die Ermittlerin notierte alles.
„Bitte sprechen Sie Ihre Schwiegermutter vorerst nicht darauf an. Wir möchten vermeiden, dass mögliche Beweise verschwinden.“
Anna stimmte zu.
Am Abend erhielt sie einen Anruf aus dem Krankenhaus.
Daniel hatte kurz die Augen geöffnet.
Anna eilte sofort zu ihm.
Als sie sein Zimmer betrat, lag er noch immer schwach im Bett. Seine Augen waren halb geöffnet, und er wirkte verwirrt.
„Daniel?“
Sein Blick wanderte langsam zu ihr.
„Anna?“
Sie nahm seine Hand.
„Ja, Liebling. Ich bin hier.“
Er versuchte, etwas zu sagen, doch seine Stimme war kaum hörbar.
„Sophie?“
Anna begann zu weinen.
„Sie wartet auf dich. Sie vermisst dich schrecklich.“
Daniel schloss kurz die Augen.
Dann öffnete er sie wieder und flüsterte:
„Thomas …“
Anna beugte sich näher zu ihm.
„Was ist mit Thomas?“
Daniel versuchte, die Hand zu heben.
„Er wusste es.“
„Was wusste er?“
Seine Atmung wurde schneller. Die Pflegekraft trat sofort näher und bat Anna, ihm Ruhe zu geben.
Doch bevor sie den Raum verlassen musste, flüsterte Daniel noch einen Satz.
„Nicht … der Unfall.“
Anna erstarrte.
Sie wusste nicht genau, was er damit sagen wollte.
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