Mein Name ist Dominic Moretti, und bis zu jener Woche glaubte ich, dass es nur eine Sache gab, die gefährlicher war als ein Feind: ein Mensch, dem man einst erlaubt hatte, sich Familie zu nennen.
Fünf Tage lang lag ich regungslos in einem privaten Zimmer einer Klinik in Manhattan und ließ ganz New York glauben, mein Bewusstsein sei längst in die Dunkelheit abgetaucht.
Die gebrochenen Rippen, die Nähte an meiner Schläfe und die Schmerzen bei jedem Atemzug waren echt, doch das tiefe Koma existierte nur in den medizinischen Unterlagen.
Mein Hausarzt, Dr. Samuel Kane, stimmte dem Schauspiel nur zu, weil die Bremsleitung meines Bentley tatsächlich schon vor dem Unfall beschädigt worden war.
Nico, mein Fahrer und ein Mann, der fast fünfzehn Jahre lang an meiner Seite gearbeitet hatte, starb sofort, während ich nur dank eines Zufalls und der verstärkten Karosserie überlebte.
Jemand hatte meine Route, meine Abfahrtszeit und sogar das Fahrzeug gekannt, das ich an jenem regnerischen Abend anstelle des gepanzerten Geländewagens wählen würde.
Deshalb bat ich Kane bereits im Krankenwagen, mich für bewusstlos zu erklären, während mein Sicherheitsteam still herausfinden sollte, wer den Unfall vorbereitet hatte.
Ich hatte gehofft, die Gespräche meiner Feinde zu hören, aber ich hatte nicht erwartet, wie schnell die Menschen, die sich meine Angehörigen nannten, anfangen würden, mein Leben unter sich aufzuteilen.
Mein Cousin Anthony kam jeden Tag und besprach leise mit dem Anwalt Raymond Blake die vorübergehende Verwaltung der Holding für den Fall meiner Geschäftsunfähigkeit.
Mein ältester Berater Louis weinte so aufrichtig am Fenster, dass ich ihn während der ersten beiden Tage tatsächlich von der Liste der Verdächtigen ausschloss.
Doch dann hörte ich, wie er Raymond fragte, wann genau die Vollmacht dem Vorstand erlauben würde, meine persönlichen Anweisungen zu den Fonds einzufrieren.
Jedes neue Gespräch fügte meiner gedanklichen Liste einen weiteren Namen hinzu, obwohl ich immer noch nicht wusste, wer einfach nur Angst hatte und wer auf meinen Tod wartete.
Dann erschien Veronica Sloane, die Frau, der ich in vier Monaten vor zweihundert Gästen einen Ring an den Finger stecken wollte.
Vor den Krankenschwestern weinte sie, küsste meine Hand und fragte jedes Mal, ob es auch nur die geringste Hoffnung gäbe, dass ich wieder aufwachen würde.
Sobald sich die Tür schloss, veränderte sich ihre Stimme so abrupt, dass ich manchmal das Gefühl hatte, ein völlig anderer Mensch befände sich neben mir.
Am ersten Tag flüsterte sie, ich hätte die Dokumente unterschreiben sollen, als sie mich darum gebeten hatte, und dann wäre alles viel einfacher gewesen.
Am zweiten Tag nannte sie mich einen sturen alten Mann, obwohl ich sechsundvierzig Jahre alt war und sie noch einen Monat zuvor mein Alter als einen Vorteil bezeichnet hatte.
Am fünften Tag beugte sich Veronica so dicht zu mir, dass sich ihr Parfüm mit dem Geruch des Desinfektionsmittels vermischte, und sagte einen Satz, der meine letzten Zweifel beseitigte.
Sie bat mich, bis Freitag zu sterben, weil das Geld angeblich viel schneller bei den richtigen Leuten landen würde, sobald mein Herz aufhörte zu schlagen.
Ich wollte sofort die Augen öffnen, sie am Handgelenk packen und verlangen, dass sie mir jeden Menschen nannte, der meinen Tod brauchte.
Doch Wut ist manchmal ein Luxus, den man sich nicht leisten kann, wenn der Gegner davon überzeugt ist, dass man nichts hören kann.
Also blieb ich regungslos liegen, ließ sie die Decke zurechtrücken und hörte, wie ihre Absätze hinter der schweren Tür meines Zimmers allmählich verschwanden.
Einige Minuten später kam Grace Miller herein, das Dienstmädchen aus meinem Haus, das die meisten Gäste selbst nach mehreren Jahren nie wahrgenommen hatten.
Sie brachte frische Handtücher, wechselte die weißen Lilien aus und murmelte, diese Blumen würden wie ein Bestattungsunternehmen riechen, das sich als Hochzeitssalon ausgeben wolle.
Trotz der Schmerzen musste ich beinahe lächeln, denn genau diese trockene Art von Humor erlaubte sich Grace normalerweise nur in der Nähe des Küchenpersonals.
Sie richtete die Decke über meinen Schultern, obwohl niemand zusah, blieb dann plötzlich stehen und sagte fast flüsternd, dass sie Veronica gehört hatte.
Ihr zufolge wurde das Personal jahrelang darin geschult, die Gespräche der Hausherren nicht zu beachten, aber das, was sie heute gehört hatte, klang eher wie ein Countdown als wie Trauer.
Grace berührte unter der Decke meine Hand, und ich bewegte kaum merklich meinen kleinen Finger, zum ersten Mal seit fünf Tagen bewusst als Antwort auf einen Menschen.
Sie erstarrte so abrupt, dass das Wasserglas in ihren Händen zitterte, und hob dann langsam den Blick zu meinem Gesicht.
Ich öffnete die Augen und sah echte Angst, keine für Kameras, Gäste oder Ärzte inszenierte Angst, sondern etwas vollkommen Menschliches und Unvorbereitetes.
Mit Mühe brachte ich zwei Worte hervor und bat sie, die Tür abzuschließen, weil ich noch nicht wusste, wem ich in diesem Krankenhaus vertrauen konnte.
Grace drehte den Schlüssel um, schloss die inneren Jalousien und sah mich einige Sekunden lang einfach nur an, als würde sie erwarten, dass mein Bewusstsein wieder verschwinden würde.
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