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## Teil 2 – Die drei Jungen enthüllten die Wahrheit, die ihren Vater alles infrage stellen ließ
Emilia hatte das eiserne Tor gerade erreicht, als sie hinter sich eine Stimme hörte.
„EMILIA!“
Sie blieb stehen.
Es war Martin.
Der Junge rannte aus der Villa, ohne auf seinen Vater oder Victoria zu achten. Nikolai und Lyubomir folgten ihm. Alle drei trugen ihre Hausschuhe und hatten Tränen in den Augen.
„Bitte geh nicht!“, rief Nikolai.
Emilia stellte ihren Koffer ab und kniete sich zu ihnen hinunter.
„Meine Lieben, ihr müsst zurück ins Haus. Es ist kalt draußen.“
Martin schüttelte heftig den Kopf.
„Nein! Papa darf dich nicht wegschicken!“
Lyubomir klammerte sich an ihren Arm.
„Du hast nichts gestohlen. Wir wissen das!“
Richard, der gerade aus der Villa gekommen war, blieb wie angewurzelt stehen.
„Jungs! Sofort zurück!“
Doch die Kinder bewegten sich nicht.
Martin drehte sich zu seinem Vater um. Sein Gesicht war vor Aufregung gerötet.
„Papa, du musst Emilia zuhören!“
Richard wurde ungeduldig.
„Das reicht. Sie hat unser Vertrauen missbraucht.“
„Nein!“, rief Nikolai. „Victoria lügt!“
Victoria trat hinter Richard.
„Was soll das denn jetzt? Ihr seid aufgeregt. Geht wieder hinein.“
Doch die drei Jungen wichen zurück.
Und dann sagte Lyubomir einen Satz, der die ganze Situation veränderte:
„Wir haben gesehen, wie Victoria die Uhr in Emilias Tasche gelegt hat.“
Richard sah seinen Sohn an.
„Was hast du gerade gesagt?“
„Wir waren oben auf der Treppe“, erklärte Martin. „Wir wollten Emilia fragen, ob sie uns heute Abend eine Geschichte vorliest. Dann haben wir Victoria in der Bibliothek gesehen.“
Nikolai ergänzte mit zitternder Stimme:
„Sie hat die Uhr aus ihrer eigenen Tasche genommen und in Emilias Tasche gesteckt. Sie hat uns gesehen und gesagt, wir sollen kein Wort darüber verlieren.“
Victoria wurde blass.
„Das ist Unsinn! Kinder erfinden manchmal Geschichten, wenn sie ihren Willen nicht bekommen.“
„Wir erfinden nichts!“, rief Martin.
Richard blickte von seinen Söhnen zu Victoria.
Zum ersten Mal seit langer Zeit schien er nicht zu wissen, wem er glauben sollte.
### Die Wahrheit hinter der Bibliothekstür
„Jungs, seid ihr euch sicher?“, fragte Richard leiser.
Nikolai nickte.
„Wir wollten es dir sagen. Aber Victoria meinte, du würdest uns bestrafen, wenn wir lügen.“
Richard runzelte die Stirn.
„Sie hat euch das gesagt?“
„Ja“, antwortete Lyubomir. „Und sie hat gesagt, Emilia würde sowieso bald verschwinden.“
Emilia stand langsam auf.
Sie wollte nicht, dass die Kinder noch mehr in diesen Streit hineingezogen wurden.
„Richard, bitte. Sie sind aufgewühlt. Lass sie erst einmal hineingehen.“
Doch Martin hielt ihre Hand fest.
„Nein, Emilia. Wenn du gehst, glaubt Papa vielleicht wieder Victoria.“
Diese Worte trafen Richard stärker als jede Anschuldigung.
Er sah seine Söhne an.
In den vergangenen Monaten hatte er so viele Geschäftsverhandlungen geführt, dass er kaum bemerkt hatte, wie sehr sich seine Kinder verändert hatten. Emilia war bei ihnen gewesen, wenn sie nachts nicht schlafen konnten, wenn sie Angst vor Gewittern hatten oder wenn sie ihren verstorbenen Mutter vermissten.
Er hatte geglaubt, eine teure Villa und die besten Schulen würden ausreichen.
Doch seine Kinder hatten etwas anderes gebraucht.
Jemanden, der ihnen zuhörte.
Jemanden, der sich Zeit nahm.
Jemanden, der sie nicht als Verpflichtung betrachtete.
Und diese Person war Emilia gewesen.
„Victoria“, sagte Richard schließlich, „komm bitte mit hinein.“
Sie lächelte gezwungen.
„Richard, du wirst doch nicht wegen der Aussagen dreier Kinder eine Szene machen?“
„Ich möchte die Sache überprüfen.“
„Du kennst mich doch!“
„Ich dachte, ich kenne auch Emilia.“
Victoria verstummte.
### Eine Aufnahme, die niemand erwartet hatte
Zurück in der Villa ließ Richard die Sicherheitsaufnahmen auswerten.
Er wollte keine voreiligen Schlüsse mehr ziehen.
Der Sicherheitschef kam wenige Minuten später mit einem Tablet in die Bibliothek.
„Herr Stoyanov, wir haben die Aufnahmen gefunden.“
Victoria stand am Fenster.
„Das ist lächerlich. Ihr verschwendet eure Zeit.“
Der Sicherheitschef spielte das Video ab.
Zunächst war die Bibliothek leer.
Dann betrat Victoria den Raum. Sie blickte sich um, öffnete Emilias Tasche und legte die goldene Uhr hinein.
Anschließend richtete sie die Tasche so aus, dass sie möglichst unauffällig aussah.
Wenige Minuten später kam Richard herein.
Das Video zeigte alles.
Niemand sprach.
Richard ließ die Aufnahme noch einmal laufen.
Dann drehte er sich langsam zu Victoria.
„Du hast sie absichtlich beschuldigt.“
Victoria verschränkte die Arme.
„Du verstehst nicht, Richard. Ich wollte nur verhindern, dass sie weiterhin so viel Einfluss auf deine Kinder hat.“
„Das ist keine Antwort.“
Sie seufzte.
„Du hast drei Kinder, Richard. Sie brauchen eine richtige Familie. Eine Frau an deiner Seite, die sich um sie kümmert. Nicht eine Angestellte, die glaubt, sie wäre ihre Mutter.“
Richard sah sie fassungslos an.
„Emilia hat nie behauptet, ihre Mutter zu sein.“
„Aber sie hat sich so verhalten!“
„Sie hat sich um sie gekümmert, als ich nicht da war.“
Victoria hob die Stimme.
„Ich wollte doch nur, dass wir endlich ein normales Leben führen können!“
Richard deutete auf den Bildschirm.
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