Der Fremde blieb direkt neben Larisa stehen.

Er wirkte weder beeindruckt von ihrem teuren Kleid noch von ihrem selbstbewussten Auftreten.

„Sie haben gerade angekündigt, dass Sie mit jedem Mann die Nacht verbringen würden, der dafür sorgt, dass Ihr Mann dieses Restaurant verlassen muss“, sagte er ruhig.

Larisa hob ihr Kinn.

„Ganz genau. Haben Sie etwa vor, mein Angebot anzunehmen?“

Der Mann lächelte kurz.

„Nein. Aber ich glaube, ich kann Ihnen zeigen, wie schnell ein Abend anders verlaufen kann, als man erwartet.“

Er nahm sein Handy und wählte eine Nummer.

„Guten Abend, Herr Schneider. Ich bin Daniel Weber. Könnten Sie bitte kurz in den Gastraum kommen? Es geht um einen Vorfall, den Sie selbst beurteilen sollten.“

Dann legte er auf.

Larisa lachte.

„Das war’s? Sie rufen den Geschäftsführer? Wie aufregend!“

Einige Gäste kicherten erneut.

Viktor hingegen beobachtete den Fremden aufmerksam. Er hatte das Gefühl, dass dieser Mann nicht einfach nur auf Larisa reagieren wollte.

Der Mann, den niemand erkannt hatte

Wenige Augenblicke später kam ein älterer Herr aus dem hinteren Bereich des Restaurants.

Als er Daniel sah, nickte er respektvoll.

„Herr Weber. Ich wusste nicht, dass Sie heute Abend hier sind.“

Larisa blickte zwischen den beiden hin und her.

„Kennen Sie sich?“

Der ältere Herr stellte sich vor.

„Ich bin Martin Schneider, der Geschäftsführer dieses Hauses.“

Daniel deutete auf Viktor.

„Dieser Herr ist mit seiner Frau hierhergekommen, um einen angenehmen Abend zu verbringen. Leider wurde er gerade öffentlich beleidigt. Ich möchte wissen, wie Sie mit solchen Situationen umgehen.“

Schneider nickte ernst.

„Wir dulden keine Belästigungen oder Demütigungen unserer Gäste.“

Larisa verschränkte die Arme.

„Moment mal! Ich bin diejenige, die hier beleidigt wurde. Mein Mann hat mir den ganzen Abend erklärt, was ich mir nicht leisten kann.“

Viktor hob zum ersten Mal den Kopf.

„Ich habe dir lediglich gesagt, dass wir uns diese Villa nicht leisten können. Das ist keine Beleidigung, Larisa. Das ist eine Tatsache.“

Eine überraschende Wendung

Daniel zog einen Stuhl heran und setzte sich an den Tisch.

„Herr Viktor, darf ich Ihnen eine Frage stellen?“

Viktor nickte.

„Wissen Sie, wer ich bin?“

„Nein.“

„Ich bin Daniel Weber. Meine Familie betreibt mehrere Hotels und Restaurants in dieser Stadt. Dieses Restaurant gehört seit drei Jahren zu unserer Unternehmensgruppe.“

Im Raum wurde es still.

Larisa blinzelte.

Sie hatte plötzlich Schwierigkeiten, ihr selbstsicheres Lächeln aufrechtzuerhalten.

„Dann sind Sie also der Besitzer?“

„Einer der Eigentümer“, korrigierte Daniel. „Aber das ist nicht der Grund, warum ich mich eingemischt habe.“

Er sah zu Viktor.

„Ich habe vorhin beobachtet, wie Sie versucht haben, ruhig zu bleiben, während Ihre Frau Sie vor allen Gästen herabsetzte. Niemand sollte sich so etwas gefallen lassen müssen.“

Larisa schnaubte.

„Sie kennen unsere Ehe überhaupt nicht!“

„Das stimmt“, antwortete Daniel. „Und deshalb werde ich auch nicht so tun, als könnte ich darüber urteilen.“

Dann wandte er sich an den Geschäftsführer.

„Bitte sorgen Sie dafür, dass Herr Viktor den Abend in Ruhe fortsetzen kann. Niemand wird ihn hinauswerfen.“

Einige Gäste begannen zu klatschen.

Larisa wurde rot.

Doch Viktor hatte genug

Viktor legte langsam seine Serviette neben den Teller.

„Daniel, danke für Ihre Worte. Aber ich möchte nicht, dass Sie sich wegen meiner Ehe in Schwierigkeiten bringen.“

Daniel schüttelte den Kopf.

„Das müssen Sie nicht befürchten.“

Viktor sah seine Frau an.

„Larisa, ich habe dich heute eingeladen, weil ich gehofft hatte, dass wir wieder einmal einen schönen Abend miteinander verbringen könnten. Ich wollte dich überraschen. Ich wollte mit dir über unsere Zukunft sprechen.“

„Und jetzt willst du wegen eines kleinen Scherzes gehen?“, fragte sie spöttisch.

Viktor atmete tief durch.

„Das war kein Scherz. Du hast mich vor fremden Menschen zum Gespött gemacht und dabei erwartet, dass ich schweige.“

Zum ersten Mal an diesem Abend schien Larisa keine passende Antwort zu finden.

„Du übertreibst.“

„Nein. Ich habe nur lange genug so getan, als wäre alles in Ordnung.“

Er stand auf, nahm seine Jacke und wandte sich an Daniel.

„Bitte bringen Sie mir die Rechnung. Ich möchte meinen Anteil bezahlen.“

Schneider antwortete sofort:

„Herr Viktor, das geht selbstverständlich auf Kosten des Hauses.“

Doch Viktor schüttelte den Kopf.

„Das ist freundlich, aber ich möchte für meinen eigenen Abend bezahlen.“

Die letzte Überraschung

Als Viktor sich zum Ausgang wandte, rief Larisa ihm nach:

„Und was soll ich jetzt machen? Einfach hier sitzen bleiben?“

Er blieb stehen.

„Du kannst selbst entscheiden, was du möchtest. Aber ich werde heute nicht länger so tun, als wäre deine Behandlung von mir normal.“

Daniel beobachtete ihn schweigend.

Dann sagte er zu Larisa:

„Sie haben vorhin angekündigt, dass Sie mit dem Mann die Nacht verbringen würden, der Ihren Ehemann hinauswerfen lässt. Ich möchte Ihnen etwas sagen: Ich habe keinerlei Interesse an diesem Angebot. Respekt ist keine Ware, die man gegen Aufmerksamkeit eintauschen kann.“

Im Restaurant herrschte absolute Stille.

Viktor verließ das Gebäude.