# 😱 TEIL 2: 
Ethan wartete auf eine Antwort.
Doch niemand sagte etwas.
Patricia nahm einen kleinen Schluck Champagner und stellte ihr Glas auf die Anrichte.
„Ethan, du bist gerade erst angekommen. Du verstehst die Situation nicht.“
„Dann erklär sie mir.“
Vanessa verschränkte die Arme.
„Claire hat angeboten, uns zu helfen. Niemand hat sie gezwungen.“
Ethan blickte auf die Hände seiner Frau. Ihre Finger waren gerötet, und auf ihrem Ärmel klebte ein kleiner Fleck Spülwasser.
„Claire“, fragte er sanft, „hast du das wirklich freiwillig gemacht?“
Sie sah ihn an, öffnete den Mund und schloss ihn wieder.
Patricia antwortete an ihrer Stelle.
„Natürlich. Sie ist schließlich Teil dieser Familie. Es ist doch nicht zu viel verlangt, dass sie sich ein wenig nützlich macht.“
Ethan drehte sich langsam zu seiner Mutter.
„Ein wenig nützlich?“
Seine Stimme blieb ruhig, aber seine Augen wurden ernst.
„Meine Frau steht hier seit Stunden und spült Geschirr, während ihr euch bedienen lasst. Sie hat die Mäntel der Gäste angenommen und offenbar auch noch die Verantwortung für die gesamte Vorbereitung bekommen. Und du nennst das ein wenig Hilfe?“
Patricia hob das Kinn.
„Du solltest dich nicht so aufregen. Vanessa hat heute Geburtstag. Wir wollten ihr einen schönen Abend bereiten.“
Ethan sah zu Vanessa.
„Und deshalb muss Claire arbeiten?“
„Ach, Ethan!“, rief Vanessa. „Mach doch nicht so ein Theater. Sie ist doch nicht aus Zucker.“
Claire griff wieder nach einem Teller.
„Bitte, Ethan. Es ist schon gut.“
Er legte vorsichtig seine Hand auf ihre.
„Nein, Claire. Es ist nicht gut.“
Zum ersten Mal an diesem Abend ließ er ihr den Teller aus der Hand nehmen.
Dann wandte er sich an die Gäste, die inzwischen neugierig in der Tür standen.
„Ich möchte mich bei Ihnen allen entschuldigen. Offenbar wurde meine Frau heute Abend behandelt, als wäre sie für den Service zuständig. Das war nicht ihre Aufgabe.“
Eine unangenehme Stille breitete sich aus.
Ein älterer Gast räusperte sich.
„Ethan, ich dachte tatsächlich, Claire würde hier arbeiten. Vanessa hat uns gesagt, sie sei für die Bewirtung zuständig.“
Ethan erstarrte.
„Was hat sie gesagt?“
Vanessa wurde rot.
„Das war nur ein Missverständnis.“
Doch nun meldete sich eine andere Frau zu Wort.
„Sie hat uns sogar gebeten, unsere Mäntel Claire zu geben. Sie sagte, Claire kümmere sich heute um alles.“
Ethan sah seine Mutter an.
Patricia stellte ihr Glas ab.
„Jetzt reicht es aber. Du machst aus einer Kleinigkeit eine öffentliche Angelegenheit.“
„Nein, Mutter. Ich versuche gerade herauszufinden, warum meine Frau in ihrem eigenen Zuhause wie eine Angestellte behandelt wird.“
—
## Was Claire all die Wochen verschwiegen hatte
Ethan bat die Gäste, zunächst im Salon Platz zu nehmen. Die Feier sollte nicht in einem Streit enden, doch er wollte die Angelegenheit auch nicht länger unter den Teppich kehren.
Dann führte er Claire in die kleine Bibliothek.
„Setz dich bitte.“
Sie blieb stehen.
„Ethan, ich möchte nicht, dass du dich wegen mir mit deiner Mutter zerstreitest.“
Er sah sie lange an.
„Ich streite mich nicht wegen dir mit ihr. Ich spreche sie darauf an, wie sie dich behandelt hat.“
Claire senkte den Blick.
„Es war nicht nur heute.“
Ethan spürte, wie sich sein Magen zusammenzog.
„Was meinst du?“
Sie holte tief Luft.
„Seit du in Europa bist, hat sich vieles verändert. Deine Mutter hat angefangen, mir Aufgaben zu geben. Zuerst waren es Kleinigkeiten. Ich sollte ihre Einkäufe entgegennehmen, die Gästezimmer vorbereiten oder Vanessa bei ihren Besorgungen helfen.“
„Und warum hast du mir nichts gesagt?“
„Weil du so beschäftigt warst. Jedes Mal, wenn wir telefoniert haben, hast du von der Übernahme erzählt. Du warst glücklich, und ich wollte dir nicht noch mehr Sorgen machen.“
Ethan setzte sich ihr gegenüber.
„Claire, du bist meine Frau. Du darfst mir sagen, wenn dich etwas belastet.“
Sie nickte, doch ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Irgendwann wurde es selbstverständlich. Wenn ich nicht schnell genug war, hieß es, ich sei undankbar. Wenn ich mich ausruhen wollte, fragte Vanessa, wofür ich eigentlich den ganzen Tag Zeit hätte.“
Ethan schwieg.
„Und Patricia?“, fragte er schließlich.
Claire zögerte.
„Sie sagte, ich müsse lernen, meinen Platz in dieser Familie zu kennen.“
Ethan blickte auf den Boden.
Er erinnerte sich an die letzten Wochen. Patricia hatte ihm regelmäßig geschrieben, dass Claire sich gut um das Haus kümmere. Vanessa hatte Fotos von den Vorbereitungen geschickt und immer wieder betont, wie harmonisch alles sei.
Er hatte ihnen geglaubt.
Nicht ein einziges Mal hatte er genauer nachgefragt.
„Es tut mir leid“, sagte er leise.
Claire sah auf.
„Du konntest es nicht wissen.“
„Vielleicht nicht. Aber ich hätte dich fragen müssen, wie es dir wirklich geht.“
Er nahm ihre Hand.
„Das wird sich ändern.“
—
## Die Frau, die Patricia nicht erwartet hatte
Als sie in den Salon zurückkehrten, stand Patricia am Fenster und sprach mit Vanessa.
„Ich hoffe, du hast jetzt verstanden, was du angerichtet hast“, sagte sie, als Ethan näher kam.
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