Laura starrte auf den Ultraschallmonitor.

„Ich verstehe nicht“, flĂŒsterte sie. „Was genau sehen Sie dort?“

Dr. Marta setzte sich neben sie und nahm ihre Hand.

„ZunĂ€chst möchte ich, dass Sie ruhig bleiben. Ihrem Baby geht es im Moment stabil. Aber ich habe etwas entdeckt, das wir unbedingt genauer untersuchen mĂŒssen.“

Laura schluckte.

„Hat Victor etwas damit zu tun?“

Die Ärztin sah sie ernst an.

„Ich möchte Ihnen nichts unterstellen. Aber es gibt einige AuffĂ€lligkeiten in Ihren medizinischen Unterlagen. Außerdem wurden bestimmte Informationen bei frĂŒheren Untersuchungen nicht vollstĂ€ndig angegeben.“

„Welche Informationen?“

Marta öffnete eine weitere Akte.

„Ihr Mann hat bei mehreren Terminen darauf bestanden, die GesprĂ€che mit uns allein zu fĂŒhren. Er hat außerdem wiederholt Fragen zu Ihren Untersuchungsergebnissen gestellt, die normalerweise nur Sie selbst beantworten sollten.“

Laura schĂŒttelte unglĂ€ubig den Kopf.

„Victor wollte doch nur helfen. Er hat sich immer um alles gekĂŒmmert.“

„Das kann sein. Aber Sie haben das Recht, Ihre medizinischen Informationen selbst zu verstehen und eigene Entscheidungen zu treffen.“

Laura blickte auf ihr Handy.

Drei verpasste Anrufe.

Alle von Victor.

Dann erschien eine Nachricht:

*Liebling, bist du fertig? Ich stehe bereits vor der Klinik. Wir mĂŒssen heute noch etwas Wichtiges besprechen.*

Laura spĂŒrte, wie ihr Magen sich zusammenzog.

„Er ist hier?“

Marta nickte.

„Eine Mitarbeiterin hat ihn am Empfang gesehen. Deshalb möchte ich, dass Sie zunĂ€chst in einem geschĂŒtzten Raum bleiben, wĂ€hrend wir gemeinsam ĂŒberlegen, was als NĂ€chstes zu tun ist.“

„Aber warum sollte ich Angst vor meinem eigenen Mann haben?“

Die Ärztin antwortete behutsam:

„Das mĂŒssen wir nicht heute entscheiden. Wichtig ist, dass Sie sich sicher fĂŒhlen und dass niemand Sie zu einer Entscheidung drĂ€ngt.“

Laura wischte sich ĂŒber die Augen.

„Ich verstehe ĂŒberhaupt nichts mehr.“

Marta legte die Akte beiseite.

„Dann gehen wir Schritt fĂŒr Schritt vor.“

Sie erklĂ€rte Laura, dass das medizinische Team die Untersuchungsergebnisse unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen und die bisherigen EintrĂ€ge miteinander vergleichen wĂŒrde. Außerdem sollte eine Sozialarbeiterin hinzugezogen werden, die Laura vertraulich beraten konnte.

Kurz darauf klopfte es.

Eine Krankenschwester trat ein.

„Dr. Marta, Ihr Mann wartet am Empfang. Er sagt, er mĂŒsse dringend mit seiner Frau sprechen.“

Laura wurde blass.

„Bitte sagen Sie ihm nicht, dass ich hier bin.“

Die Krankenschwester nickte und schloss die TĂŒr.

Marta wandte sich wieder Laura zu.

„Sie bestimmen, mit wem wir sprechen dĂŒrfen. Wir werden ihn nicht ohne Ihre Zustimmung zu diesem GesprĂ€ch hinzuholen.“

Laura atmete langsam aus.

Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte jemand sie gefragt, was sie selbst wollte.

Doch dann erinnerte sie sich an etwas.

„Ärztin, ich muss Ihnen etwas erzĂ€hlen.“

Marta setzte sich wieder.

„Ich höre Ihnen zu.“

Laura blickte auf ihre HĂ€nde.

„Vor ungefĂ€hr drei Monaten hat Victor mich gebeten, einige Dokumente zu unterschreiben. Er sagte, es seien nur Unterlagen fĂŒr die Versicherung und die bevorstehende Geburt.“

„Haben Sie die Dokumente gelesen?“

Laura schĂŒttelte den Kopf.

„Nicht vollstĂ€ndig. Er sagte, ich solle mir keine Sorgen machen. Er wĂŒrde alles regeln.“

„Wissen Sie, wo sich die Unterlagen befinden?“

„Zu Hause. In seinem Arbeitszimmer.“

Marta machte sich eine Notiz.

„Dann sollten Sie zunĂ€chst nichts weiter unterschreiben. Wenn es um rechtliche oder finanzielle Fragen geht, können Sie sich unabhĂ€ngig beraten lassen.“

Laura sah sie plötzlich an.

„Glauben Sie, dass er mich belogen hat?“

Die Ärztin antwortete nicht sofort.

„Ich glaube, dass wir die Fakten ĂŒberprĂŒfen mĂŒssen. Und ich glaube, dass Sie ein Recht darauf haben, die Wahrheit zu erfahren.“

In diesem Moment vibrierte Lauras Handy erneut.

Diesmal war es keine Nachricht.

Es war ein Foto.

Victor hatte ihr ein Bild geschickt, das offenbar vor wenigen Minuten aufgenommen worden war.

Er stand vor der Klinik.

Neben ihm befand sich eine Frau mit langen dunklen Haaren.

Laura erkannte sie sofort.

Es war Sophie.

Victors ehemalige Assistentin, die angeblich vor einem halben Jahr gekĂŒndigt hatte.

Unter dem Foto stand:

*Wir mĂŒssen endlich ĂŒber das sprechen, was du unterschrieben hast.*

Laura spĂŒrte, wie ihr die HĂ€nde kalt wurden.

„Wer ist diese Frau?“, fragte Marta.

„Jemand, von dem Victor behauptet hat, dass sie nicht mehr zu unserem Leben gehört.“

Laura öffnete den Nachrichtenverlauf.

Eine weitere Nachricht erschien.

Diesmal von einer unbekannten Nummer.

*Laura, bitte glauben Sie nicht alles, was Victor Ihnen erzĂ€hlt. Ich habe versucht, Sie frĂŒher zu erreichen. Es geht um Ihre Versicherung, die Unterlagen zur Geburt und eine Vereinbarung, von der Sie nichts wissen.*

Laura las die Nachricht zweimal.

Dann kam eine zweite:

*Ich habe Beweise. Aber Sie mĂŒssen wissen, dass Victor nicht der einzige Mensch ist, der davon erfahren hat.*

Laura hob langsam den Kopf.

„Dr. Marta?“

„Ja?“

„Ich glaube, ich muss Ihnen etwas zeigen.“

Sie reichte der Ärztin das Handy.

Marta las die Nachrichten aufmerksam. Ihr Gesicht wurde ernst.

„Wir werden das dokumentieren. Aber bitte antworten Sie vorerst nicht, wenn Sie sich dadurch unter Druck gesetzt fĂŒhlen.“

Laura nickte.