TEIL 2:

Als Teresa beerdigt wurde, schien für ihre Eltern die Welt stillzustehen.

Ihre Mutter Elena konnte nicht begreifen, dass sie ihre Tochter nie wieder umarmen würde. Ihr Vater Miguel stand schweigend neben ihr. Er hatte seit dem Anruf aus dem Ausland kaum ein Wort gesprochen.

Die Nachricht war kurz gewesen: Teresa sei nach ihrer Hochzeitsnacht plötzlich verstorben. Es habe Komplikationen gegeben. Die Familie ihres Mannes habe bereits alles organisiert.

Doch etwas stimmte nicht.

Warum hatte niemand sie rechtzeitig informiert?

Warum hatte man ihnen keine Möglichkeit gegeben, ihre Tochter noch einmal zu sehen?

Und weshalb waren die Dokumente zur Beerdigung so schnell fertig gewesen?

Am Abend nach der Beisetzung saßen Elena und Miguel in ihrem Wohnzimmer. Auf dem Tisch lag Teresas Hochzeitsfoto. Sie lächelte darauf, hielt den Blumenstrauß in den Händen und blickte ihren frisch angetrauten Mann an.

„Sie war doch glücklich“, flüsterte Elena. „Sie hat uns gesagt, dass sie endlich jemanden gefunden hat, der gut zu ihr ist.“

Miguel betrachtete das Bild.

„Dann müssen wir herausfinden, was passiert ist.“

### Die letzte Nachricht ihrer Tochter

Am nächsten Morgen rief Miguel den Ehemann seiner Tochter an.

Sein Name war Karim Al-Fayed. Er hatte sich bei der Hochzeit als höflicher, großzügiger Mann präsentiert. Er hatte den Eltern versprochen, Teresa werde in seinem Haus wie eine Königin behandelt.

Doch diesmal klang seine Stimme kühl.

„Es tut mir leid, was geschehen ist“, sagte er. „Teresa hatte gesundheitliche Probleme. Wir haben alles getan, was möglich war.“

„Welche gesundheitlichen Probleme?“, fragte Miguel.

Eine kurze Pause entstand.

„Sie war sehr erschöpft. Die Ärzte können Ihnen mehr sagen.“

„Dann nennen Sie uns bitte das Krankenhaus und den behandelnden Arzt.“

Karim seufzte.

„Ich verstehe Ihre Trauer. Aber Sie müssen akzeptieren, dass Ihre Tochter jetzt an einem besseren Ort ist.“

Miguel umklammerte das Telefon.

„Ich möchte keine Floskeln hören. Ich möchte wissen, was mit meiner Tochter geschehen ist.“

Karim beendete das Gespräch mit dem Versprechen, später Unterlagen zu schicken.

Doch nichts kam.

Elena saß währenddessen am Küchentisch und öffnete immer wieder die letzte Nachricht, die Teresa ihr vor der Hochzeit geschickt hatte.

Sie lautete:

**„Mama, ich bin etwas nervös. Aber ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Ich rufe dich morgen an. Ich liebe dich.“**

Elena strich über den Bildschirm.

„Sie wollte mich morgen anrufen“, sagte sie leise. „Sie hatte doch noch so viele Pläne.“

### Die Frau, die bei der Hochzeit nicht gelächelt hatte

Drei Tage später erhielt Miguel eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

**„Mein Name ist Nadia. Ich habe bei der Hochzeit gearbeitet. Ich muss mit Ihnen sprechen. Es geht um Teresa.“**

Miguel rief sofort zurück.

Eine junge Frau meldete sich. Ihre Stimme zitterte.

„Ich war für die Gästebetreuung zuständig“, erklärte sie. „Ich habe Teresa am Abend vor der Hochzeit gesehen. Sie war nicht so glücklich, wie alle behauptet haben.“

Elena, die neben ihrem Mann saß, wurde aufmerksam.

„Was meinen Sie damit?“, fragte sie.

„Sie war sehr still. Während der Henna-Nacht hat sie mich einmal gefragt, ob sie nach der Hochzeit jederzeit ihre Eltern besuchen könne.“

Elena hielt sich die Hand vor den Mund.

„Was haben Sie ihr gesagt?“

„Ich sagte, natürlich könne sie das. Aber eine ältere Frau aus der Familie hörte uns und antwortete, dass Teresa nun eine neue Familie habe und sich an deren Regeln gewöhnen müsse.“

Miguel wurde ernst.

„Welche Frau war das?“

Nadia nannte den Namen von Karims Tante Samira.

Dann fügte sie hinzu:

„Es gab noch etwas. Teresa bat mich, ihr kurz mein Telefon zu leihen. Sie wollte offenbar eine Nachricht verschicken, aber Karim kam in diesem Moment in den Raum. Danach gab sie mir das Telefon zurück und sagte, es sei nicht wichtig.“

„Haben Sie die Nachricht gesehen?“, fragte Elena.

„Nein. Aber am nächsten Morgen habe ich erfahren, dass Teresa gestorben war.“

Nadia schwieg kurz.

„Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich möchte niemanden beschuldigen. Aber ich glaube, Sie sollten wissen, dass Ihre Tochter in der Hochzeitsnacht sehr verängstigt wirkte.“

### Die Unterlagen aus dem Krankenhaus

Miguel wandte sich an eine Anwältin, die auf internationale Familien- und Erbschaftsangelegenheiten spezialisiert war.

Sie erklärte ihm, dass die Eltern zunächst klären müssten, welche medizinischen Unterlagen existierten und welche Behörden für die Untersuchung zuständig waren.

„Wir dürfen keine Vermutungen als Tatsachen behandeln“, sagte sie. „Aber Sie haben das Recht, die Umstände des Todes Ihrer Tochter überprüfen zu lassen. Wir werden die zuständigen Stellen kontaktieren und herausfinden, welche Dokumente rechtmäßig angefordert werden können.“

Einige Tage später erhielten sie eine erste Auskunft.

Teresa war tatsächlich in einem Krankenhaus behandelt worden. Allerdings passten die Angaben in der ersten Mitteilung nicht vollständig zu den Informationen, die Karim den Eltern gegeben hatte.

Es gab unterschiedliche Uhrzeiten.

Außerdem war nicht eindeutig dokumentiert, wann ihr Ehemann die Familie informiert hatte.

Die Anwältin erklärte, dass solche Abweichungen überprüft werden müssten. Sie bedeuteten allein noch keinen Beweis für ein Verbrechen.