„Ja. Sie sagte, du hättest Interesse daran, deine Wohnung zu verkaufen und das Geld in ein Familienprojekt einzubringen.“
Ich starrte ihn an.
„Das habe ich niemals gesagt.“
Friedrich nickte langsam.
„Das haben wir inzwischen vermutet. Deshalb haben wir die Unterlagen nicht weiterbearbeitet.“
Leon sah mich ernst an.
„Deine Schwester hat außerdem behauptet, du hättest ihr bereits eine schriftliche Zustimmung gegeben.“
Ich spürte, wie mir der Magen schwer wurde.
„Mira, was hast du getan?“
Sie stellte ihr Glas so heftig auf den Tisch, dass etwas Champagner überschwappte.
„Das ist lächerlich! Ich wollte dir helfen!“
„Indem du behauptest, ich würde meine Wohnung verkaufen?“
„Du sitzt seit Jahren allein in deiner kleinen Wohnung und tust so, als wärst du glücklich! Ich dachte, du könntest endlich etwas Sinnvolles mit deinem Leben anfangen!“
Ich sah sie fassungslos an.
„Meine Wohnung, meine Arbeit und mein Leben sind also nur dann sinnvoll, wenn sie deinen Vorstellungen entsprechen?“
Mira schwieg.
### Der Bräutigam erfährt die Wahrheit
In diesem Moment kam ihr Ehemann Julian dazu.
„Was ist hier los?“
Friedrich schob ihm die Dokumente hin.
„Julian, ich denke, du solltest dir diese Unterlagen ansehen.“
Julian überflog die erste Seite.
Dann die zweite.
Sein Gesicht veränderte sich.
„Mira, hast du gesagt, deine Schwester hätte zugestimmt?“
Mira versuchte zu lächeln.
„Julian, bitte. Nicht jetzt.“
„Hast du das gesagt?“
„Ich wollte nur eine Möglichkeit schaffen, damit wir das Projekt schneller abschließen können.“
Julian legte die Papiere auf den Tisch.
„Du hast mir erklärt, sie hätte ihre Zustimmung bereits gegeben.“
„Das wollte ich doch noch mit ihr klären!“
Leon schüttelte den Kopf.
„Das ist ein erheblicher Unterschied. Eine Zustimmung kann man nicht einfach voraussetzen.“
Friedrich blieb ruhig.
„Wir werden die Angelegenheit unabhängig prüfen lassen. Bis dahin wird es keine Unterschriften und keine Überweisungen geben.“
Julian sah seine Frau an.
„Warum hast du mich nicht einfach gefragt?“
Mira antwortete nicht.
Zum ersten Mal an diesem Abend war sie nicht diejenige, die das Gespräch kontrollierte.
### Die zweite Überraschung
Ich dachte, damit sei alles geklärt.
Doch Leon legte eine weitere Seite auf den Tisch.
„Es gibt noch etwas.“
Mira wurde sofort unruhig.
„Leon, das gehört nicht hierher.“
Er sah sie an.
„Du hast es selbst in die Unterlagen aufgenommen.“
Auf dem Blatt stand mein Name.
Darunter befand sich eine handschriftliche Erklärung, in der ich angeblich bestätigte, dass Mira mich in finanziellen Angelegenheiten vertreten dürfe.
Ich schüttelte den Kopf.
„Diese Unterschrift stammt nicht von mir.“
Julian sah mich an.
„Bist du sicher?“
„Absolut.“
Friedrich schloss die Mappe.
„Dann wird die Echtheit geprüft. Niemand sollte daraus voreilige Schlüsse ziehen.“
Mira begann zu weinen.
„Ihr macht aus einer Kleinigkeit ein riesiges Problem!“
Ich sah sie an.
„Eine Kleinigkeit? Du hast meinen Namen benutzt, um anderen Menschen etwas vorzutäuschen.“
„Ich wollte doch nur, dass wir alle profitieren!“
„Dann hättest du mich fragen müssen.“
Sie wandte sich ab.
### Warum Leon mich angesprochen hatte
Später stand ich mit Leon auf der Terrasse.
Die Musik war leiser geworden. Durch die offenen Türen sah ich Mira, die inzwischen allein an einem Tisch saß.
„Jetzt verstehe ich, warum du mich angesprochen hast“, sagte ich.
Leon nickte.
„Ich hatte gehört, wie sie über dich gesprochen hat. Und als ich deinen Namen erfuhr, erinnerte ich mich an die Unterlagen.“
„Du wusstest also schon vorher, dass sie mich möglicherweise in diese Angelegenheit hineingezogen hatte?“
„Ich wusste nur, dass dein Name darin auftauchte. Ich wollte dich nicht vor allen Gästen damit konfrontieren.“
Ich schwieg einen Moment.
„Warum hast du dann gesagt, ich solle so tun, als wären wir ein Paar?“
Leon sah mich nachdenklich an.
„Weil Mira offenbar großen Wert darauf legte, dich als Frau ohne Partnerin und ohne gesellschaftlichen Einfluss darzustellen. Ich wollte ihr zeigen, dass du nicht allein bist und dass du dich nicht von ihr einschüchtern lassen musst.“
Ich lächelte schwach.
„Du hättest auch einfach sagen können, dass du mir helfen möchtest.“
„Stimmt. Das wäre vermutlich ehrlicher gewesen.“
Wir lachten kurz.
Dann wurde Leon wieder ernst.
„Aber ich möchte dir etwas sagen: Du brauchst keinen Mann an deiner Seite, damit andere dich respektieren.“
Dieser Satz blieb mir im Gedächtnis.
### Die Nachricht um Mitternacht
Als ich mich verabschiedete, vibrierte mein Handy.
Eine Nachricht von Mira.
**„Du hast heute alles ruiniert. Julian glaubt mir nicht mehr. Du wirst noch bereuen, dass du dich mit diesen Leuten verbündet hast.“**
Ich las die Worte zweimal.
Dann antwortete ich:
**„Ich habe nichts ruiniert. Ich habe nur nicht länger zugelassen, dass du für mich sprichst.“**
Ich steckte mein Handy weg.
Doch kurz darauf kam eine weitere Nachricht.
Diesmal von einer unbekannten Nummer.
**„Guten Abend. Mein Name ist Frau Berger. Ich bin Notarin und habe vor einigen Monaten eine Vollmacht vorbereitet, die Ihre Schwester mir als von Ihnen genehmigt vorgelegt hat. Ich habe damals um eine persönliche Bestätigung gebeten. Ihre Schwester hat den Termin abgesagt.“**
Ich blieb stehen.
Eine Vollmacht?
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