# TEIL 2:

Ich wartete, bis die letzten Gäste gegangen waren.

Mein Mann Daniel stand noch immer gut gelaunt an der Haustür und verabschiedete seine Freunde. Meine Schwiegermutter Ingrid saß auf dem Sofa und betrachtete zufrieden die Aufnahmen auf ihrem neuen iPhone.

Sie zeigte einer Bekannten das Video, in dem ich die orangefarbene Schachtel geöffnet hatte.

„Schau dir ihr Gesicht an!“, hörte ich sie sagen. „Sie hat wirklich geglaubt, dass ein richtiges Handy darin ist!“

Die beiden lachten.

Ich stand in der Küche und hörte jedes Wort.

Es war nicht das erste Mal, dass Ingrid einen Scherz auf meine Kosten gemacht hatte. Aber diesmal hatte sie eine Grenze überschritten. Und Daniel hatte nicht nur mitgemacht – er hatte sich darüber gefreut, mich vor unserer Familie und unseren Freunden lächerlich zu machen.

Ich ging ins Wohnzimmer.

„Ingrid, darf ich dich etwas fragen?“

Sie blickte auf.

„Natürlich, mein Schatz.“

„Wie viel hat dein neues iPhone gekostet?“

Sie hob stolz ihr Handy.

„Nicht gerade wenig! Daniel hat es mir vor ein paar Tagen gekauft. Ein wunderbares Gerät, findest du nicht?“

Ich sah zu meinem Mann.

„Du hast deiner Mutter also ein neues Handy gekauft?“

Daniel grinste.

„Ja. Sie brauchte eines. Und bevor du fragst: Das war ein Geschenk von mir.“

„Interessant“, sagte ich ruhig.

Ingrid legte ihr Handy auf den Tisch.

„Ach, jetzt sei doch nicht beleidigt. Es war nur ein kleiner Spaß. Du hast doch selbst gelacht.“

„Ich habe gelächelt, weil vierzig Menschen dabei waren und ich meinen Geburtstag nicht in einen Streit verwandeln wollte.“

Daniel verdrehte die Augen.

„Jetzt mach doch keine große Sache daraus. Du bekommst dein richtiges Geschenk noch.“

Ich sah ihn lange an.

„Wann?“

„Bald.“

„Und was ist mit dem Geschenk, das du mir heute gegeben hast?“

Er lachte wieder.

„Die Verpackung war doch schon mal ein Anfang!“

Ingrid prustete los.

Da wusste ich, was ich tun würde.

Ich ging ins Schlafzimmer, holte eine kleine Mappe aus dem Schrank und kehrte ins Wohnzimmer zurück.

„Daniel, ich habe auch noch eine Überraschung für dich.“

Er hob neugierig die Augenbrauen.

„Ach ja? Was denn?“

Ich legte die Mappe vor ihn.

Darin befanden sich mehrere Ausdrucke: die Rechnung für die Dekoration, die Kosten für das Geburtstagsessen, die Bestellung des Kuchens und einige weitere Ausgaben, die ich in den vergangenen Wochen übernommen hatte.

Daneben lag ein Blatt mit einer kurzen Übersicht.

„Was soll das sein?“, fragte er.

„Eine Erinnerung daran, wie wir unsere gemeinsame Haushaltskasse verwenden.“

Er blätterte durch die Unterlagen.

„Ich verstehe nicht.“

„Ich habe in den letzten Monaten vieles für unsere Familie bezahlt. Auch einige größere Anschaffungen. Du hast mir mehrfach gesagt, dass wir sparen müssen, weil unser Budget knapp ist. Deshalb habe ich heute eine Frage: Wenn wir angeblich so wenig Geld haben, warum konntest du deiner Mutter ein teures neues iPhone kaufen, während du mir eine leere Verpackung schenkst?“

Daniel wurde plötzlich still.

Ingrid verschränkte die Arme.

„Das ist doch seine Entscheidung. Er darf seiner Mutter etwas schenken!“

„Natürlich darf er das“, antwortete ich. „Aber dann darf ich auch fragen, warum er mich gleichzeitig glauben lässt, wir könnten uns kein neues Handy für mich leisten.“

Daniel schob die Papiere zur Seite.

„Du machst aus allem ein Problem.“

„Nein. Du hast aus meinem Geburtstag einen Witz gemacht.“

Er seufzte.

„Ich wollte doch nur alle zum Lachen bringen.“

„Auf meine Kosten.“

„Du bist viel zu empfindlich.“

Ich atmete tief durch.

„Daniel, ich bin vierzig geworden. Ich wollte keinen teuren Luxusurlaub und keinen riesigen Diamanten. Mein altes Handy ist kaputt, und du weißt genau, dass ich ein neues brauche. Du hättest mir sagen können, dass du noch kein Geld dafür ausgegeben hast. Stattdessen hast du eine leere Schachtel eingepackt und mich vor allen bloßgestellt.“

Ingrid stand auf.

„Also wirklich! Ich finde, du solltest dich bei Daniel bedanken. Er hat sich wenigstens etwas Kreatives einfallen lassen.“

Ich sah sie an.

„Ingrid, du hast ein neues iPhone bekommen. Du hast mich während meiner Reaktion gefilmt und dich darüber amüsiert. Ich möchte nicht, dass du solche Aufnahmen von mir ohne meine Zustimmung verbreitest.“

Sie schüttelte den Kopf.

„Das war doch nur ein lustiges Video!“

„Für dich vielleicht. Für mich war es demütigend.“

Dann wandte ich mich wieder an Daniel.

„Und jetzt kommt meine Überraschung.“

Ich nahm einen zweiten Umschlag aus der Mappe.

Daniel öffnete ihn. Darin lag eine Buchungsbestätigung.

Er las sie zweimal.

„Was ist das?“

„Ein Wochenendaufenthalt für mich und unsere Tochter bei meiner Schwester. Wir fahren morgen früh.“

Er sah mich verwirrt an.

„Du willst wegfahren?“

„Für ein paar Tage. Ich brauche Abstand und Ruhe. Ich möchte nicht so tun, als wäre nichts passiert.“

„Und was soll ich in der Zeit machen?“

„Überlegen, ob du wirklich verstanden hast, warum mich dein Verhalten verletzt hat.“

Ingrid sprang auf.

„Du kannst doch nicht einfach am Tag nach deinem Geburtstag verschwinden!“