# 😱 TEIL 2: Die Aufnahme, die alles veränderte

Ich wählte den Notruf und bat darum, dass die Polizei ins Krankenhaus kam.

Meine Stimme klang ruhig. Fast unnatürlich ruhig.

„Es gibt einen möglichen Vergiftungsfall“, erklärte ich. „Meine Frau und meine sechsjährige Tochter werden behandelt. In einem Spielzeug wurden verdächtige Rückstände gefunden. Außerdem gibt es eine Speicherkarte, die möglicherweise wichtige Informationen enthält.“

Die Mitarbeiterin am Telefon stellte mehrere Fragen. Ich beantwortete sie so genau wie möglich.

Als ich auflegte, stand Marjorie plötzlich auf.

„Ethan, das reicht jetzt.“

Ich sah sie an.

„Was reicht?“

„Du machst aus einer unglücklichen Situation einen Kriminalfall.“

Ryan trat neben sie.

„Mom hat recht. Du bist völlig überfordert. Lass uns das unter uns klären.“

„Unter uns? Natalie und Sophie liegen auf der Intensivstation. Was genau möchtest du unter uns klären?“

Marjorie schüttelte den Kopf.

„Du warst drei Tage weg. Du weißt nicht, was hier wirklich passiert ist.“

„Dann erklär es mir.“

Sie öffnete den Mund, sagte aber nichts.

Zum ersten Mal hatte sie keine passende Antwort.

Wenig später trafen zwei Polizeibeamte ein. Dr. Patel erklärte ihnen, weshalb die Puppe gesichert worden war und warum die Speicherkarte nicht eigenständig untersucht werden sollte. Ein Beamter nahm meine Aussage auf. Der andere sprach mit Marjorie und Ryan.

Ich übergab ihnen die Fotos, die ich in der Küche gemacht hatte, und erzählte von dem Vorhängeschloss, den ungeöffneten Einkaufstüten und den drei Überweisungen.

Als ich die Summe nannte, wechselten die Beamten einen Blick.

„Vierundachtzigtausend Dollar?“, fragte einer.

„Ja. Von unserem Notfallkonto.“

„Wissen Sie, wer die Überweisungen veranlasst hat?“

„Noch nicht. Aber die Ersatzkarte lag in meinem Heimbüro. Meine Mutter wusste, wo der Schlüssel aufbewahrt wurde.“

Marjorie fuhr herum.

„Das ist eine Lüge!“

Der Beamte hob die Hand.

„Wir werden das anhand der Bankunterlagen überprüfen.“

Ryan verschränkte die Arme.

„Das Geld könnte für notwendige Ausgaben verwendet worden sein.“

„Dann dürfte es Belege dafür geben“, erwiderte ich.

Er schwieg.

***

Eine Stunde später durfte ich endlich zu Natalie.

Sie lag in einem hellen Behandlungszimmer. Die Sauerstoffversorgung war inzwischen reduziert worden, und eine Ärztin erklärte mir, dass Natalie auf die Behandlung ansprach. Sophie wurde weiterhin engmaschig überwacht.

Ich setzte mich neben das Bett meiner Frau.

„Natalie?“

Ihre Augen öffneten sich langsam.

„Ethan?“

„Ich bin hier.“

Sie versuchte, etwas zu sagen, doch ihre Stimme war schwach.

„Sophie?“

„Sie wird behandelt. Die Ärzte kümmern sich um sie. Du musst dir jetzt keine Sorgen machen.“

Natalie schloss kurz die Augen. Eine Träne lief über ihre Wange.

„Die Puppe“, flüsterte sie.

„Sie ist bei den Ermittlern. Sie haben die Speicherkarte gefunden.“

Ihr Gesicht veränderte sich.

Nicht überrascht.

Eher erleichtert.

„Dann haben sie es gehört?“

Ich beugte mich ein wenig vor.

„Was genau?“

Natalie sah zur Tür. Erst als sie sicher war, dass niemand im Zimmer stand, sprach sie weiter.

„Ich habe versucht, dir etwas zu sagen. Aber deine Mutter hat immer darauf geachtet, dass ich nicht allein telefonieren konnte.“

Mir wurde kalt.

„Was ist passiert, Natalie?“

Sie atmete langsam ein.

„Am ersten Tag, nachdem du weggefahren bist, sagte Marjorie, sie müsse die Vorratskammer neu organisieren. Sie nahm den Schlüssel und schloss sie ab. Ich dachte zuerst, es wäre nur eine ihrer üblichen Auseinandersetzungen.“

Sie machte eine Pause.

„Dann begann sie, mir vorzuschreiben, wann Sophie essen durfte und was ich ihr geben sollte. Als ich widersprach, sagte sie, ich sei eine schlechte Mutter.“

Ich nahm ihre Hand.

„Warum hast du mich nicht angerufen?“

„Ich habe es versucht. Mehrmals.“

„Ich habe keine Anrufe gesehen.“

„Sie hat mein Handy genommen und behauptet, du hättest gesagt, ich solle dich während deiner Reise nicht stören.“

Ich schloss für einen Moment die Augen.

„Das habe ich nie gesagt.“

„Ich weiß.“

Natalie schluckte.

„Am dritten Tag hörte ich Ryan in der Küche. Er sprach mit deiner Mutter über Geld. Als sie mich bemerkten, hörten sie sofort auf. Später sagte Marjorie, ich hätte etwas falsch verstanden.“

„Und die Puppe?“

Natalie blickte zur Decke.

„Sophie hatte sie überall dabei. Als ich bemerkte, dass etwas nicht stimmte, wollte ich sie dir zeigen. Ich konnte sie nicht mehr erreichen, also versteckte ich die Puppe unter meinem Arm.“

Ihre Finger drückten meine Hand.

„Ethan, ich glaube, sie wollten nicht, dass du erfährst, was in diesem Haus passiert ist.“

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

Ich wollte sie trösten. Ich wollte Antworten. Aber vor allem wollte ich, dass sie und Sophie wieder gesund wurden.

„Du musst jetzt nicht weiterreden“, sagte ich. „Die Polizei wird alles untersuchen.“

Natalie nickte schwach.

Bevor ich aufstand, hielt sie mich noch einmal fest.

„Ryan war nicht nur zu Besuch.“

Ich drehte mich um.

„Was meinst du?“

„Er hat die Unterlagen aus deinem Büro genommen. Ich habe gesehen, wie er sie in eine schwarze Tasche gesteckt hat.“

Mein Blick wanderte zu meiner Jacke.

Dort hatte ich noch immer den Schlüssel zu meinem Heimbüro.

***