Grace nahm ihre Hand, wartete aber, bis Katherine selbst die Nähe zuließ.
„Dann wirst du nach Hause gehen. Niemand wird dich zwingen, hierzubleiben.“
Robert nickte zustimmend.
Doch bevor sie aufbrechen konnten, kam Caleb ins Wohnzimmer.
In seiner Hand hielt er Beatrices Brief.
„Katherine“, sagte er mit brüchiger Stimme.
Sie sah ihn nicht an.
„Ich habe etwas gelesen. Etwas, das ich vor drei Jahren hätte lesen sollen.“
„Was willst du noch von mir?“
Caleb blieb stehen.
„Ich habe mich geirrt.“
Katherine lachte kurz und bitter.
„Du hast dich nicht nur geirrt. Du hast mich vor deiner eigenen Familie gedemütigt und mir Angst gemacht. Du hast aus unserer Hochzeit eine Strafe gemacht, die ich nie verdient habe.“
Caleb senkte den Kopf.
„Ich weiß.“
„Nein“, sagte sie. „Du weißt es noch nicht. Denn wenn du es wüsstest, würdest du nicht erwarten, dass ich dir jetzt verzeihe.“
Grace stand auf.
„Katherine hat recht.“
Caleb sah seine Mutter an.
„Mutter …“
„Du wirst ihr Zeit lassen. Und du wirst Verantwortung für das übernehmen, was du getan hast.“
Für einen Moment schien Caleb etwas sagen zu wollen. Doch dann vibrierte sein Telefon.
Eine neue Nachricht erschien auf dem Bildschirm.
Er las sie.
Und plötzlich verschwand jede Farbe aus seinem Gesicht.
„Was ist passiert?“, fragte Robert.
Caleb antwortete nicht sofort.
Dann reichte er Grace das Telefon.
Auf dem Display stand eine Nachricht von einer unbekannten Nummer:
„Du hast endlich Beatrices Brief gelesen. Gut. Aber du kennst noch immer nicht die ganze Wahrheit. Daniel war nicht der Einzige, der damals gelogen hat. Frag deine Mutter, warum sie Beatrice in der Nacht vor dem Unfall nicht zurückgerufen hat.“
Grace wurde schlagartig blass.
Katherine blickte zwischen ihnen hin und her.
„Was bedeutet das?“
Grace konnte zunächst nicht sprechen.
Denn sie erinnerte sich plötzlich an jene Nacht vor drei Jahren. An Beatrices letzten Anruf. An das Klingeln ihres Telefons. Und daran, dass sie den Anruf damals absichtlich nicht angenommen hatte, weil sie mit jemand anderem gestritten hatte.
Doch das Schlimmste war nicht, dass sie nicht abgenommen hatte.
Das Schlimmste war, dass sie danach eine Nachricht von Beatrice erhalten hatte, die sie bis heute niemandem gezeigt hatte.
Grace griff nach ihrer Handtasche.
Darin befand sich noch immer ein altes, ungeöffnetes Kuvert.
Und auf diesem Kuvert stand:
„Mama, bitte lies das, bevor es zu spät ist.“
Als Grace es herauszog, sah Caleb sie entsetzt an.
„Mutter … was hast du mir all die Jahre verschwiegen?“
Grace öffnete den Umschlag.
Und schon beim ersten Satz wusste sie, dass die Geschichte ihrer Familie ganz anders gewesen war, als sie immer geglaubt hatte.
Denn Beatrice hatte vor ihrem Tod nicht nur um Hilfe gebeten. Sie hatte jemanden gewarnt. Und der Name, den sie in ihrem letzten Brief erwähnte, war der Name eines Menschen, der noch immer mitten unter ihnen lebte … 😱
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