„Bitte. Ich bin noch nicht fertig.“
Der Applaus verstummte.
Sie ging zu einem kleinen Tisch am Bühnenrand. Darauf lagen mehrere Kleidungsstücke, ordentlich gefaltet und nach Farben sortiert.
„Ich möchte Ihnen jetzt eine letzte Verwandlung zeigen. Aber dafür brauche ich Ihre Hilfe.“
Sie blickte zu den Juroren.
„Ich möchte, dass Sie entscheiden, wie ich am Ende aussehen soll.“
## Kapitel 3: Die Herausforderung der Juroren
Die Juroren begannen, miteinander zu diskutieren.
„Wir sollten es ihr nicht zu einfach machen“, sagte einer grinsend.
„Natürlich nicht“, erwiderte seine Kollegin. „Sonst wäre es ja keine Herausforderung.“
Nach kurzer Beratung wählten sie eine ungewöhnliche Kombination aus Farben und Kleidungsstücken. Die Entscheidung sollte es Elena schwer machen, ihren Auftritt so zu gestalten, wie sie es ursprünglich geplant hatte.
Der Moderator überbrachte ihr die Auswahl.
„Das ist unsere Entscheidung. Sie haben jetzt nur wenig Zeit, sich darauf einzustellen.“
Elena betrachtete die Kleidungsstücke.
Für einen Moment sagte sie nichts.
Dann nickte sie.
„Einverstanden.“
Die Musik setzte erneut ein.
Ein Countdown erschien auf der großen Leinwand.
Zehn Sekunden.
Elena trat hinter die Kulisse.
Neun.
Das Publikum begann mitzuklatschen.
Acht.
Die Beleuchtung wechselte.
Sieben.
Der Moderator sah auf die Uhr.
Sechs.
Ein kurzer Schatten bewegte sich hinter dem Vorhang.
Fünf.
Die Zuschauer wurden lauter.
Vier.
Drei.
Zwei.
Eins.
Die Musik endete mit einem kräftigen Schlag.
Elena trat hervor.
Sie trug die ausgewählten Farben in einer völlig neuen Kombination, ergänzt durch sorgfältig abgestimmte Accessoires und eine Frisur, die ihren gesamten Auftritt veränderte.
Das Publikum sprang auf.
Die Juroren standen ebenfalls auf und applaudierten.
„Das war unglaublich!“, rief einer von ihnen.
Eine Jurorin schüttelte ungläubig den Kopf.
„Ich habe versucht, genau hinzusehen. Ich habe wirklich versucht, jeden einzelnen Moment zu verfolgen. Aber trotzdem habe ich nicht verstanden, wie Sie das so schnell hinbekommen haben!“
Elena lachte zum ersten Mal an diesem Abend ganz unbeschwert.
„Das ist das Geheimnis meiner Arbeit.“
„Nein“, erwiderte die Jurorin. „Das ist das Geheimnis, das Sie uns noch erklären müssen!“
Das Publikum lachte erneut.
Doch nun wirkte die Stimmung anders. Es ging nicht mehr nur um Überraschung. Die Zuschauer hatten begonnen, Elena als Künstlerin wahrzunehmen, die ihre Fähigkeiten über viele Jahre entwickelt hatte.
Der Moderator trat näher.
„Elena, ich glaube, wir müssen Ihnen eine Frage stellen, die uns alle beschäftigt.“
Sie nickte.
„Wie lange haben Sie gebraucht, um diese Kunst zu perfektionieren?“
Elena dachte nach.
„Länger, als ich zugeben möchte.“
„Monate?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Jahre.“
„Und wie viele Stunden trainieren Sie?“
„So viele, wie nötig sind, um einen Fehler zu erkennen, bevor ihn jemand anderes bemerkt.“
Einer der Juroren lachte anerkennend.
„Das ist eine Antwort, die ich respektiere.“
Elena verbeugte sich.
Doch genau in diesem Augenblick entdeckte sie etwas am Bühnenrand.
Eine Frau stand hinter der Seitenkulisse.
Sie trug einen dunklen Mantel und hielt einen kleinen weißen Umschlag in der Hand.
Als Elena ihren Blick bemerkte, hob die Frau den Umschlag leicht an.
Elena erstarrte.
Nur für einen Sekundenbruchteil.
Doch die Kamera erfasste die Veränderung in ihrem Gesicht.
Das Lächeln verschwand.
Ihre Schultern spannten sich an.
Die Frau drehte sich um und verschwand hinter der Kulisse.
Elena blickte ihr nach.
„Elena?“, fragte der Moderator. „Ist alles in Ordnung?“
Sie brauchte einen Moment, bevor sie antwortete.
„Ja“, sagte sie schließlich. „Alles in Ordnung.“
Aber es stimmte nicht.
Denn auf dem Umschlag hatte ein Name gestanden, den sie seit zehn Jahren nicht mehr gehört hatte.
Der Name ihrer Mutter.
## Kapitel 4: Die Nachricht hinter der Bühne
Sobald der Auftritt beendet war, wurde Elena von ihrem Team in den Backstagebereich begleitet.
Menschen gratulierten ihr. Mitarbeiter lächelten. Jemand sagte, dass der Auftritt möglicherweise zu den Höhepunkten des Abends gehören würde.
Doch Elena hörte kaum etwas davon.
Sie suchte die Frau mit dem dunklen Mantel.
„Haben Sie gesehen, wer gerade hier war?“, fragte sie einen Mitarbeiter.
„Wer?“
„Eine Frau mit einem Umschlag.“
Der Mitarbeiter runzelte die Stirn.
„Hier waren viele Menschen.“
„Sie trug einen dunklen Mantel. Dunkle Haare. Sie stand dort drüben.“
Er blickte in die angegebene Richtung.
„Tut mir leid. Ich habe sie nicht bemerkt.“
Elena ging weiter.
Sie durchquerte den Korridor, vorbei an den Garderoben und den Technikräumen, bis sie eine Seitentür erreichte.
Dahinter befand sich ein kleiner Raum, der normalerweise für kurze Gespräche genutzt wurde.
Auf einem Stuhl lag der Umschlag.
Elena blieb in der Tür stehen.
Sie wusste nicht, ob sie ihn öffnen sollte.
Vielleicht war es ein Irrtum.
Vielleicht wollte jemand nur ihre Aufmerksamkeit erregen.
Doch irgendetwas sagte ihr, dass sie die Nachricht nicht ignorieren konnte.
Sie schloss die Tür und nahm den Umschlag.
Auf der Vorderseite stand in sorgfältiger Handschrift:
*Für Elena. Bitte lies dies allein.*
Ihre Hände wurden kalt.
Sie öffnete ihn.
Darin lag ein einzelnes Foto.
Es zeigte eine junge Frau mit dunklen Haaren, die vor einem kleinen Haus stand. Neben ihr befand sich ein Mädchen, vielleicht acht Jahre alt.
Elena erkannte beide sofort.
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