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## Teil 2 – Das Geheimnis in der alten Singer-Nähmaschine
Ich stand vor dem Antiquitätengeschäft und wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.
Unter meinem Arm trug ich die alte Singer-Nähmaschine meiner verstorbenen Tante. Sie war schwer, an einigen Stellen verrostet und mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Seit mein Mann Alex mich aus unserer Wohnung geworfen hatte, war sie praktisch mein einziger Besitz.
Meine Schwester hatte eine Vierzimmerwohnung im Herzen von Sofia bekommen.
Ich dagegen hatte eine Nähmaschine erhalten, die Alex nicht einmal eines Blickes würdig gewesen war.
„Du hast wirklich nichts aus deinem Leben gemacht“, hatte er gesagt. „Selbst deine Tante wusste offenbar nicht, was sie dir hinterlassen sollte.“
Dann hatte er meine Tasche vor die Tür gestellt.
Ich hatte versucht, ihm zu erklären, dass es nicht um Geld ging. Dass ich meine Tante geliebt hatte und ihre Entscheidung respektieren wollte.
Doch Alex hatte nur gelacht.
„Dann geh doch mit deiner wertlosen Maschine!“
Jetzt stand ich vor dem Geschäft von Viktor Andrejew und hoffte, wenigstens ein wenig Geld dafür zu bekommen.
Ich drückte die Tür auf.
Eine kleine Glocke klingelte.
Hinter einem alten Schreibtisch saß ein Mann mit grauen Haaren und einer runden Brille. Er hob den Kopf und betrachtete mich freundlich.
„Guten Tag. Kann ich Ihnen helfen?“
„Ich möchte etwas verkaufen“, antwortete ich und stellte die Nähmaschine vorsichtig auf den Tisch.
Viktor sah zunächst nur flüchtig hin.
Doch dann veränderte sich sein Gesicht.
Er stand auf, ging um den Tisch herum und betrachtete das Gerät von allen Seiten.
„Woher haben Sie diese Maschine?“
„Sie gehörte meiner Tante. Ich habe sie nach ihrem Tod geerbt.“
„Wie hieß Ihre Tante?“
„Margareta Dimitrowa.“
Der Mann erstarrte.
Seine Hand blieb auf dem Gehäuse liegen.
„Margareta Dimitrowa?“, wiederholte er leise.
Ich nickte.
Viktor setzte sich langsam wieder hin.
„Dann müssen wir uns unterhalten. Und bitte verkaufen Sie diese Maschine auf keinen Fall.“
Ich runzelte die Stirn.
„Warum? Ist sie etwas wert?“
Er sah mich ernst an.
„Viel mehr, als Sie sich vorstellen können. Aber nicht unbedingt aus dem Grund, den Sie vermuten.“
### Die unerwartete Entdeckung
Viktor bat mich, mich zu setzen.
Dann holte er eine kleine Lupe und untersuchte die Seriennummer auf der Maschine.
Er schrieb mehrere Zahlen auf einen Zettel und verschwand für einige Minuten in einem hinteren Raum.
Ich hörte Schubladen öffnen und Papier rascheln.
Als er zurückkam, hielt er ein vergilbtes Foto in der Hand.
„Kennen Sie diese Frau?“
Ich nahm das Bild.
Darauf stand meine Tante Margareta neben einer jüngeren Frau vor einer Näherei. Beide lächelten in die Kamera. Im Hintergrund waren mehrere Maschinen zu sehen.
„Das ist meine Tante“, sagte ich überrascht. „Aber wer ist die andere Frau?“
Viktor zeigte auf sie.
„Das ist meine Großmutter.“
Ich blickte ihn ungläubig an.
„Ihre Großmutter?“
Er nickte.
„Meine Großmutter hieß Elena. Sie führte früher eine kleine Schneiderei in Sofia. Ihre Tante arbeitete dort viele Jahre.“
Ich konnte kaum glauben, was ich hörte.
Meine Tante hatte mir nie erzählt, dass sie eine solche Vergangenheit hatte.
Viktor fuhr fort:
„Diese Singer-Maschine war damals das Herzstück der Schneiderei. Meine Großmutter und Ihre Tante haben damit gemeinsam gearbeitet. Sie nähten Kleidung für Familien, die sich keine teuren Geschäfte leisten konnten.“
Er drehte die Maschine vorsichtig zu sich.
„Aber das ist noch nicht alles.“
Er zeigte auf eine kleine Metallplatte unter dem Maschinenkopf.
Dort waren zwei winzige Buchstaben eingraviert:
**M. E.**
„Margareta und Elena“, erklärte Viktor. „Die beiden hatten offenbar etwas miteinander vereinbart.“
„Was denn?“
Er antwortete nicht sofort.
Stattdessen holte er einen kleinen Schraubenzieher und öffnete vorsichtig ein Fach, das ich bis dahin gar nicht bemerkt hatte.
Darin lag ein gefaltetes Stück Papier.
Mein Herz begann schneller zu schlagen.
### Der Brief meiner Tante
Das Papier war alt, aber erstaunlich gut erhalten.
Auf der Vorderseite stand mein Name.
Nicht der Name meiner Schwester.
Mein Name.
Ich erkannte sofort die Handschrift meiner Tante.
Mit zitternden Fingern öffnete ich den Brief.
„Meine liebe Tochter im Herzen,
wenn du diesen Brief findest, bedeutet das, dass ich dir die alte Singer-Maschine hinterlassen habe.
Vielleicht wirst du zunächst enttäuscht sein. Vielleicht wirst du dich fragen, warum deine Schwester etwas so Wertvolles wie eine Wohnung bekommen hat, während du nur diese alte Maschine erhalten hast.
Bitte glaube mir: Ich habe nicht vergessen, was du für mich getan hast.
Du warst diejenige, die mich besucht hat, wenn ich krank war. Du hast mit mir Tee getrunken, mir zugehört und mir geholfen, wenn ich nicht mehr alles allein erledigen konnte.
Du hast nie gefragt, was du dafür bekommen würdest.
Deshalb möchte ich dir etwas anvertrauen.
Diese Maschine ist nicht nur ein Erinnerungsstück. In ihr befindet sich der Schlüssel zu einer Geschichte, die unsere Familie beinahe vergessen hätte.
Vertraue Viktor Andrejew.
Er weiß, wo du die restlichen Unterlagen findest.
Und vergiss niemals: Dein Wert hängt nicht davon ab, was andere Menschen dir geben.“
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