„Sie wissen nicht, was Sie da gefunden haben.“
„Dann erklären Sie es mir.“
Stille.
Schließlich hörten sie den Schlüssel im Schloss.
Die Tür öffnete sich.
Moore stand davor, das Gesicht blass und die Hände fest um einen Schlüsselbund geschlossen.
„Ihr Vater hat dieses Hotel nicht nur gekauft“, sagte er leise. „Er hat etwas übernommen, das niemals in seinen Besitz hätte gelangen dürfen.“
Alexander trat auf den Flur.
„Was?“
Moore blickte auf das alte Gästeregister.
„Eine Vereinbarung. Eine Vereinbarung, die mit Ihrer Familie, diesem Hotel und einem Mann zusammenhängt, der vor zwanzig Jahren spurlos verschwunden ist.“
„Welcher Mann?“
Moore sah ihm direkt in die Augen.
„Der ursprüngliche Eigentümer.“
Alexander schwieg.
„Und was hat mein Vater damit zu tun?“
Moore schluckte.
„Ihr Vater war der letzte Mensch, der ihn lebend gesehen hat.“
Kapitel 6: Der Brief im Safe
In dieser Nacht kehrte Alexander nicht in seine Suite zurück.
Er blieb im Büro seines Vaters, das sich im obersten Stockwerk des Verwaltungsgebäudes befand. Seit Thomas Bennetts Tod war der Raum kaum verändert worden.
Die Bücher standen noch immer in denselben Regalen. Auf dem Schreibtisch lag ein alter Füllfederhalter. Hinter einer Glasscheibe befanden sich Fotos von Familienreisen und Firmenfeiern.
Alexander hatte diesen Raum seit Jahren gemieden.
Jetzt suchte er darin nach Antworten.
Weber hatte ihm eine Liste der alten Vermögensunterlagen gebracht. Zwischen den Dokumenten befand sich ein Hinweis auf einen Safe, der in einem Wandfach hinter dem Bücherregal verborgen sein sollte.
Alexander schob die Bücher zur Seite.
Tatsächlich fand er eine kleine Metallplatte.
Dahinter befand sich ein Safe mit einem Zahlenschloss.
Er versuchte zunächst das Geburtsdatum seines Vaters.
Falsch.
Dann das Datum, an dem die Bennett Luxury Group gegründet worden war.
Wieder falsch.
Er wollte schon aufgeben, als ihm die Notiz im Gästeregister einfiel.
Wenn der Erbe zurückkehrt, muss ihm die Wahrheit gezeigt werden.
Darunter standen drei Buchstaben.
A.V.L.
Alexander gab die Buchstaben in der Form ein, die das elektronische Schloss verlangte.
Ein leises Summen ertönte.
Der Safe öffnete sich.
Darin lagen ein versiegelter Umschlag, ein altes Foto und ein kleiner Schlüssel.
Alexander nahm zuerst das Foto.
Es zeigte seinen Vater neben einem Mann, den er nicht kannte. Beide standen vor dem Hotel, das damals noch eine deutlich kleinere Fassade besaß.
Auf der Rückseite stand:
Thomas Bennett und Adrian Vale, am Tag unserer Vereinbarung.
Alexander legte das Foto beiseite und öffnete den Umschlag.
Der Brief war an ihn adressiert.
An meinen Sohn Alexander,
wenn du diesen Brief liest, habe ich dir die Wahrheit nicht mehr persönlich erzählen können.
Es gibt Entscheidungen in meinem Leben, auf die ich nicht stolz bin. Eine davon betrifft dieses Hotel und einen Mann namens Adrian Vale.
Adrian war der rechtmäßige Eigentümer des ursprünglichen Gebäudes. Er war ein großzügiger Mann, der vielen Menschen geholfen hatte, aber er vertraute den falschen Leuten. Als ich ihn kennenlernte, befand er sich in einem Streit mit seinen Geschäftspartnern.
Ich versprach ihm, seine Interessen zu schützen.
Doch als die Situation eskalierte, zog ich mich zurück. Ich glaubte, ich könnte das Problem lösen, indem ich mich heraushielt.
Einige Wochen später verschwand Adrian.
Die Behörden fanden keine eindeutigen Beweise für ein Verbrechen. Sein Vermögen wurde eingefroren, seine Firma aufgelöst und seine Familie verlor alles.
Jahre später erwarb ich das Hotel unter Bedingungen, die ich damals nicht vollständig verstand. Ich habe versucht, die Wahrheit herauszufinden, aber die Unterlagen waren bereits verändert worden.
Ich weiß nicht, ob Adrian noch lebt.
Aber ich weiß, dass jemand die Wahrheit kennt.
Wenn du diesen Brief findest, suche nach dem Raum, den es auf keinem offiziellen Bauplan gibt.
Und vertraue niemandem, der dir sagt, dass die Vergangenheit begraben bleiben muss.
Dein Vater.
Alexander las den Brief ein zweites Mal.
Dann ein drittes Mal.
Adrian Vale.
Der ursprüngliche Eigentümer.
Der Mann, der vor zwanzig Jahren verschwunden war.
Und sein Vater hatte ihm offenbar etwas versprochen, das er nie hatte erfüllen können.
Alexander nahm den kleinen Schlüssel aus dem Safe.
Auf dem Griff waren die Buchstaben R 13 eingraviert.
Raum dreizehn.
Er ging zum Fenster.
Unter ihm lag die beleuchtete Stadt. Menschen kamen und gingen, Taxis hielten vor Restaurants, und in den Straßen schien das Leben ganz normal weiterzugehen.
Doch für Alexander hatte sich etwas verändert.
Er war in dieses Hotel gekommen, um herauszufinden, warum seine Mitarbeiter Gäste schlecht behandelten.
Jetzt wusste er, dass die Probleme viel tiefer reichten.
Vielleicht war die Arroganz an der Rezeption nur ein Symptom.
Vielleicht hatte ein altes Geheimnis eine ganze Unternehmenskultur geprägt.
Und vielleicht hatte sein Vater versucht, etwas zu verbergen, das Alexander nun ans Licht bringen musste.
Sein Telefon vibrierte.
Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.
Wenn Sie wissen wollen, was mit Adrian Vale geschehen ist, kommen Sie morgen um Mitternacht allein zum alten Haupteingang.
Darunter stand ein letzter Satz:
Bringen Sie den Schlüssel mit.
Alexander starrte auf den Bildschirm.
Dann blickte er auf den Schlüssel in seiner Hand.
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