Als ich die Gala erreichte, hatte sich der Regen über Mexiko-Stadt gelegt.
Ich stand vor dem Spiegel in unserer Suite und betrachtete mein Spiegelbild.
Das schlichte Kleid, das ich am Nachmittag getragen hatte, war verschwunden. Stattdessen trug ich ein elegantes dunkelblaues Abendkleid, das Elena, Adriáns Mutter, für mich ausgesucht hatte.
Mein Haar fiel in weichen Wellen über meine Schultern.
An meiner linken Hand glänzte der Ehering.
Ich berührte ihn vorsichtig.
Noch immer fühlte es sich unwirklich an, Adriáns Frau zu sein.
Nicht, weil ich seinen Namen oder seine Familie nicht kannte. Sondern weil ich zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl hatte, mein Leben gehöre wirklich mir.
Adrián trat hinter mich und legte seine Hände sanft auf meine Schultern.
—¿Estás lista?
Ich begegnete seinem Blick im Spiegel.
—No sé si estoy lista para ver a Eduardo.
Er nickte verständnisvoll.
—Entonces no lo hagas por él. Hazlo por ti, por tu fundación y por todo lo que has construido.
Ich drehte mich zu ihm um.
—¿Y si intenta humillarme otra vez?
Adrián nahm meine Hand.
—Entonces tendrá que aprender que no puede decidir cuánto vales.
Ich lächelte.
Genau deshalb liebte ich diesen Mann.
Er versprach mir nicht, alle Probleme für mich zu lösen. Er erinnerte mich daran, dass ich selbst stark genug war, ihnen entgegenzutreten.
Eine Stunde später hielt unsere Limousine vor dem Veranstaltungsort.
Die Gala fand in einem prachtvollen Saal im Herzen von Mexiko-Stadt statt. Kristallleuchter hingen von der Decke, ein Streichquartett spielte leise Musik, und zahlreiche Unternehmer, Ärzte und Vertreter gemeinnütziger Organisationen unterhielten sich zwischen den festlich gedeckten Tischen.
Am Eingang begrüßte mich Elena mit einer herzlichen Umarmung.
—Mariana, cariño, estás preciosa.
—Gracias, Elena.
Sie betrachtete meine Hand und lächelte.
—Me alegra que por fin puedas llevar ese anillo sin esconderlo.
Ich drückte ihre Finger.
—Yo también.
Dann betrat Rafael de la Vega den Saal.
Er war ein Mann, dessen Anwesenheit sofort Aufmerksamkeit erregte. Nicht nur wegen seines Einflusses in der Gesundheitsbranche, sondern auch wegen seiner langjährigen Arbeit mit öffentlichen Institutionen.
Er küsste mich auf die Wange.
—Heute Abend geht es um Ihre Stiftung. Lassen Sie sich von niemandem davon abbringen.
Ich nickte.
Doch dann hörte ich eine Stimme, die ich lieber nie wieder gehört hätte.
—¡Mariana!
Mein Körper spannte sich an.
Eduardo.
Er kam mit Fernanda auf mich zu. Er trug einen maßgeschneiderten schwarzen Anzug und hielt ein Glas Champagner in der Hand.
Fernanda musterte mein Kleid von oben bis unten.
—Vaya, Mariana. No sabía que todavía tenías acceso a eventos como este.
Eduardo lachte leise.
—Quizá trabaja para alguna de las organizaciones que están aquí.
Ich sah ihn ruhig an.
—Buenas noches, Eduardo.
Er schien überrascht, dass ich mich nicht rechtfertigte.
Dann beugte er sich etwas näher zu mir.
—Por cierto, lamento lo del charco. Aunque, siendo sincero, deberías tener más cuidado por dónde caminas.
Fernanda unterdrückte ein Lachen.
Ich antwortete nicht.
Eduardo deutete auf meinen Ring.
—¿Y eso? ¿Un regalo de algún admirador?
Ich hob meine Hand ein wenig.
—Es mi anillo de matrimonio.
Für einen Augenblick verschwand sein Lächeln.
Dann brach er in Gelächter aus.
—¿Matrimonio? ¿Tú? Mariana, no sabía que las bromas formaban parte de tu nueva vida.
Fernanda stimmte ihm zu.
—Quizá encontró a alguien que tampoco tiene mucho que ofrecer.
Ich sah sie an.
—A veces, quien menos tiene es quien más sabe valorar lo que recibe.
Ihr Lächeln erstarb.
Eduardo wollte gerade etwas erwidern, als das Licht im Saal langsam gedimmt wurde.
Der Moderator trat auf die Bühne.
—Damas y caballeros, gracias por acompañarnos esta noche. Hoy celebramos el nacimiento de una iniciativa que busca llevar atención médica a comunidades que durante demasiado tiempo han sido olvidadas.
Auf der großen Leinwand erschien das Logo meiner Stiftung:
Puentes de Salud.
Ein Video begann. Es zeigte kleine Gemeinden, überfüllte Gesundheitszentren und Familien, die lange Wege zurücklegen mussten, um medizinische Hilfe zu erhalten.
Dann erschien ich auf der Leinwand.
Nicht als Ehefrau eines reichen Mannes.
Nicht als Ex-Frau von Eduardo Alcázar.
Sondern als Gründerin eines Projekts, für das ich jahrelang gearbeitet hatte.
Der Moderator fuhr fort:
—La fundadora de esta iniciativa abandonó una vida cómoda para dedicar su tiempo a quienes más lo necesitan. Hoy, junto con nuestros patrocinadores, comenzará una nueva etapa de expansión.
Eduardo hörte auf zu lächeln.
Fernanda blickte von der Leinwand zu mir.
—¿Esa eres tú?
Ich antwortete nicht.
Auf der Bühne sprach der Moderator meinen Namen aus.
—¡Recibamos con un fuerte aplauso a la señora Mariana Torres de la Vega!
Im Saal wurde es still.
Eduardo drehte sich abrupt zu mir.
—¿Torres de la Vega?
Ich richtete meine Schultern auf.
Adrián trat neben mich und bot mir seinen Arm an.
Gemeinsam gingen wir zur Bühne.
Als wir an Eduardo vorbeikamen, hörte ich ihn flüstern:
—¿Qué está pasando?
Ich blieb einen Moment stehen und sah ihn an.
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