Misha blickte vorsichtig durch das Kirchenfenster.
Drei schwarze Fahrzeuge hielten vor seinem Haus.
Mehrere Männer stiegen aus.
Sie durchsuchten erneut jedes Zimmer.
Einer telefonierte.
„Nein.“
Kurze Pause.
„Sie war nicht hier.“
Noch eine Pause.
„Wir finden sie.“
Irina beobachtete alles mit Tränen in den Augen.
„Das ist alles meine Schuld.“
Misha schüttelte entschieden den Kopf.
„Nein.“
„Wenn du mich nie gefunden hättest…“
„Dann wärst du gestorben.“
Sie senkte den Blick.
„Vielleicht wäre das einfacher gewesen.“
Misha antwortete sofort.
„Für sie vielleicht.“
Er setzte sich neben sie.
„Aber nicht für die Wahrheit.“
Am nächsten Morgen klopfte jemand an die Kirchentür.
Der Pfarrer öffnete vorsichtig.
Draußen stand eine elegante Frau in einem dunkelblauen Mantel.
Sie war vielleicht Anfang fünfzig.
„Ich suche Elena Sokolowa.“
Misha trat sofort vor Irina.
„Wer sind Sie?“
Die Frau zog langsam einen alten Familienausweis hervor.
Darauf befand sich ein vergilbtes Foto.
Neben einem kleinen Mädchen stand dieselbe Frau.
„Mein Name ist Anna.“
Ihre Stimme zitterte.
„Ich bin Elenas ältere Schwester.“
Irina erstarrte.
Sie betrachtete das Foto.
Dann sah sie der Frau ins Gesicht.
Plötzlich erinnerte sie sich an einen Sommertag.
An zwei Schwestern, die lachend an einem Flussufer saßen.
An ihre Mutter.
An den Duft frisch gebackenen Brotes.
Tränen liefen ihr über die Wangen.
„Anna…“
Die Frau begann ebenfalls zu weinen.
Nach zwei Jahren glaubte sie nicht mehr daran, ihre Schwester jemals lebend wiederzusehen.
Doch die Wiedersehensfreude dauerte nur wenige Sekunden.
Denn draußen hielt erneut ein schwarzer Wagen.
Langsam öffnete sich die Tür.
Ein Mann im grauen Anzug stieg aus.
Irina wurde kreidebleich.
„Jetzt erinnere ich mich…“
Misha sah sie erschrocken an.
„Wer ist das?“
Irina flüsterte mit bebender Stimme:
„Das ist nicht Viktors Handlanger…“
Sie machte eine lange Pause.
„Das ist Viktor Karelin selbst.“
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